Bilder: Daniel Beer.
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Obst-Ermittler deckten den Kaiser-Schwindel auf
Reichshof - Ein Handbuch des Landschaftsverbandes und der Biologischen Station Oberberg informiert über 49 alte Obstsorten aus dem Rheinland, die vom Aussterben bedroht sind.
Der Kaiser muss jetzt wohl abdanken. Die bekannte Apfelsorte Kaiser Wilhelm schmückt sich nämlich mit fremden Federn, denn eigentlich heißt die Frucht Peter Broich und war schon lange vor der Zweittaufe 1875 bekannt. Eine Genanalyse hat ergeben, dass beide Sorten identisch sind, erklärte Olaf Schriever von der Biologischen Station Oberberg (BSO) heute auf einer Obstwiese im beschaulichen Sterzenbach. Dort stelle der Verein gemeinsam mit dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) das Handbuch Lokale und regionale Obstsorten im Rheinland - vom Aussterben bedroht vor. Auf 144 Seiten sind insgesamt 49 Sorten mit detaillierten Steckbriefen und Fotos dokumentiert.
[Für das ungeschulte Auge kaum zu erkennen: Olaf Schriever hält zwei verschiedene Apfelsorten in der Hand.]
Bis zum fertigen Werk war es allerdings ein langer und mühsamer Weg, die Obstsorten mussten schließlich erst einmal wiederentdeckt werden. Dafür bedienten sich die Obst-Ermittler nicht nur den bereits genannten Laboranalysen: Wir sind Tausenden Hinweisen aus der Bevölkerung nachgegangen und haben auch in der Fachliteratur gesucht, sagte BSO-Leiter Frank Herhaus. Im Bergischen kommen 19 der entdeckten Obstsorten vor, am häufigsten der Tulpenapfel und der Doppelte Luxemburger. Die Unterscheidung einzelner Früchte sei besonders bei Kirschen, Pflaumen und Birnen nicht leicht gewesen.
Michael Gerhard vom NABU kümmert sich nun gemeinsam mit seinen Kollegen um die Nachzucht und Erziehung der alten Sorten: Das ist sehr wichtig, sonst sind sie bald verschwunden. Auf der Wiese in Sterzenbach pflanzten die Beteiligten heute neue Bäume. Das freute auch den Bürgermeister der Gemeinde, Rüdiger Gennies: Reichshof ist geprägt durch Landwirtschaft. Wir sollten Sorge dafür tragen, dass die Kulturlandschaft um alte Obsthöfe bereichert bleibt." Die stellevertretende Landrätin Ursula Mahler als Vertreterin des LVR stimmte zu: Obstwiesen gehören im Bergischen zum Landschaftsbild und bieten auch vielen Tieren Lebensraum." Gennies bekam noch eine Hausaufgabe mit auf den Weg, von dem Apfel Wellers-Eckenhagener fehlt immer noch jede Spur.
Das Buch ist gegen eine Schutzgebühr von 5 bei der Biologischen Station Oberberg, dem LVR-Freilichtmuseum in Lindlar, beim Naturschutzbund sowie der Mosterei Weber in Nümbrecht-Lindscheid zu erwerben.
