HANDBALL
Trotz Überraschungscomeback: Die Luft im Keller wird für Gummersbach dünner
Oberberg – Gummersbach II reagiert auf eine Krankheitswelle mit einer Nachverpflichtung, verliert aber trotzdem gegen Bonn - Nümbrecht verliert 77-Tore-Spektakel in Essen - Gelpe/Strombach mit heftiger Klatsche in Dormagen - Die Handball-Regionalliga wird präsentiert von ‚Sportsbar Lutter‘ (AKTUALISIERT).
VfL Gummersbach II – TSV Bonn rrh. 24:26 (10:13).
Nächste Niederlage im Abstiegskampf: Der VfL Gummersbach II unterlag am Samstagabend der TSV Bonn rrh., die zuvor nach sieben Niederlagen in Folge ebenfalls in die Abstiegszone gerutscht war. Zudem gewann Borussia Mönchengladbach im Parallelspiel gegen den TV Aldekerk, sodass die Luft für die VfL-Handballer im Tabellenkeller zunehmend dünner wird. Trainer Jan Schwenzfeier sprach von einem Spiel auf schwachem Niveau. Die Oberberger mussten dabei der Grippewelle ihren Tribut zollen. Paul Britz und Hugo Fleisch fielen komplett aus. Tim Rath konnte nur bei Siebenmetern eingesetzt werden und auch Julien Kübler und Moritz Riedel waren längst nicht bei 100 Prozent. „Das hat man unserem Spiel auch angemerkt. Wenn man nicht im Vollbesitz der Kräfte ist, kommen schwankende Leistung heraus“, so der VfL-Coach.
[Mit 38 Jahren zog Julian Krieg noch einmal das VfL-Trikot an, um seinem Heimatverein, wo er ausgebildet wurde, in einer schwierigen Situation zu helfen.]
Gummersbach hatte aber zumindest eine Überraschung im Kader: Der ehemalige Bundesligaprofi Julian Krieg, vergangene Saison noch sporadisch für die HBD Löwen Oberberg am Ball, stand überraschend im VfL-Kader. „Er hat sich netterweise bereit erklärt, uns auszuhelfen. Das ist keine Idee, dass er uns die Welt rettet, sondern er ist jemand, der uns Entlastung in der aktuellen Situation gibt“, so Schwenzfeier. Ob der Linkshänder auch in der weiteren Rückrunde eine Option bleibt, werde man sehen. Am Samstag traf Krieg viermal, hatte aber auch einige Fahrkarten.
In einem äußerst fehlergeprägten Spiel merkte man den Gummersbachern die personellen Probleme schon in den Anfangsminuten an. „Wir decken in einer Konstellation, die es diese Saison noch nicht gab. Dafür haben wir das sehr gut gemacht“, fand Schwenzfeier, der seinem Team kämpferisch überhaupt keine Vorwürfe machte. Doch die vielen Fehler sorgten dafür, dass angeschlagene Bonner, die weiter auf ihren Topspieler Finn Hoffmann verzichten mussten, trotz vieler eigener Fehler über 3:5 (8.) und 7:11 (24.) bis zur Pause durchgängig führten.
[Moritz Riedel war mit fünf Toren Toptoschütze der Gummersbacher.]
Nach dem Seitenwechsel bauten die Gäste ihren Vorsprung sogar zum 14:21 (44.) aus, ehe Schwenzfeier sein Team mit dem siebten Feldspieler wieder ins Spiel brachte. Über 19:22 (50.) hatte Gummersbach beim 24:25 (56.) sogar die Chance zum Ausgleich, ließ diese aber liegen. Nils Bullerjahn machte es im Gegenzug besser und traf bereits zwei Minuten vor dem Abpfiff zum 24:26-Endstand. „Vielleicht hätten wir früher mit dem siebten Feldspieler agieren sollen. In der Summe waren es aber die Fehler, die wir machen“, so Schwenzfeier, der die vielen Ausfälle nicht als Ausrede anführen wollte: „Die Situation können wir nicht ändern, das gehört dazu.“ Er hofft bis zum Derby in Gelpe/Strombach kommenden Freitag auf einige Rückkehrer: „Dann können wir auch anders spielen.“
Gummersbach II: Moritz Riedel (5), Julian Krieg (4), Tim Rath (4/4), Malte Haglund (3), Patrick Kiesewalter, Sota Shimizu, Julien Kübler (je 2), Carlo Bohnenkamp, Jakob Patzelt (je 1).
TSV Bayer Dormagen II – HC Gelpe/Strombach 37:26 (13:17).
Kein Befreiungsschlag für die Handballer des HC Gelpe/Strombach im Abstiegskampf der Regionalliga Nordrhein. Das Team von Daniel Rodriguez unterlag am Freitagabend bei Bayer Dormagen II, das durch den Sieg zumindest bis heute Abend die Tabellenführerung übernimmt, klar mit 26:37. Viel zu deutlich, aber vollkommen verdient aus Sicht des HC-Trainers: „Man muss einfach anerkennen, was für eine tolle Mannschaft Dormagen da hat.“ Dabei sah zumindest bis zur Pause vieles nach der nächsten HC-Überraschung gegen ein Topteam der Liga aus. Über 3:6 (9.), 7:10 (19.) und 10:11 (23.) lagen die oberbergischen Gäste zur Pause beim 13:17 sogar komfortabel mit vier Toren in Führung.
„In der ersten Hälfte haben wir sehr geduldig agiert, waren effektiv in den Abschlüssen und haben uns kaum Fehler geleistet“, so Rodriuez. Auch Dormagen fand trotz einiger technischer Fehler gegen die solide agierende HC-Deckung immer wieder Lösungen, scheiterte aber mehrfach am bis zur Pause glänzend aufgelegten HC-Torhüter Islam Elnoamany. „Das waren dann die vier Tore Unterschied“, meinte Rodriguez, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnte, dass sein Team nach dem Seitenwechsel vollkommen einbrechen sollte. „Im zweiten Durchgang hat uns alles gefehlt. Ich glaube, ich habe keinen Zweikampf mehr gesehen, den wir gewonnen haben. Wir haben uns von starken Dormagenern echt abkochen lassen. Sie waren effektiv und fein in ihren Abschlüssen.“
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[Nicht nur Julien Kübler ging angeschlagen in die Partie.]
Gelpe/Strombach ließ nach Wiederanpfiff der laut Rodriguez guten Schiedsrichter zunächst einige Chancen liegen. Schon beim 19:19 (35.) fiel der Ausgleich. Bis zum 22:22 (42.) blieb es ein offener Schlagabtausch, dann zog Dormagen unaufhaltsam davon. Beim 31:23 (52.) war die Partie bereits entschieden. Vor allem der gebürtige Gummersbacher Julius Hein (3 Tore) war kaum zu stoppen und zog zahlreiche Siebenmeter und Zeitstrafen. Auch von Rodriguez gab es Lob: „Er ist für mich der beste Kreisläufer der Liga.“ Im Vergleich: Gelpe/Strombach erkämpfte sich keinen einzigen Strafwurf. Das Ergebnis sei am Ende nicht so hoch ausgefallen, „weil wir uns aufgegeben haben, sondern, weil der Gegner einfach richtig stark war. Selbst wenn wir so weiter agiert hätten wie im ersten Durchgang, hätten wir das heute vermutlich verloren – nur knapper“, fand der HC-Coach. Im Abstiegskampf sei die Niederlage aber kein Beinbruch: „Unsere Schlüsselspiele kommen jetzt.“
Gelpe/Strombach: Mike Heinzerling (7), Leonard Viebahn (6), Malte Meinhardt (4), Arvid Pötz (3), Tobias Müller, Paul Roth (je 2), Felix Maier, Lars Rostalski (je 1).
HSG am Hallo Essen – SSV Nümbrecht 40:37 (20:17).
Erstmals in dieser Saison steht der SSV Nümbrecht auf einem Abstiegsplatz. Die Oberberger verloren am Sonntagnachmittag in einem 77-Tore-Spektakel das Duell der Aufsteiger bei der HSG am Hallo Essen mit 37:40. „Mit einem breiteren Kader wäre hier ein Sieg drin gewesen“, fand Co-Trainer Ingo Werblow, der gemeinsam mit Torwarttrainer Sven Achenbach den beruflich verhinderten Manuel Seinsche auf der SSV-Bank vertrat, nach dem Match. Zusätzlich zu den sechs Ausfällen mussten die Oberberger kurzfristig auch noch auf Johannes Urbach (Grippe) verzichten. Aus der zweiten Mannschaft rückten deshalb Christoph Bitzer, Lucas Hemker und Mathis Pötzsch in den Kader. Für Tobias Schröter, Tim Hartmann und Mats Weber bedeutete das schmale Korsett 60 Minuten durchpowern.
Essen kontrollierte mit seinem körperlichen Spiel die Anfangsminuten und setzte sich über 5:2 (6.) zum 11:6 (15.) ab. Doch Nümbrecht stemmte sich gegen die Niederlage und hatte mit Dominik Donath außerdem einen Shooter in Topform in den eigenen Reihen. Über 13:10 (18.) und 17:15 (26.) hielten die Gäste bis zur Pause gut mit. Daran änderte sich auch nach dem Seitenwechsel nichts. Beim 22:21 (36.) hatten die Südkreisler sogar auf ein Tor verkürzt und blieben auch bis zum 35:33 (53.) ein unangenehmer Gegner für den mit mehreren Ex-Profis gespickten Kader des Tabellenvierten. Einziges Problem: Jeder Nümbrechter Fehler wurde gnadenlos mit einem Gegenstoß bestraft. Essens Topstar Matthis Blum (9 Tore) besiegelte beim 39:35 (59.) schließlich die SSV-Niederlage.
Werblow betonte anschließend, dass sich die Nümbrechter auch vom sechsten sieglosen Spiel in Folge nicht aus der Bahn werfen lassen: „Die Stimmung ist hervorragend. Wir lassen uns nicht hängen.“ Die Hoffnungen liegen auf den Rückkehrern in den kommenden Wochen. Bei Fabian Benger hofft man im SSV-Lager, dass der Abwehrchef vielleicht schon zum wichtigen Abstiegsknaller kommende Woche gegen Mönchengladbach wieder einsatzbereit sein könnte. Die Bestnoten verteilte Werblow neben Donath, an die beiden Youngster Mats Weber und Lennart Last sowie Torhüter Philip Winkler, der trotz 40 Gegentoren mit seinen Paraden die Gäste lange Zeit im Spiel hielt.
Nümbrecht: Dominik Donath (10), Lennart Last (6), Tim Hartmann, Tobias Schröter (je 4), Mats Weber (4/1), Tim Henrichs (3), Lucas Hemker, Dag Dissmann, Niklas Witthaut (je 2).
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