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Ende der Insolvenz, Arbeitsplätze gesichert
Gummersbach - Insolvenzplan der Otto Kind AG vom Gericht bestätigt - Neuausrichtung der Produktpalette vorgesehen Neuer Hauptgesellschafter steigt ab Juli offiziell ein.
Die Sanierer haben ihr Werk erledigt. Die Otto Kind AG hat vom Amtsgericht Köln die Bestätigung des Insolvenzplans erhalten und kann nun beim bereits eingeleiteten Neuanfang komplett durchstarten. Damit können wir den Leuten die Gewissheit geben, dass die Zukunft gesichert ist, erklärte Sanierungsvorstand Tillmann Peeters. Mit der Bestätigung ist auch der Einstieg des neuen Hauptgesellschafters NWI Finance GmbH, eine für Industriebeteiligungen zuständige Tochter der Zech-Gruppe, zum 1. Juli fix. NWI übernimmt 75,1 Prozent der Anteile des Ladenbauers aus Gummersbach.Die Erleichterung ist groß, denn die 220 Arbeitsplätze am Standort in Dümmlinghausen sind somit ebenfalls gesichert. Die Belegschaft trägt das Konzept mit, muss allerdings Einschnitte hinnehmen. Von der im bis Mitte 2016 geltenden Sanierungstarifvertrag geregelten Regelarbeitszeit von 39,7 Stunden pro Woche werden lediglich 35 vergütet. Ab 2013 sind Sonderzahlungen garantiert, die Mitarbeiter können sich dann über variable Anteile weitere Boni sichern. Der Betriebsratsvorsitzende Joachim Rätzer sieht dies als hundertprozentigen Fortschritt. Vor der Insolvenz habe die Belegschaft seit 2003 bis auf eine Ausnahme kein Weihnachts- oder Urlaubsgeld bekommen.
Kind war während der Weltwirtschaftskrise in Schieflage geraten und hatte zum 30. Juli 2010 einen Insolvenzantrag gestellt. Rund 100 Arbeitskräfte wurden im vergangenen Jahr entlassen. Nun geht es für die Verantwortlichen darum, die Auftragsbücher zu füllen und das Unternehmen neu auszurichten. Der Umsatz ist in den vergangenen zwölf Monaten um 25 bis 30 Prozent zurückgegangen eine Größenordnung, die laut Peeters einkalkuliert war. Der Auftragsbestand ist erträglich, könnte aber besser sein, ergänzte der Sanierer.
Nach Angaben von Vorstand Dr. Peter Dauben soll das Produktionsverfahren umgestellt und die Angebotspalette den individuellen Wünschen der Kunden angepasst werden. Der Fokus liegt dabei auf Laden- und Betriebseinrichtungen. Der Markt verlangt immer stärker nach Spezialanfertigungen, Standardprodukte können im europäischen Ausland günstiger hergestellt und verkauft werden. Wir sehen uns nicht als Massenanbieter, sondern als Spezialist, betonte Dauben, der positiv in die Zukunft blickt. Otto Kind ist ein modernes, wettbewerbsfähiges und innovatives Unternehmen.
Bestandteil der Umstrukturierung war auch die komplette Aufgabe des Standorts in Kotthausen. Die dort zuletzt ansässigen Mitarbeiter der Verwaltung und des Vertriebs sind mittlerweile nach Dümmlinghausen umgezogen. Die leer stehende Immobilie in Marienheide inklusive der Umlagen steht zum Verkauf. Peeters: Es gibt Interessenten, aber ein Kaufvertrag ist noch nicht unterschrieben.