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Flugzeugabsturz in Eichen und Waldbrand waren nur Großübung der Polizei

om; 16. Mar 2000, 01:58 Uhr
Oberberg Aktuell
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Flugzeugabsturz in Eichen und Waldbrand waren nur Großübung der Polizei

om; 16. Mar 2000, 01:58 Uhr
(om/16.3.2000-1:35) Oberbergischer Kreis - KAWUMM! Ein Riesenknall in der Waldbröl-Eichener Siedlung der Außenstelle der Landesstelle für Aussiedler: Ein kleines Flugzeug mitsamt Besatzung und sieben Passagieren ist abgestürzt. Großalarm für Polizei, Feuerwehr und weitere Hilfskräfte...
(om/16.3.2000-1:35) Oberbergischer Kreis - KAWUMM! Ein Riesenknall in der Waldbröl-Eichener Siedlung der Außenstelle der Landesstelle für Aussiedler: Ein kleines Flugzeug mitsamt Besatzung und sieben Passagieren ist abgestürzt. Großalarm für Polizei, Feuerwehr und weitere Hilfskräfte. Zum Glück ist es nur eine Übung. Die 14. Bereitschaftspolizei-Hundertschaft aus Köln hält ihre monatliche Übung im Oberbergischen ab.



[Bilder: Mengedoht/Explosion des ersten Autos, des VW-Bullis]

[Die Feuerwehr löscht das brennende Wrack - Ein "Schwerverletzter" im getroffenen Auto - Das THW leuchtet aus]



Ab 16:30 Uhr stehen die rund 90 von insgesamt 123 Beamten dieser 14. Hundertschaft an mehreren Stellen im Kreis verteilt zu Alkoholkontrollen bereit. Da plötzlich, um 17:15 Uhr meldet die Leitstelle "Agger", die Rettungsleitstelle des Oberbergischen Kreises, einen Großbrand in Wipperfürth. Weil die kreiseigene Polizeiinspektion Nord keine Einsatzkräfte zur Verfügung hat, wird die Bereitschaftspolizei angefordert. Die Kölner Beamten - eine Truppe aus dem ganzen Bundesland NRW - rast zu diesem Waldbrand, regelt den Verkehr, errichtet Absperrungen und hält die Zufahrtswege für die Feuerwehr frei.





[Feuerwehr, THW und Polizei unterstützen sich bei der Bergung von Verletzten aus an die "Unglücksstelle" angrenzenden Häusern]



Nur 35 Minuten später ein neuer Befehl: Flugzeugabsturz in Waldbröl. Die Polizisten werden zunächst zu der Einsatzkräfte-Sammelstelle beim THW (Technisches Hilfswerk) Waldböl koordiniert. Dann treffen die ersten "Grünen" am "Tatort" ein. "Tatort heisst zunächst nicht, dass ein Verbrechen, eine Straftat vorliegt", erklärt der stellvertretende Zugführer Oliver Pilberg. "Vielmehr werde so alles genannt, wo eine Untersuchung stattfinden muss - bei einem Flugzeugabsturz ein klarer Fall, wenngleich im "wirklichen Leben" das Bundesluftfahrtamt zuständig für die eigentlichen Ermittlungen wäre.



Aber die Absperrungen muss auch hier wieder die Polizei vornehmen. Zudem natürlich, wenn sie als erste vor Ort ist, die Erstversorgung der Opfer und die schwierige Entscheidung, um wen man sich kümmern kann, oder wer bereits dem Tode so nahe steht, dass man mit den wenigen vorhandenen Sanitätern und Rettungsassistenten nichts mehr zu dessen Rettung tun kann. Dafür hat die 14. Hundertschaft eigens drei als ausgebildete Rettungs-Ersthelfer in ihren Reihen.



Zahlreiche Arme, Beine und Köpfe liegen auf der Wiese zwischen den Reihenhäusern herum, natürlich nur Plastikteile von Schaufensterpuppen. Sie sollen Verletzte darstellen. Die Fläche ist mit Trümmerteilen und Kleiderfetzen übersät - zum Glück, wie gesagt, alles nur Übung.





[Die "Absturzstelle" ist übersät mit Trümmern und brennenden Wracks]



"Das ist ein simulierter Einsatz bei einem Großschaden", erklärt der freundliche Pilberg. Das bedeute, dass mehrere Menschen zu Schaden gekommen seien. Mögliche Vergleiche zur Wirklichkeit seien das KVB-Unglück in Köln oder auch die schweren Zugunglücke in Eschede und Brühl. Absperrungen, Spurensuche, Koordination und Medienbetreuung gelte es hier zu üben. Und natürlich die Beurteilung der Lage und Erstversorgung der Verletzten.



Hier in Waldbröl geben sich zwei Züge als Polizisten und ein paar Mann mimen Verletze, die von Christiane Strothmann vom DRK Gummersbach-Derschlag äußerst überzeugend geschminkt wurden. Der dritte Zug spielt "Störer", was in diesem Fall "Presse" heißt. Dadurch sollen die Beamten lernen, die Journalisten zurückzuhalten, wenn sie die Rettungskräfte bei ihrer Arbeit behindern, ihnen andererseits aber bestmögliche Auskunft geben. Die echten Journalisten dürfen sich während der Übung frei bewegen - überall ganz nah ran. Das klappt noch nicht ganz reibungslos. Während der für Öffentlichkeitsarbeit zuständige Pilberg betont, die Presseleute könnten überall hin, stoßen seine eifrigen Beamten die Medienleute immer wieder zurück ("Sie behindern Rettungsarbeiten") - sie können die echten Pressemenschen nicht von denen unterscheiden, die diese Rolle nur im Rahmen der Übung einnehmen, ein Missverständnis.





[Die Feuerwehrleute trennen den Wagen mit den Schwerverletzten auf und bergen diese]



Inzwischen ist auch der Löschzug I der Freiwilligen Feuerwehr Waldbröl mit 30 Mann eingetroffen (22 Jugendfeuerwehrmädchen und -jungs sollen neugierige "Gaffer" spielen) und macht sich an die Löscharbeiten. Ein Pkw und ein Pritschen-VW-Bulli waren nach dem "Flugzeugaufschlag" in Flammen aufgegangen - in Wahrheit hatte sie ein Feuerwerker der Polizei gekonnt explodieren lassen. In einem dritten Auto befinden sich Schwerverletzte, eingeklemmt. In mühsamer und zugleich vorsichtiger Arbeit schneiden die Wehrmänner den Wagen mit ihren Spezialgeräten auf undbefreien schließlich die "vor Schmerzen" Schreienden - die Arbeit der Polizei rückt in den Hintergrund, zumindest für den zuschauenden Laien.



Das THW Waldbröl rückt mit 25 Mann an und leuchtet die Unglücksstelle aus. Auch das DRK ist mit acht Leuten angekommen, obwohl eigentlich gar nicht angefordert - wohl Neugierde. Eingeladen waren übrigens auch Bürgermeister Christoph Waffenschmidt (der hatte aber zur selben Zeit eine Ratssitzung zu leiten) undLandrat Hans-Leo Kausemann.



Der Polizeihubschrauber aus Düsseldorf - er hatte eine ganze Weile über der "Absturzstelle" gekreist - ist wegen der Dunkelheit längst wieder abgerückt, er hatte "Beweissicherungsfotos" geschossen - auch für die Dokumentation der Übung. Auch die Waldbröler Drehleiter der Feuerwehr ist "im Einsatz": Sie hievt Kameramänner und Fotografen für sehenswerte Schnappschüsse der Übung in die Höhe.



"Ja, die Einsatzkräfte der glorreichen Kölner Hundertschaften", scherzte der stellvertretende Zugführer Oliver Pilberg vor dem Einsatz. Ob die von Zugführer Werner Kawemann organisierte Übung zufriedenstellend gelaufen ist, gar gut oder auch schlecht? Das kann erst in der Nachbesprechung herausgefunden werden. Wenn alles klappt, werden wir Ihnen hier im Laufe des Tages einen entsprechenden Bericht mit Luftaufnahme aus der "Hummel", dem Polizeihubschrauber, präsentieren.







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