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Gummersbacher Brauhaus-Streit verschärft sich - Gastwirte sauer auf die Stadt
(sl/9.8.2001-19:05) Gummersbach - Die Stadt Gummersbach weist die heiß diskutierten Vorwürfe des Bundes der Steuerzahler und der Gastwirte von sich und spricht entschieden dagegen.
[Archivbilder: Oliver Mengedoht --- Stein des Anstoßes: Die ehemalige Landeszentralbank, die zu einem Brauhaus umgebaut werden soll.]
Wird das Brauhaus jetzt aus Steuermitteln finanziert oder nicht? Wurde über einen aus der Umgebung kommenden Gastwirt nachgedacht? Warum bekommt der neue Pächter bessere Konditionen? All das sind Fragen, die sich die Gummesbacher in den letzten Tagen stellen. Keiner weiss so richtig, welche Informationen korrekt sind.
Das Brauhaus soll bekanntlich in die Hindenburgstraße, in die ehemalige Landeszentralbank und das spätere Ausländeramt des Kreises. Die Stadt hat das Objekt erworben, das komplett saniert und dann verpachtet werden soll.
"Aus Gummersbach wollte keiner das Brauhaus betreiben"
Der Bund der Steuerzahler kritisiert an diesem Vorhaben, dass für die Sanierungsarbeiten Steuergelder genutzt werden. Doch die Stadt wehrt diese Vorwürfe vehement ab. Kämmerer Dr. Klaus Blau dazu: "Es werden keine Steuermittel verwendet. Über die Entwicklungsgesellschaft der Stadt wurden unrentable Grundstücke gewinnbringend veräußert. Dadurch werden die Kosten gedeckt."
[Gastronom Norbert Beil kritisiert das Vorgehen der Stadt scharf.]
Doch Michael Chlechowitz, Wirt des "Baumhofes", sieht die ganze Sache etwas anders. So erklärt er, dass bei einem solchen Tausch nur etwas auf dem Papier verschoben würde. "Das in Frage kommende Grundstück mit dem Hohenzollernbad wurde für viel Geld renoviert, aber nicht wieder geöffnet. Auf dem Bad liegen 1,4 Millionen Mark öffentliche Mittel. Wer soll die denn bezahlen?" Weiter kritisiert Chlechowitz, dass die Stadt ncoh nicht einmal gefragt habe, ob es einen Interessenten aus Gummersbach und Umgebung gäbe.
Der Gummersbacher Beigeordnete Blau hingegen sieht das ganz anders: "Wir haben uns auch in der Region umgehört. Aber alle haben das Angebot abgelehnt. So mussten wir zu einem auswärtigen Pächter greifen. Sein Konzept gefällt uns übrigens sehr gut."
[Baumhof-Wirt Chlechowitz befürchtet, dass einige Gaststätten pleite gehen könnten.]
"Soll ich mit meiner Vergnügungssteuer einen Konkurrenten unterstützen?"
Außerdem würde der neue Pächter selber mit eine siebenstelligen Summe investieren. "Einige Leute scheinen wohl zu vergessen, dass es sich hier um ein Brauhaus mit entsprechender Einrichtung handelt. Und diese ist ziemlich teuer", so Blau. Außerdem stünde die Pachtsumme noch gar nicht fest.
Die Gastwirte hingegen sehen die besseren Konditionen, zu denen das Brauhaus verpachtet werden soll. Chlechowitz: "Die Konditionen verzerren den Wettbewerb. Der neue bezahlt für 400 Quadatmeter eine Miete von 10.000 Mark pro Monat. Wenn man das umrechnet, kommt man auf einen Quadratmeterpreis von 25 Mark. In der Innenstadt kostet ein Quadratmeter aber bis zu 60 Mark."
[Die Stadt will mit dem Brauhaus das Zentrum attraktiver gestalten, neue Investoren locken.]
Da wird deutlich, warum sich die Gastwirte so aufregen. Das tut auch Norbert Beil, Wirt des "B1", der Cocktailbar, die derzeit im ehemaligen Roso-Eck eingerichtet wird: "Ich finde das Verhalten der Stadt nicht richtig. Ich muss hier auch Vergnügenssteuer bezahlen. Und damit soll ich eine Konkurrenten unterstützten?" Der Baumhof-Wirt sieht das genauso. "Die Stadt hätte diese günstigen Konditionen lieber einem Lebensmittelgeschäft anbieten sollen. Dann wären wir auch nicht sauer."
"Wer gute Arbeit macht, wird im Wettbewerb bestehen"
Ob das Brauhaus wirklich zu einem Konkurrenten werden wird, steht noch in den Sternen. Blau glaubt, dass am Anfang einige mal gucken würden, wie die neue Gastwirtschaft ist. "Die, die eine Stammkneipe haben, gehen eh wieder dahin zurück. Das Brauhaus ist ein großgastronomischer Betrieb. Es gibt keinen richtigen Kneipenwirt. Wer gute Arbeit macht, der wird im Wettbewerb bestehen."
[Dezernent Blau: "Es werden keine Steuergelder verwendet.]
Doch die anderen Gastwirte sehen in der neuen Kneipe einen starken Konkurrenten. Der Kern der Kneipen liegt hinter der Fußgängerzone. Jetzt würden noch alle dorthin kommen, um ihre Mittagspause zu verbringen.
Die Gastwirte befürchten, dass die Mitarbeiter der Banken und Versicherungen, die in der Nähe der Hindenburgstraße ihen Sitz haben, den kürzeren Weg wählen. "Damit geht uns das, was uns vom Tagesgeschäft geblieben ist, auch noch flöten", so der Baumhof-Wirt. Weiter weisst er darauf hin, dass 500 bis 600 Gäste pro Tag im Brauhaus sein müssten, damit es überhaupt überlebt.
"Brauhaus nur eine Maßnahme, um Stadt attraktiver zu machen"
Doch bis das klar sein würde, gäbe es einige Gaststätten schon nicht mehr. Des weiteren rechnet Chlechowitz damit, dass die Stadt 160.000 Mark Verlust jährlich machen wird. Die Stadt sieht das Brauhaus weiterhin "nur" als Maßnahme, die Gummersbacher Innenstadt attraktiver zu machen.
[Den "Flop" Moltkebad hat die Stadt an den Kreis gegeben.]
Auch der WDR hat im Fernsehen über das Gummersbacher Brauhaus berichtet. Da sich die Gastwirte nicht sicher waren, ob nun Steuergelder im Spiel sind oder nicht, baten sie den Bürgermeister zu einer Stellungnahme beim WDR. Falls dieser nicht könnte, würde auch ein anderer Vertreter reichen. So wurde mehrmals bei der Stadt angefragt. die Anfragen wurden abgelehnt.