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VfL Gummersbach fehlt die Reife für die Bundesliga - Desolat und völlig kopflos
(pl/20.10.2001-23:05) Von Peter Lenz
Gummersbach - Quo vadis VfL? Nach der erneut peinlichen Vorstellung heute gegen Bundesliga-Aufsteiger Frisch Auf Göppingen hat der VfL Gummersbach wohl endgültig den absoluten Tiefpunkt seiner Geschichte erreicht, denn schlimmer geht es kaum.
[Bilder: Oliver Mengedoht --- Einziger Lichtblick beim VfL war heute Umberto Brajkovic, der sechsmal den gut aufgelegten Göppinger Schlussmann Jaume Fort bezwang.]
Fünf Niederlagen in sieben Spielen - einen schlechteren Bundesliga-Saisonstart hat es beim VfL wohl noch nicht gegeben. 3:11 Punkte - Gummersbach steckt mitten im dicksten Abstiegskampf.
[Ratlosigkeit auch bei Jan Stankiewicz, der einmal mehr einen rabenschwarzen Tag erwischt hatte.]
VfL Gummersbach - Frisch Auf Göppingen 25:27 (13:15).
Unglaublich, aber wahr: Gummersbach hat sich mal wieder selbst übertroffen. Die Mannschaft von Trainer Thomas Happe hat heute erneut ihr wahres Gesicht gezeigt, nämlich einmal mehr ihre Bundesliga-Untauglichkeit unter Beweis gestellt. Keiner, wirklich keiner der Blau-Weißen erweckte den Eindruck, auch nur ansatzweise das Format für die erste Liga zu besitzen. Das Attribut "kopflos" trifft den Nagel auf den Kopf.
Dabei hatte man sich im VfL-Lager so viel vorgenommen. "Wir haben viel gearbeitet und sind für eine Revanche gut gerüstet", hatte Happe unter der Woche noch verkündet. Davon war allerdings heute nichts zu sehen. Ganz im Gegenteil: Verunsichert bis in die Haarspitzen agierten die Hausherren eigentlich von der ersten Minute an.
Nur zwei Mal hatte Gummersbach vorgelegt, und zwar zum 1:0 durch Kapitän Francois-Xavier Houlet und zum 4:3 durch Hyun-Ho Choi nach neun Minuten. Über 6:5 (13.) legten die keineswegs überragenden Gäste um Coach Christian Fitzek bis zur 19. Minute durch Bezerra de Menezes Souza auf 10:7 (in Unterzahl) vor. Dank Umberto Brajkovic und zweimal Kyung-Shin Yoon blieb der VfL zwar zunächst dran (23. 10:11), aber bis zur Pause baute Göppingen den Vorsprung wieder auf 15:13 aus. Da hatte es auch nichts genutzt, dass Maik Handschke ab der 22. Minute in der Deckung zum Einsatz gekommen war. Apropos Deckung: Die 3:2:1-Abwehrformation von Gummersbach machte es bereits in dieser Phase den Gästen sehr leicht. Immer wieder ließ Göppingen, allen voran Souza, den VfL alt aussehen. Eine löchrige Abwehr, ein grottenschlechter Jan Stankiewicz im Tor, Frisch Auf hatte leichtes Spiel.
[Kampfgeist war heute allenfalls bei den Gästen, hier Souza und Fort, zu spüren.]
Wer in der Eugen-Haas-Sporthalle geglaubt hatte, Gummersbach könne nach der Pause noch das Blatt wenden, musste schnell einsehen, das die VfL-Truppe einfach nicht das Zeug besitzt, ein Spiel zu kippen. Zwar schaffte Houlet vier Minuten nach dem Wiederanpfiff nochmals den Ausgleich zum 16:16, aber was dann folgte, spottet jeder Beschreibung: Trotz mehrfachen Überzahlspiels brachte Gummersbach kein Tor zustande, und kassierte sogar noch derer zwei - Oliver Roggisch zum 18:16 und Pascal Morgant zum 19:16. Der 17:19-Anschlusstreffer durch Houlet in der 41. Minute war der letzte "Glanzpunkt" im VfL-Spiel, denn fünf Minuten später war das Spiel entschieden: David Szlezak (wieder in Unterzahl), Roggisch, Marc Nagel und zweimal Morgant sorgten bereits 14 Minuten vor dem Abpfiff mit den Treffern zum 24:17 für die Entscheidung.
[Der total entnervte "Nick" beim Strafwurf, den er auch prompt vergeigte.]
Besonders bitter dürfte Thomas Happe nach dem Abpfiff die Tatsache gestimmt haben, dass seine Mannen genau die gleichen Fehler produziert hatten, wie schon in den letzten Spielen: Überhastete Abschlüsse trotz mehrfach numerischer Feldüberlegenheit. Aber das ist wirklich nur ein Punkt von vielen, den man dem VfL ankreiden muss. Kopflosigkeit, desolates Eins-gegen-Eins-Spiel in der Abwehr, fehlende Agressivität im Angriff, kein erkennbares Konzept, Torwartschwäche - die Mängelliste kennt eigentlich kein Ende.
[Das gleiche Bild wie nach dem Pokalspiel: Thomas Happe gratuliert Christian Fitzek zum völlig verdienten Sieg.]
Punktum: es gibt eigentlich überhaupt nichts Positives zu berichten. Oder doch? Etwas wäre da schon zu vermerken: Immerhin fanden rund 1.200 Zuschauer den Weg in die Halle, was wohl beim VfL Saisonrekord bedeutet. Schade nur, dass sie erneut bitter enttäuscht wurden. Die große Frage wird sein, wieviele sich am Mittwoch beim nächsten Gummersbacher Auftritt (19:30 Uhr gegen Wetzlar) das Trauerspiel noch ansehen wollen. Selbst die treuesten VfL-Anhänger konnten dies jedenfalls heute in den letzten Minuten nicht mehr: Mit dem Rücken zum Spielfeld gewendet feierten sie zusammen mit dem Göppinger Anhang - den Sieg des Bundesliga-Aufsteigers.
Trainerstimmen nach dem Spiel:
Christian Fitzek (Göppingen): "Gegen die völlig verunsicherten Gummersbacher haben wir eine gute Moral bewiesen und stark gekämpft. Unsere 6:0-Deckung stand vor einem erneut guten Torwart Jaume Fort sicher, und im Angriff sind wir mit der 3:2:1-Deckung gut zurecht gekommen. Vor allem unser Konterspiel hat bestens geklappt. Spielerisch waren sicherlich beide Teams gleichwertig, aber unser Sieg ist letztendlich verdient. Für den VfL tut es mir leid, denn ich habe viele schöne Erinnerungen an die Zeit in Gummersbach."
Thomas Happe (VfL Gummersbach): "Mit diesem Endergebnis hatte wohl keiner gerechnet, auch meine Spieler nicht. Knackpunkt war, dass wir unser Überzahlspiel nicht positiv gestalten konnten, und vor allem in Eins-gegen-Eis-Situationen meist den Kürzeren gezogen haben. Nach dem Rückstand Mitte der zweiten Halbzeit hat die Mannschaft dann völlig kopflos agiert. Der Glaube an den Sieg war nicht mehr da. Ich weiß nicht mehr, was ich der Mannschaft noch sagen soll, wenn sie es auf dem Spielfeld eh nicht umsetzt. Wir wussten alle, dass man Göppingens Torwart nur mit hohen Bällen bezwingen kann. Und was machen die Jungs, sie werfen flach oder halbhoch. Die Spieler haben sich heute einmal mehr nicht als Mannschaft präsentiert, die Niederlage sitzt tief."
[Ein Bild mit Symbolcharakter: Göppingens Angreifer, hier Oliver Roggisch, kommen frei zum Wurf - Oliver Plohmann, Jörn Ilper und Kyung-Shin Yoon schauen tatenlos zu.]
VfL Gummersbach:
Jan Stankiewicz (1.-38.; 42.-60.)
Egon Graf (39.-41.)
Kyung-Shin Yoon (8)
Hyun-Ho Choi (3)
Tobias Schröder (n.e.)
Oliver Plohmann
Maik Handschke
Jörn Ilper (1)
Marco Beers
Umberto Brajkovic (6)
Francois-Xavier Houlet (6/1)
Sead Kurtagic (1)
Alexander Bommes
FA Göppingen:
Andreas Bulei (n.e.)
Jaume Fort (12 Paraden, darunter ein Siebenmeter)
Oliver Roggisch (4)
Pascal Morgant (5)
Bezerra de Menezes Souza (4)
Jörn Schläger (1)
Patrick Kersten
David Szlezak (2)
Marco Huth (1)
Marc Nagel (3)
Aledsadar Knezevic (7/4)
Hajo Wulff
Schiedsrichter: Lemme und Ulrich aus Magdeburd.
Zuschauer: 1.200.
Siebenmeter: 2:4 - 1:4 (Yoon scheitert an Fort.
Zeitstrafen: 4:10 Minuten (Ilper, Plohmann - Roggisch, Morgant, Souza, Schläger, Huth).
Beste Spieler: VfL: Umberto Brajkovic (mit Abstrichen) - Göppingen: Jaume Fort, Souza (1. Hz.), Morgant.
Spielfilm: 1:0 (1.), 6:6 (14.), 6:9 (17.), 10:11 (23.), 13:15 (Halbzeit) - 16:16 (34.), 16:19 (40.), 17:24 (46.), 20:26 (51.), 25:27 (Endstand).
Ergebnisse und Tabelle