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Aus Schutt erhoben sich mittelalterliche Bauten

kg; 23. Oct 2009, 15:31 Uhr
Bilder: Katharina Glowicki --- Der Grabungstechniker Christian Schwabroh (v.l.), Museumsdirektorin Dr. Gudrun Sievers-Flägel, Archäologe Dr. Michael Gechter und Kulturdezernent Werner Krüger stehen auf dem Platz, wo früher der Donjon stand.
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Aus Schutt erhoben sich mittelalterliche Bauten

kg; 23. Oct 2009, 15:31 Uhr
Nümbrecht – Der Archäologe Dr. Michael Gechter vom Landschaftsverband Rheinland für Bodendenkmalpflege machte mit seinem Team bei der Untersuchung des ehemaligen Barockgartens auf Schloss Homburg bemerkenswerte Funde.
Von Katharina Glowicki

Eigentlich erwartete das Archäologische Team nur Dreckschichten auf dem Gelände, wo sich zuvor noch ein Barockgarten erstreckte. Doch dann entdeckten sie einen Felsabsatz, der schon frühzeitig als Steinbruch genutzt worden ist. „Die Ausgrabungen vor zehn Jahren hatten auf der Bergkuppe einen runden Donjon (Wohnturm) von zwölf Metern Durchmesser mit einer Holzumwehrung nachweisen können“, erklärte Dr. Michael Gechter. „Diese runde Art von Bauten ist eigentlich nur im Osten, wie Thüringen oder im Norden vorzufinden. Normalerweise sind die Türme in der rheinischen Gegend rechteckig.“ Der Archäologe schließt daraus, dass sich wahrscheinlich ein aus dem Osten stammender Hinzuwanderer im 11. Jahrhundert auf dem Gelände niederließ und sich eine kleine und von der Grafschaft Berg unabhängige Grundherrschaft aufgebaut hatte.


Noch vor 15 Jahren wusste niemand, dass das heutige Schlossgebäude eines der jüngsten Bauten auf dem Gelände ist. Die neuesten Ausgrabungen trugen nun Reste aus vier Steinbauphasen zutage, wobei der barocke Ausbau erst in der letzten Phase im 18. Jahrhundert entstanden sein soll. Das Team vermutet, dass zurzeit der Errichtung des Donjons in der ersten Phase an der Stelle des ehemaligen Barockgartens ein Steinbruch gewesen sei. Dieser lieferte wahrscheinlich das Baumaterial für den Turm.

In der zweiten Phase wurde dieser Graben zugeschüttet und ein Gebäude darauf errichtet. „Aufgrund eines Brandes musste der Komplex wieder aufgebaut werden. Wir werden die Brandschichten untersuchen, um neue Erkenntnisse über den Zeitfaktor zu gewinnen“, erklärte Gechter. Das Gebäude, dessen Funktion bis heute unbekannt ist, wurde in der dritten Phase nach Osten erweitert und der Fußboden mit Steinplatten ausgelegt. Durch einen Hangrutsch oder Erdbeben kippte die östliche Giebelmauer nach außen. In der nächsten Woche sollen Spezialisten aus Bensberg die Erdbebentheorie prüfen.


[Dr. Michael Gechter demonstriert seine Neuentdeckung.]

In der vierten Phase ist das Plateau von einer neuen Mauer mit Entlastungsbögen und vorgelagerten Stützen umgeben worden. Die Umgestaltung des Geländes zu einem Garten scheint im Laufe des 16. Jahrhunderts vonstatten gegangen zu sein. Letztendlich musste der Wohnturm dem neuen barocken Baukomplex weichen. Das archäologische Team versucht jetzt, aus den gefundenen Gegenständen, wie Ofenkacheln und Hochgefäßen und durch die Untersuchung der Brandschichten, Hinweise für die genaue Datierung zu erlangen.

Da der Fund durch Verwitterung zerstört werden würde, schüttet das Team im November die Ausgrabungsstätte wieder zu. Museumsdirektorin Dr. Gudrun Sievers-Flägel plant eine Modellreihe, die die Baufolge für Museumsbesucher visualisieren soll. Die archäologischen Funde werden als Erweiterung für die historische Ausstellung des Museums dienen. Zusätzlich ist eine Examensarbeit über die Ausgrabungen in Vorbereitung. Auch ist eine filmische und bildliche Dokumentation im Rahmen der Regionale 2010 angedacht.

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