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Wessel-Werk stellt Insolvenzantrag
Reichshof - 250 Mitarbeiter des Herstellers von Staubsaugerdüsen und -zubehör aus Wildbergerhütte wurden heute informiert - Vorläufiger Insolvenzverwalter gibt sich optimistisch.
Norbert Hinz, Geschäftsführer der Wessel-Werk GmbH, hat heute vor dem Amtsgericht Bonn einen Insolvenzantrag für das Unternehmen aus Wildbergerhütte gestellt. Die 250 Mitarbeiter wurden am Mittag im Rahmen einer Betriebsversammlung informiert. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Martin Lambrecht von der Düsseldorfer Kanzlei Leonhardt eingesetzt. Er führt den Betrieb mit allen Mitarbeitern fort. Dies teilte er auf der Versammlung mit. Das Unternehmen war Ende 2006 im Rahmen eines Management Buy-Outs unter der damaligen Geschäftsführung von der Kapitalbeteiligungsfirma DZ Equity Partner GmbH aus Frankfurt erworben worden.Das im Jahr 1931 gegründete Wessel-Werk ist weltweit führender Hersteller von Staubsaugerdüsen und -zubehör. Neben dem Hauptsitz in Wildbergerhütte existieren noch Niederlassungen in den USA und China mit 140 Mitarbeitern. Lambrecht ist nach den ersten Gesprächen vor Ort zuversichtlich, das Wessel-Werk in der Insolvenz zu sanieren und die Arbeitsplätze zu erhalten. Industrie- und Endkunden in aller Welt werden auch weiterhin mit Staubsaugerdüsen und -zubehör bedient, so Lambrecht. Das Wessel-Werk hat in diesem Bereich innovative Technologien entwickelt und zahlreiche Patente angemeldet."
Zu den genauen Hintergründen, warum die Firma in die Misere geschlittert ist, könnten noch keine Angaben gemacht werden, wie ein Sprecher des Insolvenzverwalters betonte. Das ist wie bei einem Patienten, der in die Notaufnahme eingeliefert wird. Da muss erst einmal geschaut werden, welche Probleme vorliegen. Aufgrund der aktuellen Geschäftslage sei Wessel aber nicht in der Klemme. Es liegt keine operative Zahlungsunfähigkeit vor, so der Sprecher weiter. Die Gehälter der Mitarbeiter seien über das Insolvenzgeld gesichert.
Werner Kusel, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Oberberg, erklärte, dass sich die Belegschaft nach der Erhalt der Nachricht in einer Schockstarre befinde. Der Betriebsratsvorsitzende Guido Solbach gab sich derweil optimistisch. Die Produktion läuft am Montag ganz normal weiter. Das Unternehmen ist als Weltmarktführer profitabel und die Produktionszahlen sind sehr gut. Kusel sprach ebenfalls von einer positiven Zukunftsperspektive. Das ist ein kerngesundes Unternehmen. Seiner Ansicht nach trägt nicht das aktuelle Management die Schuld an der Misere, sondern DZ Equity Partner: Wessel wurde von einer Heuschrecke wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen.

