Bilder: Michael Gauger (1,5,10-28), Oliver Müller (4,6-9), privat (2,3), --- Das Tambourkors 'Blau Weiß' Hartegasse im Jubiläumsjahr 2012.
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100. Geburtstag mit Festkommers gefeiert
Lindlar - Seit nunmehr 100 Jahren besteht in Hartegasse ein Spielmannszug, der weit über die Gemeindegrenzen bekannt ist.
Von Michael GaugerMusikvereine findet man in fast allen Ortsteilen der Gemeinde Lindlar, aber das Tambourkorps Blau Weiß Hartegasse ist die einzige Formation dieser Art im Gemeindegebiet. In der Chronik des Vereins wird das Jahr 1912 als Gründungsjahr angegeben. Mit sieben Musikern fing man damals an. Die Uniform bestand lediglich aus weißen Mützen, weißen Hemden und Hosen. Bereits nach zwei Jahren unterbrach der erste Weltkrieg das junge Vereinsleben, doch schon bald nach dem Krieg ging es weiter. Die Spielmannsfreudigen fanden sich schnell wieder zusammen. Mit den noch vorhandenen Instrumenten und einigen aus Lindlar geliehenen Mitstreitern wurde eine spielfähige Mannschaft geschaffen.
[In den Anfängen des Spielmannszuges um 1922.]
Um die Vereinskasse wieder aufzubessern wurde nicht nur bei benachbarten Schützenfesten gespielt, auch Wipperfürth, Wipperfeld, Gimborn und Waldbruch standen auf dem Programm. Und dorthin ging man mangels Fahrzeugen zu Fuß. Für einen Auftritt waren die Musiker also seinerzeit nicht selten sechs bis acht Stunden auf den Beinen.
Einen Tiefpunkt erreichte das Vereinsleben in den Jahren des Dritten Reiches und in den nachfolgenden Notjahren. Aber bereits im Jahr 1947 wurden die ersten Proben in einem Stall in Schlüsselberg wieder aufgenommen. Hans Scheuvens übernahm die Stabsführung und die Ausbildung. Schnell stieg die Nachfrage und dank der fortschreitenden Mobilität konnte das Tambour-Korps auch über die Kreisgrenzen hinaus sein können unter Beweis stellen. 1957 ging ein lang gehegter Wunsch für die aktiven Mitglieder in Erfüllung. Es wurden für alle schmucke Uniformjacken angeschafft. Der Name Blau Weiß wurde jetzt durch die neuen Uniformjacken deutlich.
[Eine fast komplett weiße Uniform um das Jahr 1950.]
Bereits die Jubiläen zum 50., 60. und 75. Geburtstags wurden mit großen Festumzügen unter Mitwirkung vieler befreundeter Musikvereine, Tambourkorps und Schützen gefeiert. Die Geselligkeit kommt im Vereinsleben keinesfalls zu kurz. Jedes Jahr werden Ausflüge, Wandertage, gemütliche Abende sowie das vereinsinterne Vogelschießen durchgeführt. Für die Jugend stehen viele Aktivitäten neben den Proben und Auftritten zur Verfügung. Dies alles trägt zu einem Vereinsleben bei, das Jung und Alt etwas bietet. Besondere Höhepunkte im Vereinsleben waren die mehrtägigen Ausflüge nach San Remo zum Fest der Volksmusik nach Prag und gleich zweimal nach Kroatien zur Lindlarer Partnerstadt Kastella.
[Bürgermeister Ludwig würdigte das Korps in seiner Festrede.]
Zehn Flöten, Sechs Tommeln, zwei Lyras, zwei Becken und eine Pauke bilden im Jubeljahr 2012 das musikalische Korps. Weitere 39 passive Mitglieder unterstützen den Verein zusätzlich. Der Festkommers zum 100-Jährigen fand mit vielen Abordnungen der befreundeten Tambourkorps, Musik-, Orts- und Schützenvereinen im liebevoll blau-weiß hergerichteten Saal Tix in Hartegasse statt. Die musikalische Gestaltung übernahmen das Tambourcorps Wipperfürth, der Musikverein Süng sowie die Egerlandbesetzung des Musikvereins Wipperfürth.
Fördermitglied Willi Hönen ließ an diesem Abend in seiner Festrede die 100-jährige Vereinsgeschichte noch einmal aufleben. So mancher ältere Besucher erinnerte sich gerne, durch die mit kleinen Anekdoten versehene Rede, an die vergangenen Zeiten zurück. Und wie es sich für Geburtstagsgäste gehört, wurden das Geburtstagskind von diesen auch mit Gastgeschenken versehen. Bürgermeister Dr. Georg Ludwig meinte gar in seinem Grußwort: Ich bin zwar erst seit sechs Wochen in meinem Amt tätig, aber ich habe das Tambourkorps schon auf so vielen Festen gesehen, die sind garnicht mehr wegzudenken. Besonders lobte er das Engagement der Musiker.
[Beim Bergischen Heimatlied sang der ganze Festsaal mit.]
Viele Auftritte wurden vor etlichen Jahren, teilweise sogar Jahrzehnten, lediglich per Handschlag besiegelt und haben so, wie selbstverständlich, immer noch ihre Gültigkeit. Und diese Werte lobte auch der ein oder andere Vertreter der Schützenvereine und stellte gleichzeitig die Qualität der Hartegasser Musiker dar, die auf deren Schützenfesten bei Umzügen und Krönungen spielen.
Am kommenden Samstag startet um 16 Uhr zum Abschluss der Feierlichkeiten in Süng der große Jubiläumsfestzug. Unter Mitwirkung zahlreicher Musikvereine, Tambourkorps, Schützenvereine, Bruderschaften und den Ortsvereinen. Mit einem gemeinsamen Spiel aller musizierenden Vereine auf dem Parkplatz Sprenger-Roth wird mitten im Ort ein weiterer Höhepunkt erreicht. Der anschließende Umzug durch das Dorf findet sein Ende im Festzelt auf dem Kirmesplatz. Hier können alle Teilnehmer und Besucher den weiteren Nachmittag mit Musik, dem ein oder anderen Getränk sowie dem bunten Kirmestreiben ausklingen lassen. Weitere Informationen unter: www.tambourkorps-hartegasse.de.
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Ehrungen
10-jährige Mitgliedschaft
Simone Müller
Katrin Schätzmüller
40-jährige Mitgliedschaft
Hans-Josef Spicher.
