Bild: www.redbull.com --- Florian Alt auf dem Weg zum Titel in der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft am vergangenen Wochenende in Misano, Italien.
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Ohne Autoführerschein, aber mit Top-Speed von 241 km/h
Nümbrecht Der 16-jährige Florian Alt aus Homburg-Bröl hat die Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft gewonnen und kann die Saison mit dem Sieg im 'Red Bull Moto GP Rookies Cup' krönen.
Von Fenja JansenEs war ein unglaubliches Gefühl, vor vollen Tribünen über die Start-Ziel-Linie zu fahren, erzählt Florian Alt von dem letzten Rennen der Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft (IDM) in der 125 ccm-Klasse am vergangenen Sonntag. Fünf Rennen der Serie konnte er nicht mitfahren, weil sie sich mit dem "Red Bull MotoGP Rookies-Cup" überschnitten. Aber elfmal ist er in der IDM gestartet und elfmal hat er gewonnen. Mit acht Punkten Vorsprung wird er vor seinem härtesten Konkurrenten in dieser Saison, Ladislav Chmelik aus Tschechien, Meister. Sektdusche, Siegerehrung und Pressekonferenz ganz wie in der Formel 1. Die Abschlussfeier war super, erzählt Florian, aber danach habe ich das Thema abgehakt, um mich voll auf das nächste Rennen im Red Bull Moto GP Rookies Cup zu konzentrieren." Bei einem 16-Jährigen ist diese Zielstrebigkeit und Disziplin eher ungewohnt doch Florian Alt wusste schon sehr früh und ganz genau, was er wollte.
[Bilder: Fenja Jansen --- Fünf Pokale und die Meisterplakette der IDM, diese Sammlung stammt allein aus den letzten sechs Wochen.]
Als Kind habe ich immer an der Straße gestanden und den Motorrädern hinterhergeguckt. Zum vierten Geburtstag habe ich mir ein Motorrad gewünscht. Um diesen Wunsch zu erfüllen, schmeißt die ganze Familie zusammen, mit vier Jahren sitzt Florian auf seinem ersten eigenen Motorrad. Das war aber nicht irgend so ein Elektro-Motorrad, sondern eine richtige kleine Cross-Maschine, schiebt er noch hinterher. Uwe Alt, Florians Vater, begleitet seinen Sohn auf nahegelegene Wiesen und Weiden, auf denen er trainiert. Ein Jahr später, als Fünfjähriger, fährt Florian Alt sein erstes Rennen.
Heute ist er bereits seit zwölf Jahren im Rennsport aktiv und feiert den bisher größten Erfolg in seiner noch jungen Karriere. Einen Autoführerschein hat er noch nicht dafür eine Top-Speed von 241 km/h, aufgestellt vor zwei Jahren auf dem Salzburgring. Heike Alt, Florians Mutter, nimmt es gelassen: Natürlich bin ich vor den Rennen nervös und der Adrenalinspiegel steigt aber ich vertraue ihm und weiß, dass er sehr gute Schutzkleidung hat. Ein Fahrradfahrer kann auch ziemliche Geschwindigkeiten erreichen, außer einem Helm trägt der aber keine Schutzkleidung. Da würde ich mir mehr Sorgen machen.
[Florian Alt mit seinen Eltern Heike und Uwe im heimischen Nümbrecht.]
So wie Florians Mutter, steht die ganze Familie hinter dem jungen Sportler mit der Startnummer 66. Die logistische Arbeit übernehmen die Eltern von zu Hause aus: Ein Rennen am vergangenen Samstag im Red Bull-Cup in Misano, über Nacht von Italien zurück nach Hockenheim, um dort am Rennen der IDM teilzunehmen, all das wird von Nümbrecht aus organisiert. Hier ist unser Kontrollzentrum, meine Eltern sind mein Orga-Team, sagt Florian Alt. Und sein Vater ergänzt: Wir arbeiten dabei nach einem festen Schema, dass wir uns über die Jahre angeeignet haben. Dabei bleiben wir aber in erster Linie Eltern, gucken, dass Florian alles dabei hat, was er braucht. Am letzten Wochenende war es wichtig, dass wir ein Auto bekommen, in dem Florian unterwegs auch schlafen kann. Das war aber kein Problem, wir erfahren eine ganz tolle Unterstützung von regionalen Sponsoren und dem Fan-Club.
Ebenfalls so oft wie möglich dabei ist Florians ältere Schwester Sina. Als Fan der ersten Stunde steht die Studentin fest hinter ihrem Bruder. Wir haben uns als Familie für den professionellen Motorsport entschieden, sagt Uwe Alt, wenn wir dann mal eine Geburtstagseinladung ausschlagen müssen, ist das halt so. Florian Alt besucht die elfte Stufe des Wirtschaftsgymnasiums in Gummersbach. Wenn er um 16 Uhr mit den Hausaufgaben fertig ist, macht er Sport, erst danach ist Zeit für die Freunde oder andere Freizeitbeschäftigungen. Ein straffer Tagesablauf für einen Jugendlichen doch der Teenie zuckt nur mit den Schultern. Für den Motorsport lasse ich gerne andere Sachen stehen. Andere feiern oder verbringen ihre Zeit mit Facebook ich habe mich fürs Motorradfahren entschieden.
[Pokale, Auszeichnungen und Siegerkränze aus 12 Jahren Motorsport.]
Disziplin und Entschlossenheit, die sich auszahlt: Am kommenden Wochenende finden die letzten beiden Rennen des diesjährigen Red Bull-Cups im spanischen Aragón statt. Mit 29 Punkten Vorsprung auf den Holländer Scott Deroue hat Florian Alt auch dort alle Chancen auf den Gesamtsieg. In diesem Wettbewerb treten bis zu 25 Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren aus der ganzen Welt gegeneinander an. Voraussetzung: Man muss in einer so genannten Selection, einem Auswahlverfahren vor Fachleuten, an dem jährlich um die tausend Jugendlichen teilnehmen, bestehen. Es gibt immer so viele freie Plätze, wie Fahrer aus dem Cup ausscheiden. Denn mit achtzehn Jahren oder nachdem man dreimal teilgenommen hat, ist hier Schluss.
Das gilt nun auch für Alt, der 2012 bereits zum dritten Mal dabei ist. Ab 16 Jahren ist es jedoch möglich, in der Moto3-Klasse um die Weltmeisterschaft zu fahren. Wie in der Formel 1, suchen sich die im Rennzirkus etablierten Teams ihre Fahrer aber selber aus - ohne Team, keine Teilnahme. Momentan kann ich so viel sagen, dass wir mit verschiedenen Teams in Verhandlungen stehen, sagt Vater und Manager Uwe Alt. Dass der Sechzehnjährige aus Nümbrecht nächstes Jahr um die Weltmeisterschaft in der Moto3-Klasse mitfahren wird, ist also durchaus möglich.
Weitere Informationen über Florian Alt finden Sie auf seiner offiziellen Homepage unter www.flo66.de