ARCHIV
Wieder Zittern für Polytec-Mitarbeiter
Waldbröl/Morsbach ISE-Nachfolger Polytec Intex wird verkauft - Arbeitnehmer stehen vor ungewisser Zukunft Einkommenseinbußen denkbar.
Wieder einmal stehen die rund 500 Beschäftigten der Polytec Intex in Waldbröl vor einer unsicheren Zukunft. In einer am Belegschaftsversammlung wurden die Mitarbeiter jetzt vor vollendete Tatsachen gestellt. Der zukünftig neue Geschäftsführer Ralf Drees stellte die neue Zukunft der Beschäftigten dar. Demzufolge soll nunmehr im ersten Schritt die Polytec Intex aus Waldbröl in die Polytec Interior Gruppe aus Geretsried bei München verschmolzen werden. Gleichzeitig hat Polytec die Interiorgruppe an den weltweit drittgrößten Automobilzulieferanten von Interiorteilen, die Toyota Boshoku Gruppe, verkauft.Was das im einzelnen für die Arbeitnehmer bedeutet, ist derzeit noch nicht abzusehen. Allerdings würden die Arbeitnehmer in einem jetzt vorgelegten Schreiben vor vollendete Tatsachen gestellt, müssten die Veränderungen hinnehmen oder im anderen Fall mit Kündigungen rechnen, moniert die IG Metall in einer Stellungnahme. Der Betriebsrat wurde bis zum heutigen Tag im Ungewissen gelassen. Wie auch schon oft in der Vergangenheit, werden die Mitbestimmungsrechte durch Nichtinformation mit Füßen getreten. Der Versuch eines Interessenausgleiches wurde noch nicht einmal angedacht, so Eckhard Damerau, Betriebsratsvorsitzender des Waldbröler Standortes. Wir prüfen mit Hochdruck nunmehr die rechtliche Situation um hier ein wenig mehr Gestaltungsmöglichkeiten einzubauen. Die Gerüchteküche brodelt schon seit längerem, aber trotz mehrfachen Nachfragens hält man uns dumm, so Damerau.
Die bestehenden Tarifverträge seien massiv gefährdet, hieß es. Die Polytec Interiorgruppe unterliege der tarifvertraglichen Regelung der Holz und Kunstoffverarbeitung in Bayern und Thüringen, eine Übertragung werde mit rund 25 prozent Einkommensverlusten einhergehen. Damit fallen die Haustarifverträge weg, die wir seit 4 Jahren hier in Oberberg geschlossen haben, so Werner Kusel 1. Bevollmächtigter der IG Metall Gummersbach. Die derzeitige Polytec Intex Geschäftsleitung hat es noch nicht einmal für nötig gehalten uns als Tarifvertragspartei über diesen Zustand zu informieren, so Kusel weiter.
Das Informationsschreiben, das nunmehr den Beschäftigten vorgelegt wurde, weise darauf hin, dass die bestehenden Tarifverträge nunmehr auf Ihre individualrechtlichen Arbeitsverhältnisse übergehen würden. Das, so Kusel, ist aber nur die halbe Wahrheit. Diejenigen, die Nichtmitglied der IG Metall sind, haben zukünftig keinerlei Ansprüche mehr. Alle die zukünftig neu eingestellt werden haben überhaupt keinen tarifvertraglichen Schutz mehr, das ist Unternehmertum nach Wild-West-Manier.
Man habe den Beschäftigten vorerst geraten, die geforderten Rückmeldungen noch nicht zu unterschreiben, bis die Sachlage eindeutig geklärt sei. In einer außerordentlichen Betriebsversammlung am heutigen Nachmittag wurde das weitere Vorgehen beraten. Wir hoffen, dass sich in Zukunft mit Toyota Boshoku die Verhältnisse verbessern. Vier Jahre Polytec sind genug. Hier ist niemals Ruhe eingekehrt, die Beschäftigten sind top qualifiziert, die Produkte sind Spitze, das hat die Polytec Führung niemals verstanden zu nutzen. Management by Angst war der bisherige Führungsstil, das muss sich ändern, so Werner Kusel.
