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Fußball-Stichtag: 90 Jahre Fußball in Denklingen

Red; 12. Apr 2012, 18:11 Uhr
Oberberg Aktuell
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Fußball-Stichtag: 90 Jahre Fußball in Denklingen

Red; 12. Apr 2012, 18:11 Uhr
Reichshof – Anfang April 1922 wurde der SSV Denklingen aus der Taufe gehoben - Frank Winkler blickt auf die wechselvolle Geschichte des Klubs, der vergangenes Jahr mit dem TuS Brüchermühle fusionierte, zurück.

Zur Geschichte des SSV Denklingen gibt es keine Protokollbücher oder sonstige schriftlichen Unterlagen mehr. Das Jahr der Gründung ist zwar beurkundet, das genaue Datum indes nicht. Da Frank Winkler zur Geschichte des SSV Denklingen aber einen Stichtag schreiben wollte, und auch der ehemalige Vorstand des SSV Denklingen kein Datum nennen konnte, hat er ein „willkürliches“ genommen.

Wie überall im Land befand sich nach dem 1. Weltkrieg auch im Gebiet rund um die Ortschaft Denklingen der einst verpönte Fußball auf dem Vormarsch. Aber nicht nur die Jugendlichen rannten dem Ball hinterher, so dass man sich allgemein Gedanken machte, dieses Ballspiel vereinsmäßig zu betreiben. Im Jahr 1922 kamen daher die Fußballbegeisterten im Hotel Dick zusammen. Nach einer Aussprache wurde schließlich der Spiel- und Sportverein Denklingen gegründet. Lehrer Kuhn wurde von den Mitgliedern zum 1. Vorsitzenden gewählt, dessen Stellvertreter wurde Fritz Dick, Heinrich Solbach übernahm das Amt des Schriftführers, Fritz Schneider wurde Kassenwart. Als Vereinslokal sollte auch weiterhin das Hotel Dick dienen. Als Vereinsfarben wurden die Farben grün und gelb bestimmt. Erst nach dem 2. Weltkrieg wurden diese durch grün-weiß ersetzt. Der Spielbetrieb wurde mit einer Seniorenmannschaft und einer 1. Jugendmannschaft begonnen. Die Spiele fanden auf einem Sportplatz in Oberdenklingen statt.

Noch im selben Jahr trat der SSV Denklingen dem Oberbergischen Rasensportverband (ORV) bei, dem regionalen Dachverband der im DFB vertretenen oberbergischen Fußballvereine. Der Fußballkreis Oberberg war zu dieser Zeit den Gau I (Bergisch-Mark) zugeteilt, in dem die Vereine aus dem Bereich Düsseldorf, Remscheid oder Wuppertal spielten. Zur Spielzeit 1923/24 erschien der SSV Denklingen erstmals in offiziellen Tabellen. In der C-Klasse Oberberg, der untersten Spielklasse hießen die Gegner SSV Dümmlinghausen, FC Adler Mühlenseßmar, SV Hunsheim, SSV Dieringhausen, BSV Viktoria Bielstein, Wiehler SC und RS 19 Waldbröl.

Im Jahr 1927 kaufte der Verein aus eigenen Mitteln für 1.000 Reichsmark ein mit Tannen bewachsenes Gelände in Eiershagen. Nach wochenlanger Freiwilligenarbeit entstand dort der legendäre Sportplatz, der später nur noch Bullenwiese genannt wurde. Zwar blieb der SSV in den nächsten Jahren zunächst in derselben Spielklasse, doch 1930 hatte man sich bis in die 1. Gauklasse Oberberg hochgearbeitet, dies war damals immerhin die höchste Klasse im Oberbergischen. Im folgenden Jahr beendete Denklingen die Spielzeit als Tabellenzweiter und stieg damit in die 2. Bezirksklasse Oberberg auf. Dort hießen die Gegner dann Borussia Derschlag oder Hansa Vollmerhausen, SSV Bergneustadt oder SSV Gummersbach, aber auch gegen den Alper BC musste man antreten. Zwei Jahre konnte der SSV sich in dieser Klasse halten.

Im Zuge der nationalsozialistischen Machtergreifung wurden zur Spielzeit 1933/34 auch die Zugehörigkeiten zu den Fußballverbänden komplett geändert. Der Oberbergische Kreis wurde dem neu gegründeten Gau Mittelrhein (Bezirk Siegburg) zugeteilt; der SSV Denklingen entsprechend seiner Spielstärke in die 2. Kreisklasse Siegburg, Gruppe 2 (Oberberg) gesetzt. Am Ende der ersten Spielzeit belegte der SSV den neunten Tabellenplatz, Meister wurde Borussia Derschlag vor dem SSV 08 Bergneustadt. Im Jahr darauf wurden die Gruppen erneut verändert, die Gegner hießen nun SV Höhe, SV Schönenbach, SV Leuscheid oder SSV Odenspiel. Der SSV beendete dieses Spieljahr mit 0:28 Punkten abgeschlagen an letzter Stelle. In den nächsten Jahren tauchte der Verein dann nicht mehr auf.

Als nach dem 2. Weltkrieg die Fußballer langsam wieder normale Verhältnisse vorfanden, entstand auch schnell der Wunsch nach einer geregelten Spielrunde. Am 21. Oktober trafen sich Vertreter von Fußballvereinen im Cafe Solbach in Gummersbach. In dieser Versammlung wurden die Grundlagen für einen regulären Spielbetrieb geschaffen. Der Termin für den 1. Spieltag wurde auf den 11. November 1945 festgelegt; die Vereine in drei, nach Regionen geordnete Gruppen eingeteilt. Der SSV Denklingen gehörte der Gruppe 1 Bröl an und wurde am Ende Tabellenachter. Als erster Kreismeister konnte sich der SSV Homburg-Nümbrecht feiern lassen. Durch diese Platzierung hatte sich der SSV nicht für die neugegründete 1. Kreisklasse Oberberg qualifizieren können.

Zur Spielzeit 1946/47 stand man daher in der 2. Kreisklasse Oberberg, Staffel Bröl. Meister wurde die SpVg Rossenbach vor dem SV Morsbach. Abgeschlagener Letzter war der SV Hansa Lichtenberg-Wendershagen.  Zur Spielzeit 1950/51 spielte man dann wieder in der höchsten oberbergischen Spielklasse und belegte am Ende einen hervorragenden vierten Tabellenplatz. Acht Jahre konnte man sich in dieser Klase halten, ehe es 1958 wieder in die 2. Kreisklasse ging. Nach weiteren acht Jahren folgte dann der ganz bittere Gang in die unterste Liga, der 3. Kreisklasse. Dort hielt man sich allerdings nur zwei Jahre auf, als man nach einem Sieg im Entscheidungsspiel gegen die Reservemannschaft der SpVg Rossenbach den Wiederaufstieg feiern konnte.

1982 schaffte die Mannschaft unter Trainer Wolfgang Becker unter kuriosen Umständen den Aufstieg in die Kreisliga A Oberberg.  In der Schlusstabelle belegte der SSV Denklingen mit einem Punkt Rückstand auf die SpVgg Holpe-Steimelhagen den zweiten Platz. Durch Verbandsbeschluss wurde die Begegnung 1. FC Reichshof gegen den SSV Denklingen nachträglich für Denklingen als gewonnen gewertet und die Tabelle entsprechend geändert, so dass beide Vereine nunmehr punktgleich an der Spitze standen. Der Verband setzt daraufhin ein Entscheidungsspiel an.  

Am 12. Juni 1982 fanden sich in Waldbröl über 400 Zuschauer ein, die das Spiel zwischen den SSV Denklingen und der SpVgg Holpe-Steimelhagen sehen wollten. Als Schiedsrichter Otto Fries das Spiel um 18 Uhr anpfiff, befanden sich jedoch nur die Denklinger Spieler auf dem Platz, Holpe-Steimelhagen war nicht angetreten. Hermann-Josef „Jüppi“ Weber machte den Anstoß, woraufhin der Schiedsrichter gleich wieder abpfiff und das Spiel für Denklingen als gewonnen in den Spielbericht eintrug. Später wurde dieses Spiel durch Urteil der Bezirksspruchkammer des FV Mittelrhein in Köln endgültig für den SSV Denklingen als gewonnen gewertet, womit auch der Aufstieg in die Kreisliga A Oberberg perfekt war.

Unter Spieltrainer Horst Friedrichs konnte der SSV diese Klasse ein Jahr lang halten. Am Ende der zweiten Spielzeit stand jedoch der abermalige Abstieg in die Kreisliga B. Für diese Klasse schien der SSV jedoch zu stark zu sein, denn nach weiteren zwei Jahren spielte man unter Trainer Friedhelm Fritz wieder in der Kreisliga A. Letztlich reichten die spielerischen Fähigkeiten der Mannschaft nicht aus, am Ende stand der letzte Tabellenplatz und gemeinsam mit dem SV Frömmersbach musste man die Klasse verlassen.

Im Jahr 1988 wurde nach über 60 Jahren Spielbetrieb auf der Bullenwiese endlich der neue Sportplatz in Denklingen eingeweiht. Was nun folgte, waren harte Jahre in der Kreisliga B, in denen man nicht nur vergeblich auf bessere Zeiten hoffte, sondern am Ende der Spielzeit 1993/94 erkennen musste, dass selbst die Reservemannschaften aus Waldbröl, Brüchermühle oder Wildbergerhütte zu stark waren. Folgerichtig stieg man als Tabellenletzter in die Kreisliga C ab. Dieses Trauma konnte Trainer Fred Otten schon nach einem Jahr beenden, als der direkte Wiederaufstieg feststand.

Unter Trainer Boro Rados fand sich der SSV Denklingen am Ende der Spielzeit 2000/01 endlich wieder im Konzert der Großen des Oberbergischen Fußballs wieder, in der Kreisliga A. Zur folgenden Spielzeit 2001 / 02 wurde dann von Vereinsseite aus eine Menge investiert, so dass der Kader des SSV zu Beginn der Meisterschaftsserie eine Vielzahl bekannter und vor allem guter Spieler aufwies, die das Niveau der Mannschaft erheblich anhoben. Im Kreispokal des neugegründeten Fußballkreises Berg schaffte man nach Siegen über Dümmlinghausen, den 1. FC Gummersbach, den SV Hermesdorf und den SV Refrath den Einzug ins Halbfinale, wo man zwar dem TuS Immekeppel knapp unterlag, im Spiel um Platz drei den SV Frielingsdorf jedoch besiegte, womit man sich zum einzigen Mal in der Vereinsgeschichte für den Mittelrheinpokal qualifizieren konnte. Dort traf man in der 1. Runde auf den Landesligisten Blau-Weiß Oedekoven und musste sich auf eigenem Platz mit 0:6 geschlagen geben.

In der Kreisliga spielte man von Anfang an oben mit und stand in der Winterpause auf dem 4. Tabellenplatz. Vereinsinterne Probleme führten jedoch dazu, dass sich der Verein vor dem letzten Spieltag freiwillig aus dem Spielbetrieb zurückzog und damit als Absteiger in die Kreisliga B feststand. Hierauf meldeten sich sehr viele Spieler ab, so dass die Mannschaft ein völlig  neues Gesicht bekam. In den nächsten Jahren versuchten die Trainer Rusen Soylu, Uwe Schmidt oder Thorsten Lohmar ihr Bestes, konnten aber weder den Abstieg in die Kreisliga C noch den Abstieg in die Kreisliga D verhindern. Dort spielte der SSV Denklingen dann gegen die dritten Mannschaften von Wiehl und Schnellenbach oder die zweite Mannschaft des Nachbarvereins TuS Brüchermühle.

Im Jahr 2010 beschloss der Rat der Gemeinde Reichshof die Errichtung von drei Kunstrasenplätzen auf Gemeindegebiet. Einer dieser Plätze sollte im Raum Denklingen/Brüchermühle realisiert werden. Grundvoraussetzung des Beschlusses und der damit verbundenen finanziellen Unterstützung durch die Kommune war jedoch die Fusion der beteiligten Vereine SSV Denklingen und TuS Brüchermühle. Im Oktober des Jahres  beschloss die Mitgliederversammlung des SSV Denklingen nach intensiven gemeinsamen Vorbereitungen und Abstimmungen mit den verantwortlichen Sportgremien die Umbenennung des SSV Denklingen in Sportfreunde Asbachtal. Damit war der Weg frei für eine Fusion mit dem TuS Brüchermühle. Der dortige Platz wird zurzeit zur Kunstrasenarena umgebaut und wird in Kürze zur Verfügung stehen.

Wer mit Frank Winkler in Kontakt treten möchte, kann dies unter oberberg-fussball@gmx.de tun. Seine Homepage mit umfassenden Informationen zum Fußball im Oberbergischen: www.oberberg-fussball.de.  
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