HANDBALL
Von EM-Blues keine Spur! VfL deklassiert Flensburg
Gummersbach - Das Sigurdsson-Team untermauert beim Liga-Restart seine Ambitionen auf die internationalen Plätze - Gomes vor Wechsel – 'RPP - Ambulantes Therapie- und Reha-Zentrum' und AggerEnergie präsentieren die Berichterstattung über den VfL Gummersbach.
Von Peter Notbohm
VfL Gummersbach – SG Flensburg-Handewitt 33:26 (14:10).
EM-Blues? Nicht mit dem VfL Gummersbach! Dem Team von Gudjon Valur Sigurdsson gelingt mit dem 33:26-Heimsieg gegen die SG Flensburg-Handewitt in der abermals ausverkauften SCHWALBE arena ein Start nach Maß ins Jahr 2026. Keine Woche frei hatten die meisten EM-Fahrer bei den Oberbergern und den Nordlichtern, um sich auf den Restart der Handball-Bundesliga vorzubereiten. Dazu kommt: Gummersbach und Flensburg stellten mit großem Abstand die meisten Nationalspieler aller Vereine unter den vier EM-Halbfinalisten.
[Verdienten sich beide Topnoten: Gummersbachs Kreisläufer Ellidi Vidarsson überzeugte vorne wie hinten. Torhüter Kevin Möller war mit Abstand bester Flensburger und merzte mit seinen Paraden die zahlreichen Defensivlücken seiner Vorderleute aus.]
Doch während Gummersbach ab der ersten Minute nur so vor Energie strotzte, wirkten Flensburgs Europameister (fünf Dänen standen heute auf der Platte) vollkommen müde und ausgelaugt. Die Zahlen dazu: Gerade einmal 48 Prozent Wurfquote bedeutete den mit Abstand schlechtesten Wert der Saison (im Schnitt 69 Prozent). Die Flensburger Offensivmaschinerie blieb erst zum zweiten Mal in dieser Saison unter 30 Toren.
["Ich hab in den letzten Spielen bei der EM nicht so viel auf der Platte gestanden. Da war also noch ein bisschen Energie", scherzte Miro Schluroff nach dem Match. Der Nationalspieler erzielte sieben Tore.]
Das Pajovic-Team wirkte gegen Gummersbachs starke Defensive über weite Strecken plan- und konzeptlos. Der Tabellenzweite musste sich sogar bei seinem Torhüter Kevin Möller bedanken (17 Paraden/Quote: 34 Prozent), dass man nicht mit einem Debakel auf die Heimreise geschickt wurde. Für Gummersbach war es der höchste Sieg seit 2007 gegen die Flensburger. Damals gewann man mit demselben Ergebnis.
Dabei hatte auch Gummersbach mit Ausfällen zu kämpfen. Mathis Häseler plagen muskuläre Probleme, auch Tilen Kodrin fiel mit einem Infekt aus. Dazu stand überraschend auch Joao Gomes nicht im Kader. Geschäftsführer Christoph Schindler bestätigte bei DYN, dass sich der VfL Gummersbach in Gesprächen mit einem anderen Verein über eine Leihe befinde: „Joao braucht Spielzeit. Die hat er bei uns nicht bekommen. Er ist ein toller Junge. Unterschrieben ist noch nichts, aber vermutlich vermelden wir Vollzug in Kürze.“
Nach OA-Informationen soll der Portugiese, der erst im Sommer nach Gummersbach gekommen war, absolut unzufrieden mit seinen bisherigen Einsatzzeiten sein und sich bereits am Wochenende von der Mannschaft verabschiedet haben. Spekuliert wird über einen Wechsel oder eine Leihe nach Porto.
[Der Wechsel von Dominik Kuzmanovic nach Magdeburg soll kurz bevorstehen. Es gehe nur noch um die Ablösesumme, heißt es. Gegen Flensburg dürfte der Kroate diese mit seinen Paraden ein wenig gesteigert haben.]
Die 60 Minuten benötigten zunächst drei torlose Minuten Anlaufzeit, dann legte der Gummersbacher Offensiv-Turbo aber los. 7:3 hieß es nach dem Treffer von Miro Schluroff nach zwölf Minuten. Die Abwehr funktionierte hervorragend und auch Bronze-Gewinner Dominik Kuzmanovic zeigte mit 14 Paraden (Quote: 38 Prozent) eine seiner besten Saisonleistungen. Flensburg verkürzte nun zwar zum 8:7 (15.), offenbarte defensiv aber weiter große Lücken. Kein Wunder, dass SG-Kreisläufer Johannes Golla nach dem Spiel von einem verdienten VfL-Sieg sprach: „Wir hatten zu viele technische Fehler und Fehlwürfe und überhaupt kein Tempo, was man gegen so eine gute Deckung braucht. Wir können uns noch bei Kevin bedanken, dass wir im Spiel bleiben.“
Zu diesem Zeitpunkt stand auch bereits Ludvig Hallbäck erstmals im VfL-Trikot auf dem Feld. Dem schwedischen Neuzugang aus Göppingen gelang längst nicht alles, er deutete seine Qualitäten aber an, wie Sigurdsson nach der Partie fand: „Er macht unser Spiel schneller. Man hat ihm angemerkt, dass die Sicherheit und Abläufe noch fehlen. Er wird aber die Zeit kriegen, sich an die Abläufe zu gewöhnen. Es freut mich sogar, dass er Nerven gezeigt hat. Das zeigt, es ist ihm wichtig.“ Sein erstes Tor erzielte Hallbäck beim 12:8 (22.). Über 12:10 (24.) ging es schließlich mit einem 14:10 in die Pause. Fast schon zu knapp, denn auch Gummersbach hatte beim Seitenwechsel nur eine Wurfquote von etwas über 50 Prozent (bei Abpfiff 62 Prozent).
![]()
[Winter-Neuzugang Ludvig Hallbäck gelangen bei seinem Debüt zwei Tore.]
Schwungvoll startete der VfL dann in den zweiten Durchgang. Während Flensburg mit den Köpfen scheinbar noch in der Kabine hing, zündeten die Hausherren erneut den Turbo. Bis zum 23:15 (37.) gelang nahezu alles. Topscorer Ellidi Vidarsson traf sogar spektakulär mit DHB-Kapitän Golla als Rucksack auf dem Rücken. Zwar hatte der Isländer sich dabei klar im Kreis abgestützt, die unaufgeregt leitenden Schiedsrichter gaben den Treffer trotzdem.
Pajovic nahm die nächste Auszeit – vergebens. Über 26:18 (43.) und 29:21 (51.) winkte Gummersbach beim 31:21 (54.) sogar der höchste Sieg gegen Flensburg seit 1990 (damals 26:16). In der Schlussphase gelang den Gästen aber doch noch ein wenig Ergebniskosmetik, was der guten Stimmung in der SCHWALBE arena keinen Abbruch tat.
![]()
[Schöne Geste: Vor dem Spiel gratulierte Geschäftsführer Christoph Schindler den EM-Medaillengewinnern beider Teams mit einem kleinen Präsent.]
„Ich habe nicht erwartet, dass wir so hoch gewinnen werden, aber wir haben die gesamte Vorrunde gezeigt, dass wir eine richtig gute Mannschaft haben. Flensburg hat heute nicht sein bestes Spiel geliefert, wir haben aber auch überragend gespielt“, meinte Ellidi Vidarsson anschließend. Auch Miro Schluroff zeigte sich zufrieden: „Wir hatten heute viel Energie und viel Kraft. Alle haben ihren Teil beigetragen. Ich glaube, die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass wir in der Rückrunde immer besser performt haben. Wir wollen die internationalen Plätze erreichen.“
Auch Sigurdsson hatte nach dem Match kaum etwas zu meckern: „Vor dem Spiel wussten wir – wie die SG auch – nicht, wo wir stehen. […] Ich bin stolz und glücklich, wie die Jungs das gemacht haben und deshalb haben sie sich auch einen freien Tag morgen verdient.“ Die nächste Aufgabe erwartet die VfL-Handballer am 19. Februar gegen die ThSV Eisenach.
Gummersbach: Ellidi Vidarsson (8), Miro Schluroff (7), Kay Smits (5), Milos Vujovic, Julian Köster (je 4), Ludvig Hallbäck (2), Teitur Einarsson, Kristjan Horzen, Stepan Zeman (je 1).
Flensburg: Emil Jakobsen (6/4), Simon Pytlick, Johannes Golla (je 5), Domen Novak, Lasse Möller, Marko Grgic (je 3), Niclas Kirkelökke (1).
Zeitstrafen
8:4 Minuten (Blohme, Hallbäck, Kiesler, Zeman – Grgic, Faljic).
Siebenmeter
0/1 – 4/4 (Vujovic verwirft).
Schiedsrichter
Tobias Tönnies/Robert Schulze.
Zuschauer
4.132 (ausverkauft).
![]()
KOMMENTARE
1
Eigentlich gute Personalpolitik aber warum holt man Gomes wenn er so wenig eingesetzt wird? Man hatte doch ein Plan mit ihm, dann muss man ihn auch einbinden.
Wenn er jetzt wechselt etc. Hätte man sich das von vorn herein ja auch sparen können.
Und Kuzma sehr schade das er wahrscheinlich gehen wird.
2
Gomes war halt mal ein Fehleinkauf.
Besser man trennt sich jetzt als zu spät.
Der VFL ist auf einem guten Weg. Kuzma gestern mal stark aber die Beständigkeit fehlt. Schindler wird schon einen guten Ersatz holen. Hallbäck gestern noch mit kleinen Abstimmungsfehlern aber macht das Spiel noch schneller. Die Abwehr gestern 1 Plus. Wie Tom im 1 zu 1 Golla stoppt genial.
Links zu fremden Internetseiten werden nicht veröffentlicht. Die Verantwortung für die eingestellten Inhalte sowie mögliche Konsequenzen tragen die User bzw. deren gesetzliche Vertreter selbst. OA kann nicht für den Inhalt der jeweiligen Beiträge verantwortlich gemacht werden. Wir behalten uns vor, Beiträge zu kürzen oder nicht zu veröffentlichen.

BILDERGALERIE