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Einzige Viehwaage Oberbergs nach Restaurierung in Jennecken eingeweiht

om; 22. Aug 2001, 18:37 Uhr
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Einzige Viehwaage Oberbergs nach Restaurierung in Jennecken eingeweiht

om; 22. Aug 2001, 18:37 Uhr
(om/22.8.2001-18:30) Wiehl-Jennecken - Die frisch restaurierte und denkmalgeschützte Viehwaage in Jennecken wurde jetzt im Rahmen des Straßenfestes feierlich eingeweiht.
[Bilder: Oliver Mengedoht --- Bauer Ernst Gerlach präsentiert die Viehwaage im Einsatz.]



"Die 1910 gebaute Waage sollte eigentlich vor zwei Jahren abgerissen werden, aber Verwaltungsratsvorsitzender Friedhelm Thönes und Sparkassen-Direktor Wolfgang-Ludwig Mehren wurden von unserer Vorsitzenden auf eine andere Idee gebracht", erklärte Werner Strupp, zweiter Vorsitzender des Gemeinnützigen Vereins Jennecken am Rande der Einweihung. "Sonst gibt es in ganz Oberberg keine mehr, wir wollten sie also lieber erhalten, auch wenn sie nicht mehr genutzt wird - das jährliche Eichen wäre zu teuer."



So hat die Dorfgemeinschaft nun ihren Arbeitseinsatz beigesteuert, die Sparkasse der Homburgischen Gemeinden trug die 6.000 Mark Materialkosten. "Die Waage war immer recht unscheinbar und ich wurde öfter gefragt, wem denn diese Garage gehöre", erinnerte sich lachend Gisela Lauf, die Vorsitzende des Vereins. Sie dankte Mehren für die Spende und hofft, "dass die Viehwaage mit den dazugekommenen Holzbänken und -tisch auch für nachmittägliche oder abendliche Treffen genutzt wird".

[Gisela Lauf, Vorsitzende des Gemeinnützigen Vereins, dankte Sparkassen-Direktor Mehren für die großzügige Spende.]



Früher wurde die Viehwaage von den Bauern zur Gewichtsfeststellung für Schlachtvieh aus dem ganzen Gebiet um Bielstein und Drabenderhöhe benutzt. "Ich habe noch erlebt, wie hier die ganze Straße voller Viehhändler stand", blickte Strupp zurück.

[MdL Jobi, Bürgermeister Becker-Blonigen und Wolfgang-Ludwig Mehren (v.l.n.r.) ließen sich nur zusammen wiegen.]



Mehren entsann sich, zuletzt einen baufälligen Schuppen vorgefunden zu haben. "Wenn ich jetzt sehe, was für ein Glanzstück das geworden ist, sind die 6.000 Mark gut angelegt", erklärte der Sparkassen-Direktor. "Die Viehwaage zeigt auf, was hier früher für ein Leben war."

[Das ganze Dorf feierte beim Straßenfest mit.]



Auch Bürgermeister Werner Becker-Blonigen bekannte, dass "in den Außenorten inzwischen mehr Leben als in den Hauptorten ist, wo sich kaum noch einer so persönlich kennt". Viele junge Leute zögen heutzutage wieder aufs Land und brächten neue Impulse. "Im Dorf zu eben ist schön, es ist nicht abgestanden und hinter dem Mond", warb der Bürgermeister denn auch für das Ländliche.



Bei der Generalprobe der voll funktionstüchtigen Waage am Vorabend hatte Bauer Ernst Gerlach seine Kuh übrigens auf 730 Kilogramm geschätzt, tatsächlich kam das gute "Stück" auf 732 Kilo - keine Schummelei! Allerdings hatte sein Rindvieh etwas Mühe, sich in das Gatter der Waage zu zwängen. "Früher waren die Tiere rund 40 Zentimeter kürzer", wusste Gerlach die Erklärung.

[Auch die Dorfjugend wollte unbedingt dokumentiert sehen, dass sie dazugehört.]



Zur Feier des Tages stiftete Mehren noch eine Fahrt im Heißluftballon, für denjenigen, der sich auf der Waage am schwersten erweisen würde - allerdings nicht nach Gewicht, sondern in der Relation von Körpergröße zu Gewicht. Bei 133 Kilo auf nur 186 Zentimeter gewann diesen Preis Lars Becker.



Die Waage stand ursprünglich auf dem HofLau rund 100 Meter weiter, in den 50-er Jahren wurde sie an den jetzigen Standort am Kinderspielplatz versetzt, wo auch das Straßenfest gefeiert wird. Sie war "eine zentrale Einrichtung und ist für die Ortsgeschichte von Bedeutung", heißt es im Gutachten des Rheinischen Amts für Denkmalpflege. "Als Teil der bergischen Dorfkultur ist sie bedeutend für die Geschichte des Menschen aus volkskundlichen und wissenschaftlichen, besonders ortsgeschichtlichen Gründen."