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Holzklau – alles andere als ein Kavaliersdelikt

vs; 21. Jan 2014, 14:11 Uhr
Bild: Martin Hütt --- An diesen großen Stämmen vergreift sich niemand. Diebe mögen es kleiner und handlicher, dies wird für Waldbesitzer immer mehr zum Problem.
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Holzklau – alles andere als ein Kavaliersdelikt

vs; 21. Jan 2014, 14:11 Uhr
Oberberg - Je teurer Öl und Gas werden, desto mehr kommt Holz als nachwachsender Rohstoff auch in Oberberg in Mode – Doch dies zieht auch Spitzbuben an, Diebstähle werden wird immer mehr zum Problem.
Von Valentin Stumpe

Heizen ist teurer geworden in jüngster Zeit – ganz gleich ob man Gas, Öl oder Elektrizität verwendet, überall explodieren die Preise förmlich. Seit Jahren ist auch  ein „Run“ auf Holz zu beobachten und auch die Freunde des guten alten Ofens werden zur Kasse gebeten. Die Holzpreise kennen unabhängig von jahreszeitlich bedingten Schwankungen nur eine Richtung: nach oben. Brennholz wird zu einem immer interessanteren Rohstoff – und das ruft auch Diebe auf den Plan.

„Stammholz, also die großen Baumstämme werden kaum gestohlen, die sind viel zu schwer. Aber Brennholz, die kleinen Scheite von einem Meter Länge, die leicht in einen Kombi passen, werden immer häufiger vom Wegesrand im Wald geklaut“, weiß der oberbergische Forstamtsleiter Günter Dieck. Bäume zu fällen macht den Ganoven dagegen zu viel Arbeit, sie mögen es gern zugeschnitten, leicht transportabel, quasi handgerecht.

Ob Arzt oder Arbeiter - die Langfinger kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten, fahren in den Wald, laden die manchmal bereits gestapelten Holzscheite in den Wagen und verschwinden wieder. Die Zeche zahlen hauptsächlich die privaten Waldbesitzer. „Es ist schwer zu beziffern, wie hoch der eigentliche Schaden durch den Holzdiebstahl ist, schließlich werden die Holzstücke erst im Sägewerk vermessen. Aber bei einem Preis zwischen 50 und 80 Euro pro Kubikmeter Kaminholz ist das schon spürbar“, meint Hans-Friedrich Hardt, zweiter Vorsitzender des Waldbauernverbandes Nordrhein-Westfalen. Schwerer aber noch würde die verlorene Arbeitszeit ins Gewicht fallen.


Ein bandenmäßiges Vorgehen oder den Abtransport in großem Stil gebe es kaum, bemerkt Forstamtsleiter Dieck. Als Täter würden weitgehend Privatleute ermittelt. Während beim Holzdiebstahl früher noch von einem Kavaliersdelikt ausgegangen worden sei, würden die Strafen heutzutage empfindlicher ausfallen, erklärt Dieck. Man müsse sich vor Augen führen, dass der Holzklau laut Gesetz „Diebstahl“ sei - wenn man dazu Geräte wie eine Säge oder eine Axt benutze, spreche man sogar von „schwerem Diebstahl“.

Hans-Friedrich Hardt vom Waldbauernverband sieht indes nur wenige Möglichkeiten, das Holz vor Ganoven zu schützen. „Wir stapeln schon gar nicht mehr am Wegesrand, das lädt die Diebe ja nur ein. Besser ist es, wenn die Besitzer das Holz schnellstmöglich in der Nähe des Hauses lagern oder es sofort verkaufen. So minimiert man das Risiko.“ Und Forstamtleiter Dieck fügt hinzu: „Man muss den Leuten klarmachen, dass es sich auch beim Holzdiebstahl um ein Verbrechen handelt. Und dass jeder Anzeige erstatten kann. Die Abschreckung ist hier sehr wichtig.“

Einige staatliche Waldstücke würden mittlerweile sogar mit Technik überwacht. In den Holzscheiten stecken GPS-Peilsender, die den Dieben nach kurzer Zeit eine böse Überraschung bereiten, wenn plötzlich die Polizei vor der Tür steht. So sei etwa in Süddeutschland bereits ein Spediteur überführt worden, der bereits seit Jahren regelmäßig Holz gestohlen habe, so der Forstamtsleiter. Einen Königsweg, dem Holzklau vorzubeugen, gibt es indes nicht. Waldbesitzer bleibt nur, die Augen offen zu halten.
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