ARCHIV
Die Fußball-Hinrunde von A bis Z
Oberberg - Zum Jahreswechsel bietet OA einen etwas anderen Rückblick auf die abgelaufene Fußball-Hinserie - Von Schneeschuhen, Blitztoren und Fotos mit dem Schiedsrichter.
Abstieg: Der SSV Bergneustadt steht vor dem zweiten in Folge. Nach dem Sturz aus der Mittelrheinliga ist der Klub gnadenlos abgeschmiert und ziert das Tabellenende der Landesliga mit null Punkten auf dem Konto. Wer noch an den Klassenerhalt des einstigen Flagschiffs des oberbergischen Fußballs glaubt, ist nichts anderes als ein Fantast.Bezirksliga: Während eine Liga höher in regionaler Hinsicht Tristesse herrscht, steht die stark besetzte Bezirksliga im Fokus: Gleich drei Mannschaften aus Oberberg mischen an der Spitze mit, sowohl im Aufstiegsrennen als auch im Tabellenkeller geht es extrem spannend zu.
[Der SSV Homburg-Nümbrecht (gelbe Trikots) führt die Bezirksliga an, der TuS Lindlar ist ihm auf den Fersen.]
Christian Platz: Nach einer Stippvisite bei TuRa Dieringhausen ist der Ex-Kapitän wieder nach Frielingsdorf zurückgekehrt, um mitzuhelfen, den strauchelnden SVF wieder auf die Beine zu bringen. Bei seinem Comeback schoss er gleich ein Tor, konnte die 2:3-Niederlage bei Primus Nümbrecht jedoch nicht mehr abwenden.
DJK Wipperfeld: Der ganze Fußballkreis befand sich im Winterschlaf, nur die Kicker des B-Ligisten aus Wipperfeld mussten sich durch Eis und Schnee kämpfen, da die Partie am 2. Dezember gegen Altenberg trotz der winterlichen Verhältnisse angepfiffen wurde. Am Ende stand eine 2:5-Niederlage und die Erkenntnis: Beim nächsten Mal Schneeschuhe mitnehmen!
[Kein Langlauf, sondern Fußball war am 2. Dezember in Altenberg angesagt.]
Elektronischer Spielbericht: Was in den höheren Klassen seit Jahren Standard ist, wurde zu Beginn der Hinrunde in den Kreisligen A und B eingeführt. Die Spieldaten müssen per Computer im DFBnet eingepflegt werden. Noch sind nicht alle Vereinsvertreter und Schiedsrichter hundertprozentig überzeugt, die meisten loben aber die Form der digitalen Eingabe, die ab der Spielzeit 2013/14 auch in der Kreisliga C erfolgt.
Festim Mimini: Mit 38 Jahren erlebt der Mittelfeldroutinier des TuS Homburg-Bröltal zurzeit seinen x-ten Frühling. Nachdem die vergangene Saison wegen Verletzungen überhaupt nicht nach Miminis Geschmack verlief, hat er unter dem neuen Coach Thorsten Nehrbauer noch einmal Blut geleckt und befindet sich in bestechender Form.
[Festim Mimini (re.) war entscheidend an der guten Hinrunde des TuS Homburg-Bröltal beteiligt.]
Gesichtskontrolle: Vor einem Jahr führte der Fußballkreis Berg die Identitätskontrolle ein. Der Schiedsrichter soll vor dem Anpfiff die Spielerpässe überprüfen, um festzustellen, dass das Dokument den jeweiligen Kicker eindeutig zuzuordnen ist. Was ein löblicher Ansatz ist, um etwaige Manipulation zu verhindern, entpuppte sich in der Praxis schnell als bürokratisches Monster. Vor allen Dingen die nachträgliche Kontrolle der Einwechselspieler funktionierte häufig nicht, mit der Folge, dass die Spruchkammer in der Hinrunde 20 solcher Fälle behandeln musste. Daraufhin wurde festgelegt, dass die Akteure ihren Pass bei der Einwechslung vorzeigen müssen. Noch dazu kann, wenn am Spieltag kein Identitätsnachweis möglich ist, direkt am Platz ein Foto mit dem Unparteiischen gemacht werden, welches nebst Pass an die spielleitende Stelle gesendet wird. Seit Einführung dieser Maßnahmen ist die Zahl der Verfahren deutlich zurückgegangen.
Hans Jordan: Der Trainer des Jahres. Punkt. Verlor mit seiner Mannschaft im Jahr 2012 nur zwei Pflichtspiele. Souveräner Gewinn des Kreisliga A-Titels. Zur Winterpause ist der SSV Homburg-Nümbrecht als Aufsteiger Spitzenreiter der Bezirksliga. Mehr geht nicht.
[Hans Jordan erlebte mit Nümbrecht ein außergewöhnlich erfolgreiches Jahr.]
Irrtum: Viel versprochen hatte sich der SV Frielingsdorf von der Verpflichtung von Giovanni Bernardo. Mit dem neuen Spielertrainer wollte man ins vordere Drittel der Bezirksliga vorstoßen. Doch nach einem Saisonstart voller Pleiten, Pech und Pannen ging man im November in beiderseitigem Einvernehmen wieder auseinander. Die Nachfolge trat Joey Ebert an, der SVF steht zurzeit auf einem Abstiegsplatz.
Joker: Der personifizierte Schrecken der Strafräume ist beim FV Wiehl aktiv allerdings kommt er in den meisten Fällen nur von der Bank. Markus Möller ist der wertvollste Joker der Hinrunde. Im Kreispokalendspiel gegen den SSV Süng bewahrte er sein Team mit einem Treffer in der Nachspielzeit vor einer Niederlage, in der Meisterschaftspartie gegen Union Rösrath wurde er spät eingewechselt und drehte mit einem Hattrick innerhalb von zwölf Minuten den 2:3-Rückstand in eine Führung um.
Kunstrasen: Es wird immer grüner auf den oberbergischen Sportplätzen. 2012 wurden in Wildbergerhütte, Brüchermühle, Eckenhagen, Marienheide und Marienhagen neue Kunstrasenanlagen eingeweiht. Klubs, die noch auf Asche spielen, gehören mittlerweile zu den Exoten. Um den Anschluss nicht zu verpassen, stehen unter anderem der BSV Bielstein und der TuS Elsenroth mit ihren Projekten in den Startlöchern. Einen etwas anderen Ansatz verfolgt der SV Linde. Hier soll im kommenden Jahr ein Naturrasenplatz entstehen.
[Unter anderem in Brüchermühle wurde ein neuer Kunstrasenplatz eingeweiht.]
Leistungsgefälle: Das bergische Oberhaus ist eine Mehrklassengesellschaft. Im Vorjahr thronte Nümbrecht über allem, diesmal zeigt das Trio Herkenrath, Drabenderhöhe und Wiehl der Konkurrenz die Hacken. Von der einstigen Ausgeglichenheit der Liga ist nichts mehr zu spüren, wahrscheinlich reichen erneut 20 Punkte, um in der Klasse zu bleiben. Mit einer solchen Ausbeute wäre man vor gar nicht langer Zeit noch komplett abgestürzt. Immerhin: Sollte nichts Außergewöhnliches dazwischenkommen, sind demnächst wieder 16 Teams dabei und sorgen nach zwei Jahren mit jeweils 15 Mannschaften wieder für ein homogenes Tabellenbild.
Megahitze: Am 19. August wurde es richtig heiß. Bei mehr als 40 Grad Celsius schleppten sich die Akteure des Kreispokal-Achtelfinales über das Feld, jeder Schritt wurde zur Qual. Gesundheitsfördernd war die Hitzeschlacht sicherlich nicht, zum Glück hielten sich alle Aktiven schadlos. Die Schiedsrichter verordneten pro Halbzeit jeweils eine ausgiebige Trinkpause.
[Am 19. August hätte man auch in einer Sauna Fußballspielen können.]
Neulinge: Die Aufsteiger rocken die Ligen. Nümbrecht führt die Bezirksliga an, in der Kreisliga A hat der TV Herkenrath die Spitzenposition inne. Man darf gespannt sein, ob die Emporkömmlinge auch bis zum Schluss um die Aufstiegsplätze mitspielen können.
Oliver Schmitz: Wie Wikipedia verrät, haben David Mitchell (FC Homburg, 1986) und Stephan Hain (FC Augsburg, 2012) nach jeweils 20 Sekunden die schnellsten Jokertore der Bundesliga-Geschichte geschossen. Dafür hat Oliver Schmitz nur ein müdes Lächeln übrig. Im Kreispokal-Halbfinale gegen den TV Herkenrath erzielte er unmittelbar nach seiner Hereinnahme das entscheidende 1:0. Einwechslung an der Mittellinie, ein Sprint in den gegnerischen Strafraum, Freistoßflanke, Kopfball Schmitz, Tor. Seitdem ist er im Sülztal als Blitz-Schmitz bekannt
Pokal: Der FV Wiehl gewann am 3. Oktober das Kreispokalendspiel gegen SSV Süng nach dramatischem Spielverlauf mit 4:2 nach Verlängerung, bei den Frauen behielt der 1. FFC Bergisch Gladbach die Oberhand. Auf Verbandsebene schnupperte Süng an der Sensation, musste sich aber dem Mittelrheinligisten Germania Windeck nach Elfmeterschießen geschlagen geben. Das gleiche Schicksal ereilte Wiehl gegen den Kölner A-Ligisten Flittard. Bröltal befindet sich nach Erfolgen gegen Herkenrath und Nierfeld noch im Wettbewerb und hofft nun im Viertelfinale auf ein attraktives Los und ein Heimspiel.
[Der FV Wiehl holte den Kreispokalsieg.]
Quotientenwertung: Bald heißt es wieder: Rechenschieber rausholen! Weiterhin werden mögliche zusätzliche Aufsteiger über die Quotientenwertung ermittelt, die in Landes-, Bezirks- und Kreisligen herangezogen wird. So viel sei zum jetzigen Zeitpunkt verraten: Drabenderhöhe belegt im Vergleich der Zweitplatzierten der neun Kreisligen A im Verbandsgebiet den zweiten Rang - Aufstiegschancen sind demnach vorhanden.
Rote Karten: Diese Partie wird in die Vereinsgeschichte des SSV Bergneustadt eingehen: Beim Spiel gegen den FC Pesch am 14. Oktober stellte der Unparteiische innerhalb von zwölf Minuten fünf SSV-Akteure vom Platz. Das letzte Häuflein Aufrechter wurde von Trainer Torsten Reisewitz vom Feld geholt. Pesch bekam die Punkte am grünen Tisch zugesprochen.
[Irgendwann mussten auch die Bergneustädter über die Kartenflut lachen.]
Salih Tatar: Der Wechsel des Goalgetters von Bezirksligist Baris Spor Hackenberg zum FV Wiehl hat sich bezahlt gemacht: Der Angreifer führt die Torjägerliste der Kreisliga A mit 16 Treffern an. Wahrscheinlich wäre seine Quote besser, wenn er wegen einer Verletzung nicht mehrere Wochen hätte aussetzen müssen.
Tormaschine: Lange Zeit glänzte B-Ligist SV Schönenbach nicht unbedingt durchs Toreschießen bis zum elften Spieltag. Dann warf die Truppe von Coach Kilian Gärtner die Angriffsmaschine an: 12:0 gegen Weiershagen, 13:2 gegen Hermesdorf und 7:0 gegen Frömmersbach, rechnerisch etwa alle achteinhalb Minuten ein Treffer.
Ungeschlagen: TV Hoffnungsthal II (Kreisliga C Staffel 4), VfB Kreuzberg (Kreisliga C Staffel 5), VfB Kreuzberg II (Kreisliga D Staffel 8), SV Morsbach II (Kreisliga D Staffel 10), TV Herkenrath (Frauen-Kreisliga Staffel 1) und TuS Reichshof (Frauen-Kreisliga Staffel 2) sechs Teams aus Oberberg haben im bisherigen Saisonverlauf keine Niederlage hinnehmen müssen.
Verbandsliga: Nur zwei Mannschaften aus dem Oberbergischen können von sich behaupten, in der höchsten Spielklasse des Fußballverbandes zu spielen: Die A-Junioren des SSV Homburg-Nümbrecht und die U17 des FV Wiehl. Während die SSV-Truppe auf einem direkten Abstiegsplatz überwintert, belegt der Aufsteiger aus Wiehl nach einer guten Hinrunde Rang acht.
[Die B-Junioren des FV Wiehl haben in der Verbandsliga Fuß gefasst.]
Warten auf den ersten Punkt: Nicht nur Landesligist Bergneustadt hat bisher einen Salto Nullo hingelegt, auch die 3. Mannschaft der SG Agathaberg konnte in der Hinrunde noch keinen einzigen Zähler auf der Habenseite verbuchen und trägt damit in der Kreisliga D Staffel 8 die Rote Laterne. Zwölf Partien bleiben den SG-Kickern noch für ein Erfolgserlebnis.
Yorganci, Erkan: Im vergangenen März zog sich der Kapitän des VfR Wipperfürth einen Achillessehnenabriss zu. Zurzeit schuftet Yorganci an seinem Comeback. Trainer Norbert Scheider hofft, den Routinier im Frühling wieder einsetzen zu können.
Zur Halbzeitpause: Wenn ein Fußballspiel nur 45 Minuten dauern würde, müsste sich A-Ligist TSV Ründeroth keine Gedanken über den Klassenerhalt machen. Mit 13:11 Toren und 19 Punkten wären die Boxberg-Schützlinge Tabellensechster. Doch mehrfach brach der TSV nach der Pause komplett ein, besonders frappierend bei den Heimpleiten gegen Wiehl (3:9 nach 3:2) und Nümbrecht II (2:8 nach 2:1). Die Konsequenz: Der Aufsteiger ist Vorletzter und muss um den Ligaverbleib zittern.
[Die Ründerother (grüne Trikots) wähnten sich oft im falschen Film, wie am 1. Spieltag gegen Derschlag, als man nach einer 2:1-Halbzeitführung noch mit 2:4 verlor.]