HANDBALL

Nümbrecht gewinnt niveauarmes Geisterderby

pn; 21.10.2020, 01:05 Uhr
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Fotos: Thomas Wirczikowski ---- Jannik Lang und der SSV Nümbrecht entführten beide Punkte aus der Wiehler Sporthalle.
HANDBALL

Nümbrecht gewinnt niveauarmes Geisterderby

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pn; 21.10.2020, 01:05 Uhr
Oberberg – Oberwiehl erzielt im Südkreisderby lediglich 14 Tore – Derschlag bekommt beim Titelfavoriten Grenzen aufgezeigt - Die Handball-Oberliga wird präsentiert von ‚Sportsbar Lutter‘.

CVJM Oberwiehl – SSV Nümbrecht 14:22 (8:8).

 

Nümbrechts Trainer Dirk Heppe brachte es nach dem Abpfiff auf den Punkt: „Es macht überhaupt keinen Spaß, in einer leeren Halle zu spielen.“ Es sei eine seltsame Atmosphäre gewesen, das prestigeträchtige Südkreisderby ohne Zuschauer auszutragen. „Das hatte etwas von einem Trainingsspiel“, meinte Heppe, „beide Mannschaften sind durch die Quarantäne-Pausen aber auch völlig aus dem Rhythmus gewesen.“ Eine Analyse, die angesichts einer unglaublichen Fehlerflut auf beiden Seiten vollkommen ins Schwarze traf. Versuchten die beiden Lokalrivalen in den Anfangsminuten trotz fehlender Fans noch ein wenig Derbystimmung aufkommen zu lassen, verflachte die Partie mit jedem der unzähligen technischen Fehler rapide.

 

 

[No-Look-Treffer von Jens Frey, der von Artur Gartung und Daniel Rischikov in dieser Szene nicht gestoppt werden kann und den Ball mit dem Rücken zum Tor verwandelt.]

 

Erst nach fünf Minuten erzielte Jan Kaminski das 1:0 für die Gäste, Artur Gartung egalisierte weitere fünfeinhalb Minuten später zum 1:1 (11.). Die beiden Torhüter Elmar Wolf und Tom Rydzewski waren neben den Schiedsrichtern von Beginn an die besten Akteure in einem niveauarmen Derby, in dem die Defensivreihen das Geschehen diktierten – die harmlosen Angriffsreihen machten es ihnen allerdings auch leicht. „Wir haben Probleme im Abschluss gehabt“, gab Oberwiehls Coach Nils Hühn unumwunden zu. Sein Team hatte bis zum 6:3 (19.) seine beste Phase, Nümbrecht kam nach einer Auszeit aber auch wieder zum 6:6-Ausgleich (24.).

 

Anschließend bewies Heppe ein goldenes Händchen und brachte Marcel Miebach ins Spiel. Der Linksaußen erzielte sofort das 6:7 (26.) und sollte das Spiel auch insgesamt beleben. „Bis dahin war das Standhandball ohne jede Bewegung von uns. Wir haben unsere PS überhaupt nicht auf die Straße bekommen“, monierte Heppe eine schwache erste Hälfte und kritisierte auch die fehlende Körpersprache seiner Mannschaft. Das sollte sich nach dem Seitenwechsel allerdings ändern. Während die Oberwiehler Fehlerquote weiterhin viel zu hoch blieb, agierten die Gäste nun mit mehr Tempo.

 

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Erst nach über 13 Minuten erzielte Mirco Gröbner den nächsten CVJM-Treffer, Nümbrecht war längst auf 8:14 (43.) enteilt. Beim 11:15 (47.) kam bei den Hausherren noch einmal ein wenig Hoffnung auf, Miebach und der ebenfalls mittlerweile eingewechselte Jens Frey ließen über 12:20 (53.) aber nichts mehr anbrennen. Über die hektischen Schlussminuten darf dagegen der Mantel des Schweigens gelegt werden: Der Ballbesitz wechselte zwischenzeitlich fast schon im Sekundentakt.

 

„Mit der Leistung nach der Pause war ich zufrieden, auch wenn das natürlich noch nicht optimal war“, so Heppe, dessen Team nun Tabellendritter ist. Hühn, der kurzfristig auf Abwehrchef Andre Rischikov verzichten musste, suchte dagegen nach Gründen für die schwache Torquote: „14 Tore sind natürlich suboptimal, aber wir haben uns Chancen erspielt. Die müssen wir aber auch verwandeln. Wir haben sehr viel Kraft in unsere Abwehr investiert und waren nachher einfach platt.“ Mit Blick auf die verwaisten Tribünen stellte der Oberwiehler Trainer zudem die Frage, wie viel Sinn es derzeit überhaupt noch mache, den Spielbetrieb unbedingt zu erzwingen: „Manche dürfen nicht zu ihrer Arbeitsstelle fahren, weil sie in Köln wohnen und wir dürfen am Samstag im Risikogebiet mit knapp 30 Personen in den Vollkontakt gehen.“

 

Oberwiehl: Mirco Gröbner (3), Daniel Rischikov (3/1), Johannes Schneevogt, Leon Binder, Artur Gartung (je 2), Marian Gottschalk, Dominik Krieg (je 1).

 

Nümbrecht: Jens Frey (6/2), Marcel Miebach (5), Mario Weissner (4), Jannik Lang, Paul Borisch (je 2), Jan Kaminski, Simon Schanz, Dominik Donath (je 1).

 

[Die Defensivreihen dominierten das Derby in Wiehl.]

 

HSG Refrath/Hand – TuS Derschlag 40:26 (19:8).

 

Mögliche Ausreden hätte Derschlags Trainer Andy Palm für die herbe Packung, die sich sein Team in Refrath abholte, durchaus gehabt. Sei es die ungewöhnliche Anwurfzeit am Dienstagabend, dass es das erste Auswärtsspiel der Saison für seine neuformierte Mannschaft war oder schlicht, dass man beim Titelfavoriten gespielt hatte. Doch Palm suchte gar nicht erst nach Ausreden, sondern analysierte nach dem Schlusspfiff gnadenlos: „Wir hatten nie Zugriff auf das Spiel, weder in der Abwehr noch im Angriff.“ Die Hausherren hatten seinem Team eine Lehrstunde in Sachen Abgeklärtheit erteilt.

 

Während Refrath/Hand vor leeren Rängen seine Titelambitionen von der ersten Sekunde an untermauerte, suchten die Gäste zu häufig unnötige Abschlüsse über den starken HSG-Innenblock und ließen auch die letzte Konsequenz im Rückzugsverhalten vermissen. Bereits nach sieben Minuten war die Partie beim 9:2 quasi entschieden. „Man hat einfach gemerkt, was ein gestandener Kern in einer Mannschaft ausmacht“, so Palm. Refrath/Hand zeigte zwar keinen Zauber-Handball, „aber bei ihnen funktionieren die Abläufe blind“, konstatierte der TuS-Coach, dessen Team beim 13:5 (19.) bereits drei Siebenmeter und mehrere freie Würfe liegen lassen hatte.

 

[Nur selten konnte sich Leon Binder durchsetzen - Nils Hühn monierte die schwache Torausbeute seines Teams, lobte aber die Defensive.]

 

„Verwandeln wir diese Chancen, kann das Spiel ganz anders aussehen, aber das haben wir nun einmal nicht,“ sagte Palm. HSG-Keeper Oliver Kierdorf zeigte immer wieder seine Klasse und leitete zahlreiche Gegenstöße ein. Nach dem Seitenwechsel kündigte sich sogar ein Debakel aus oberbergischer Sicht an, nach dem 31:13 (46.) war der neue Tabellenführer aber satt und ließ in der Schlussviertelstunde noch ein wenig Ergebniskosmetik zu. Besonders bitter endete der Abend für Fynn Wandschneider: Er musste mit einer vermutlich ausgekugelten Schulter für eine MRT-Untersuchung in ein Krankenhaus. Auch Vladislav Veselinov zog sich eine Verletzung zu. „Wenn wir aus diesem Spiel die richtigen Erkenntnisse ziehen, haben wir trotzdem etwas gewonnen“, suchte Palm nach positiven Aspekten, „Refrath hat uns demonstriert, was man als zusammengewachsenes Team erreichen kann.“

 

Derschlag: Luca Nenne Kolb (7), Matias Cabrales (5), Benjamin Seifert (4/3), Norman Krause, Paulo Grozdek (je 3), Tobias Mlynczak (2), Till Malek, Vladislav Veselinov (je 1).

 

Ergebnisse und Tabelle

BILDERGALERIE

KOMMENTARE

1

Handball in allen Ehren. Aber wann reagiert der Verband endlich? Bei den aktuell rapide steigenden Zahlen auch hier in Oberberg, ist es auf Dauer wenig sinnvoll nur ein paar Meter auf Sicht zu fahren. Viele Spieler stecken in einer Zwickmühle und wollen das Team nicht im Stich lassen, müssten aber im Zweifelsfall dem Arbeitgeber evt. nicht zum ersten Mal eine Quarantäne beichten. Die Meinung des Oberwiehler Trainers kann ich daher nur unterstützen.

Aktiver, 21.10.2020, 08:02 Uhr
2

Wirklich gut war nur der Livestream! Und der wirklich gute Bericht zu diesem Spiel. Tore aus dem Rückraum fallen gar nicht mehr. Eigentlich schade... Da sollten sich beide Trainer mal was einfallen lassen. So hatte man den Eindruck, dass die Kreisliga gar nicht so weit weg war...

Handballberti, 21.10.2020, 08:41 Uhr
3

@Aktiver wahre und gute Worte! Der Verband lässt die Spieler im Regen stehen und zwingt einige Entscheidungen zu treffen, die eigentlich von offizieller Seite längst hätten geregelt sein müssen. Einen Plan B scheint es nicht zu geben und immer mehr fragt man sich, warum der Verband nicht von vornerein mit kleineren Gruppen gestartet ist.

perk, 21.10.2020, 13:40 Uhr
4

Lieber HVM Verband,
ein Vorschlag für euch. LL HVM sind mit 16 Mannschaften vertreten. Man spielt die Hinrunde bis ende März. Danach kommen die Playoff Spiele.
Abstiegsrunde (Nur 4 Absteiger):
Platz 16 - 11 spielen eine kleine Hinrunde gegeneinander bis ende Mai zu realisieren. Jedoch nimmt man die Punkte aus der Hinrunde mit. Es steigt demnach nur Platz 16,15,14,13 ab. Platz 12 und Platz 11 bleiben demnach in der LL.
Aufstiegsrunde (2 Aufsteiger):
Platz 1 - Platz 8 spielen die Playoffs mit Hin- und Rückspiel.
Platz 1 gegen Platz 8 = Sieger Spiel1
Platz 2 gegen Platz 7 = Sieger Spiel 2
Platz 3 gegen Platz 6 = Sieger Spiel 3
Platz 4 gegen Platz 5 = Sieger Spiel 4
2.Runde- Finale:
Sieger Spiel 1 - Sieger Spiel 4 = Aufsteiger 1.
Sieger Spiel 2 - Sieger Spiel 3 = Aufsteiger 2

Handball Experte, 21.10.2020, 14:55 Uhr
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