Bilder: Michael Kleinjung --- Ina Albowitz-Freytag moderierte die Podiumsdiskussion mit den vier Bewerbern.
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Der Krawinkelsaal platzte aus allen Nähten
Bergneustadt - Der FDP-Stadtverband hatte die Bürgermeisterkandidaten zur Podiumsdiskussion eingeladen - 500 Besucher waren vor Ort.
Mit diesem Besucheransturm hatte die FDP Bergneustadt nicht gerechnet: Anlässlich der Podiumsdiskussion mit den Bürgermeisterkandidaten platzte der Krawinkelsaal aus allen Nähten. Auf der Bühne mussten nachträglich Stühle aufgestellt werden, damit alle Gäste einen Platz fanden. Wir sind total begeistert, dass so viele Leute da sind, freute sich Bergneustadts FDP-Chef Christian Hoene. Als Moderatorin fungierte die ehemalige Bundestagsabgeordnete Ina Albowitz-Freytag.
[Wilfried Holberg (li.) musste bei einer kleinen Einlage von Fabian Middelhoff als Assistent herhalten - er nahm es mit Humor.]
Ein Bewerber fehlte: Nach Unstimmigkeiten im Vorfeld sagte Jens-Holger Pütz (UWG/FWG) seine Teilnahme ab. Er hatte sich übergangen gefühlt, weil sein Name nicht auf den Veranstaltungsplakaten abgedruckt worden war. Als Grund nannte die FDP, dass Pütz offizielle Nominierung durch die Mitglieder der Wählergemeinschaft noch ausstehe.
Nach der Veröffentlichung der Kandidaten-Porträts im Amtsblatt sei auch Pütz eingeladen worden, doch dieser schlug das Angebot aus. So blieben Christian Baumhof (unabhängig), Jörg Haselbach (unabhängig), Wilfried Holberg (unabhängig, unterstützt von SPD und Bündnis 90/Die Grünen) und Fabian Middelhoff (CDU) übrig. Jeder erhielt eine Redezeit von insgesamt 30 Minuten zu den Oberbegriffen Finanzen/Steuern, Schule und Bildung, Wirtschaft/Handel, Verwaltung, Bürger, demografische Entwicklung sowie Vereine.
[Jörg Haselbach (li.) und Christian Baumhof.]
Haselbach schickte voraus, dass ihn die seitens der Veranstalter zugesandte E-Mail mit den Themenvorschlägen nicht erreicht habe und er sich deshalb nicht optimal vorbereiten konnte. Eine Überraschung waren die Diskussionspunkte indes nicht. Positiv: Das Quartett verzichtete weitestgehend auf politische Grabenkämpfe und lieferte sich eine sachlich-faire Diskussion, die sich anfangs um die finanzielle Lage der Stadt und den Stärkungspakt drehte. Einig waren sich die vier darin, dass der Bevölkerung keine zusätzlichen Belastungen zuzumuten seien. So ist der Hebesatz der Grundsteuer B massiv angehoben worden, um den im Rahmen des Stärkungspakts vorgegebenen Haushaltausgleich (2016 mit Landesmitteln, 2021 ohne) darstellen zu können.
Bergneustadt muss ab 2016 schwarze Zahlen schreiben, damit die Bürger nicht noch mehr bezahlen müssen und die Attraktivität der Stadt gewährleistet bleibt, verdeutlichte Baumhof. Weitere Steuererhöhungen wollte allerdings niemand ausschließen. Einsparpotenziale suchen und die Einnahmesituation verbessern - hier möchten alle ihre Akzente setzen. Middelhoff sprach sich unter anderem für eine Forcierung der interkommunalen Zusammenarbeit und die stärkere Nutzung von Förderprogrammen aus. Baumhof will sich den vielen Leerständen im Stadtkern widmen. Wir müssen die Mittelständler und kleinen Geschäfte vor Ort erhalten, meinte Haselbach, während Holberg erklärte: Unternehmen hierhin zu holen, ist die Kür, Unternehmen zu halten Pflicht. Priorität besitzt bei allen die Besiedlung des Gewerbegebiets Lingesten.
[Rund 500 Gäste wollten sich die Podiumsduskussion nicht entgehen lassen.]
Hitzige Debatten wurden in vergangenen Monaten hinsichtlich der Schullandschaft geführt. Mittlerweile steht fest, dass die Sekundarschule eingeführt und die Katholische Grundschule auf dem Bursten jahrgangsweise aufgelöst wird. Middelhoff, Baumhof und Haselbach bekräftigten ihr Ansinnen, langfristig alle Schulabschlüsse anbieten zu wollen. Ob dies auf lange Sicht wirklich in allen Kommunen möglich ist, bezweifelte Holberg. Er favorisiert ein Sekundarschul-Modell mit einer technischen Prägung. Damit hätte Bergneustadt ein kleines Alleinstellungsmerkmal, so Holberg. Middelhoff lehnte diesen Vorschlag ab: Wir sollten die Schule so lange wie möglich in alle Richtungen offen halten.
Da die Dauer der Veranstaltung auf zweieinhalb Stunden beschränkt war, konnten nicht alle Themen im Detail diskutiert werden. Gegen eine Hallennutzungsgebühr für Kinder und Jugendliche sprachen sich derweil alle Kandidaten aus. Der eine oder andere dürfte seinen Favoriten für die Wahl am 25. Mai bereits gefunden haben. Für die Unentschlossenen gibt es weitere Möglichkeiten, sich eine Meinung zu bilden: Am 7. und 28. April richtet der Heimatverein zwei öffentliche Veranstaltungen mit den Bewerbern aus (jeweils 19:30 Uhr im Krawinkelsaal). Punkte wie Bergneustadt als Lebensraum für alle Generationen und die Integration von Migranten könnten dann ausführlicher erörtert werden.