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Versteckt, um zu überleben

fj; 5. Mar 2014, 13:43 Uhr
Bilder: Fenja Jansen ---(v. li.) Kreisdechant Pfarrer Christoph Bersch, Faye Cukier, Dr. Frank Johannes Hensel, Diözesan-Caritasdirektor im Erzbistum Köln und Peter Rothausen, Geschäftsführer Caritasverband Oberberg.
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Versteckt, um zu überleben

fj; 5. Mar 2014, 13:43 Uhr
Gummersbach – Die Ausstellung „Dem Leben hinterher“ zeigt Verstecke, in denen Berliner Juden die Nazizeit überlebten – Bei der heutigen Eröffnung sprach Faye Cukier von ihrer eigenen Flucht und dem Leben im Exil.
56.000 Juden wurden zwischen 1941 und Kriegsende alleine aus Berlin in Vernichtungslager deportiert. Lediglich rund 1.700 Juden überlebten die nationalsozialistische Herrschaft - versteckt in Berlin. Oft mit der Hilfe von nichtjüdischen Helfern tauchten sie in Kirchen, Gartenlauben, Gutshäusern und sogar in Badeanstalten und der S-Bahn unter. Die Fotografinnen Sibylle Baier und Daniela Friebel haben diese ehemaligen Verstecke aufgesucht und im Bild festgehalten. 18 von ihnen sind in der Ausstellung „Dem Leben hinterher – Fluchtorte jüdischer Verfolgter“ zu sehen. Die Caritas hat die Ausstellung im Rahmen ihrer Jahreskampagne „Weit weg ist näher, als du denkst“ nun auch ins Oberbergische geholt. Bis zum 18. März ist diese im Kreishaus zu sehen.


[Faye Cukier und ihre Eltern haben die Nazizeit überlebt, weil sie ihrer Heimat Köln den Rücken zukehrten.]

Dass die Verfolgung von Juden nicht nur weit weg, sondern auch mitten im Oberbergischen stattfand, machte Wilfried Hahn, Vorsitzender der Oberbergischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, bei der heutigen Ausstellungseröffnung im Gummersbacher Kino Burgtheater deutlich: Schon vor Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde in den oberbergischen Kirchen von den treulosen Juden gepredigt. Am 10. November 1938 wurde der Friedhof der jüdischen Gemeinde in Nümbrecht zerstört. Die Zerstörung ihrer Synagoge im August 1938 beendete nach 200 Jahren jüdische Gemeindeexistenz im Kreis. Für die letzten, noch in Nümbrecht lebenden Familien, Baer und Herz, war der 19. Juli 1942 der Tag der Deportation. Die Meta-Herz-Straße in Nümbrecht erinnert an eine der oberbergischen Jüdinnen, die den Rassenwahn der Nationalsozialisten nicht überlebten.

Überlebt hat die Nazizeit dagegen Faye Cukier. Die heute 90-Jährige wurde 1922 unter dem Namen Fanni Cukrowski in Köln geboren. Anlässlich der heutigen Ausstellungseröffnungen erzählte sie den Zuhörern, darunter die Bundestagsabgeordnete Michaela Engelmeier-Heute, der stellvertretende Landrat Prof. Dr. Friedrich Wilke sowie zahlreichen Schüler aus den Gesamtschulen Reichshof und Marienheide, von ihrem Leben, das von der Flucht vor den Nazis geprägt war. Kurz vor der Pogromnacht 1938 floh ihre Familie nach Antwerpen. „Ich habe das schlimmste erwartet und so viel schönes erlebt“, sagte Curkier heute. Dass sie schaffen würde, das hätte damals als 16-Jährige in Antwerpen gespürt.


Gemeinsam mit dem Medienproduktionsteam von Sektor 53 hatte Cukier die Orte ihrer Flucht erneut besucht. Den Trailer des so entstandenen Dokumentarfilms „Kölsche Mädchen – Jüdischer Mensch“ gab es heute zum ersten Mal auf der großen Kinoleinwand zu sehen. „Die Vergangenheit verwandelt sich in Gegenwart“, zeigte sich Cukier angesichts der Aufnahmen, die in Antwerpen entstanden, gerührt. Trotz aller erlebter Schrecken, so die gebürtige Kölnerin, sei sie gerne an die Orte ihres Exils zurückgekehrt. „Hier habe ich meine Jugend verbracht. Und auch wenn sie oft schrecklich war, so war es doch die einzige Jugend, die ich hatte.“

Die Fotoausstellung „Dem Leben hinterher – Fluchtorte jüdischer Verfolgter“ ist vom 6. bis zum 18. März im Kreishaus zu sehen. In der Autobiographie „Flucht vor dem Hakenkreuz“ berichtet Faye Cukier, wie sie und ihre Eltern die Naziherrschaft überlebten.
  
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