Bilder: Michael Kleinjung.
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Westfalenhalle würdiger Rahmen für Jubiläumsspiel
GM/Dortmund Die Handballer des VfL Gummersbach haben am Abend ihr Jubiläumsspiel zum 150-jährigen Bestehen des Vereins trotz ordentlicher Vorstellung gegen den Rekordmeister THW Kiel mit 33:36 verloren.
Von Peter LenzFür die große Geburtstagsfeier kehrte der VfL, und mit ihm viele ehemalige Stars wie Jo Deckarm, die Brand-Brüder, Klaus Kater oder Jochen Feldhoff, dorthin zurück, wo man zwischen 1967 und 1983 Europapokale, DHB-Pokale und Supercups holte. Fast 250.000 Zuschauer fieberten damals bei den legendären Auftritten in der Westfalenhalle mit. Nun kam es an alter Wirkungsstätte zum Duell zwischen dem Europapokalsieger der Pokalsieger 2011 VfL Gummersbach und dem DHB-Pokalsieger 2011 THW Kiel. Diesmal allerdings leider nur vor 6.853 Zuschauern.
VfL Gummersbach THW Kiel 33:36 (17:18).
Sportlich gesehen ging es für die Blau-Weißen um die berühmte goldene Ananas. Einen Spieltag vor Saison-Ultimo hat der VfL den neunten Tabellenplatz fest gebucht. Ganz anders die Kieler Zebras, die mit den Füchsen aus Berlin und den Rhein-Neckar Löwen noch um die begehrte direkte Qualifikation für die Königsklasse Champions League kämpfen. So verwundert es wenig, dass der THW um den Ex-Gummersbacher Trainer Alfred Gislason von Beginn an das Kommando übernahm. Wobei sich die Hausherren zu keinem Zeitpunkt wirklich abschütteln ließen.
[Jörg Lützelberger krönte seine Gala mit sieben Toren bei sieben Versuchen.]
Mit einer engagierten 6:0-Deckung um den Mittelblock Patrick Wiencek und Drago Vukovic stellten die Gummersbacher das THW-Starensemble um Spielmacher Aron Palmarsson nicht selten vor kniffelige Aufgaben. Doch auf der anderen Seite hatten die VfL-Cracks, die neben den Langzeitverletzten Christoph Schindler und Goran Stojanovic auch noch den grippekranken Linksaußen Adrian Wagner ersetzen mussten, ebenso ihre liebe Mühe: Die bewegliche 5:1-Deckung der Gäste mit einem vorgezogenen Filip Jicha und einem überragenden Schlussmann Thierry Omeyer war kaum zu knacken.
Zunächst legten die Kieler Zebras immer mit einem Tor vor, ehe der VfL postwendend ausgleichen konnte. Nach einem Schrittfehler von Palmarsson nutzte Adrian Pfahl die Gunst der Stunde und markierte die erste Gummersbacher Führung: 9:8 nach 17 Minuten. Der heute bärenstarke Jörg Lützelberger schaffte mit dem 12:10 per Tempogegenstoß gar eine Zwei-Tore-Führung, aber bis zur Pause hatten die Gislason-Schützlinge den Spieß wieder umgedreht 18:16 aus THW-Sicht.
Nach dem Seitenwechsel erhöhten Christian Zeitz und Marcus Ahlm zunächst auf 20:17, Adrian Pfahl, Drago Vukovic und Jörg Lützelberger nutzten jedoch eine doppelte Überzahl - Tobias Reichmann und Christian Zeitz drückten die Kieler Sünderbank -, um erneut auszugleichen (36.). Mehr noch, Lützelberger brachte den Gastgeber wieder in Front (22:21 und 24:23).
[Die Ehrengäste Jo Deckarm und Heiner Brand.]
Bis zur 48. Minute blieb es pari (26:26), ehe die beiden Kieler Außen Dominik Klein per Tempogegenstoß und Christian Sprenger nach einem verworfenen Pfahl-Siebenmeter die Zebras mit zwei Toren vorlegen ließen. Kurz darauf versenkte Momir Ilic seinen sechsten Strafwurf sicher und bescherte somit den Gästen erneut eine Drei-Tore-Führung. Sechs Minuten vor Schluss die Vorentscheidung, denn nun schwanden den tapfer kämpfenden Gummersbachern auch die Kräfte.
Am Ende ging der wichtige Arbeitssieg für Kiel in Ordnung, auch wenn sich die Blau-Weißen gut und teuer verkauften. Und so brauchten sich die Gummersbacher den Jubiläums-Höhepunkt auch nicht vermiesen zu lassen, zumal man ein gutes, kurzweiliges Handballspiel geboten bekommen hatte.
Im Vorfeld des Hauptaktes hatten die Gummersbacher B-Jugendlichen erfolgreich ein Vorspiel gegen eine Auswahl-Mannschaft des Westdeutschen Handball-Verbandes bestritten, bevor die scheidenden VfL Profis Geoffroy Krantz, Goran Stojanovic, Drago Vukovic, Ole Rahmel und Markus Hammerschmidt von Geschäftsführer Axel Geerken und Aufsichtsratschef Götz Timmerbeil mit einem Präsent verabschiedet worden waren. In der Halbzeit hatte Noch-Bundestrainer Heiner Brand stellvertretend für alle Gummersbacher Altstars - das Jubiläumstrikot überreicht bekommen.
[Nach einer schwachen 1. Halbzeit steigerte sich Vjenceslav Somic im zweiten Durchgang etwas. Die harte Kritik des Trainers blieb ihm aber nicht erspart.]
Trainerstimmen
Alfred Gislason (Kiel): Dieser Sieg war extrem wichtig für uns, um den zweiten Platz zu sichern. Aufgrund der zweiten Halbzeit haben wir auch verdient gewonnen. An dieser Stelle aber auch noch einmal Glückwunsch an Gummersbach zum Jubiläum und zur Lizenz. Der VfL ist sehr sehr wichtig für die Bundesliga.
Sead Hasanefendic (Gummersbach): Gratulation an den THW, Kiel als größter Verein in der Welt gehört in die Champions League. Der Sieg ist okay, weil uns im Vergleich zu Kiel die Hilfe des Torwartes fehlte. Nach der Pause hielt Somic etwas besser, aber das reicht nicht. Ebenso hat Putics seine Chance nicht genutzt. Drei Tore bei so vielen Versuchen sind einfach nicht genug.
[Adieu: Goran Stojanovic und Geoffroy Krantz verlassen den VfL.]
VfL Gummersbach
Vjenceslav Somic (1.-60. / 12 Paraden)
Markus Hammerschmidt (zu einem Siebenmeter eingewechselt)
Geoffroy Krantz (3)
Drago Vukovic (4)
Barna Putics (3)
Jonathan Eisenkrätzer (1)
Josip Valcic (n.e.)
Adrian Pfahl (8/2)
Adrian Rother (n.e.)
Ole Rahmel (n.e.)
Vedran Zrnic (4)
Igor Anic (1)
Patrick Wiencek (2)
Jörg Lützelberger (7)
THW Kiel
Thierry Omeyer (1.-60. / 23 Paraden, darunter zwei Siebenmeter)
Andreas Palicka (n.e.)
Filip Jicha (4)
Daniel Kubes
Momir Ilic (8/6)
Daniel Narcisse (2)
Aron Palmarsson (4)
Kim Andersson (3)
Christian Zeitz (2)
Dominik Klein (3)
Henrik Lundström (3)
Christian Sprenger (1)
Tobias Reichmann (3)
Marcus Ahlm (3)
Milutin Dragicevic
Zuschauer: 6.853.
Schiedsrichter: Lars Geipel/Marcus Helbig.
Siebenmeter: 3/5 6/6 (Zrnic und zweimal Pfahl verwerfen).
Zeitstrafen: 6:8 Minuten (Putics, Wiencek, Zrnic Andersson, Reichmann, Zeitz, Kubes).
Beste Spieler: Lützelberger Omeyer.
Ergebnisse und Tabelle