HANDBALL

Blaue Karte im Derby in Gummersbach: Nümbrecht nun mitten im Abstiegskampf

pn; 08.02.2026, 14:30 Uhr
Fotos: Michael Kleinjung ---- Grund zum Jubeln hatten die VfL-Handballer. Mit dem dritten Saisonsieg meldet sich der Drittligaabsteiger im Abstiegskampf der Regionalliga zurück.
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Blaue Karte im Derby in Gummersbach: Nümbrecht nun mitten im Abstiegskampf

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pn; 08.02.2026, 14:30 Uhr
Oberberg – In einem umkämpften Derby fühlt sich Nümbrecht ungerecht behandelt – Marcel Miebach erwartet eine Sperre - Gelpe/Strombach belohnt sich nach Zehn-Tore-Rückstand nicht für unfassbare Aufholjagd - Die Handball-Regionalliga wird präsentiert von ‚Sportsbar Lutter‘ (AKTUALISIERT).

VfL Gummersbach II – SSV Nümbrecht 28:26 (13:11).

 

Nach nur einem Punkt aus fünf Spielen im neuen Jahr herrscht Alarmstimmung bei den Regionalliga-Handballern des SSV Nümbrecht. Nach der 26:28-Derbyniederlage beim VfL Gummersbach II ist das Punktepolster der guten Hinrunde aufgebraucht und der Blick des Tabellenzwölften muss sich endgültig auf die Gefahrenzone richten. Neue Hoffnung schöpfen dagegen die VfL-Handballer, die sich mit dem Sieg im wichtigen Vier-Punkte-Spiel im Abstiegskampf zurückgemeldet haben und Nümbrecht mit zwei Siegen in den ausstehenden Nachholspielen nun sogar überholen könnten.

 

 

[Rechtsaußen Tobias Schröter musste über weite Strecken im rechten Rückraum aushelfen, nachdem sich auch Lennart Last kurzfristig krank abgemeldet hatte und Dag Dissman ebenfalls ausfiel. Nümbrechts Trainer Manuel Seinsche war zum Improvisieren gezwungen.]

 

Nümbrechts Trainer Manuel Seinsche, sonst nicht unbedingt für emotionale, öffentliche Ausbrüche bekannt, ließ am Morgen nach dem Match seinem Frust freien Lauf. Der Grund war dabei nicht nur die Niederlage, sondern vor allem die Blaue Karte gegen seinen Spieler Marcel Miebach, dem nun eine Sperre droht. Für Seinsche eine „absolute Fehlentscheidung“: „Marcel muss da wegbleiben. Rot wäre ich sofort mitgegangen, aber Blau ist nicht akzeptabel. Dass ist bereits das zweite Mal diese Saison (Anm.d.Red.: Dominik Donath wurde nach dem 4. Spieltag für zwei Spiele gesperrt), dass sich jemand von außen in unseren Kader einmischt und wir für Wochen geschwächt werden.“

 

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Was war passiert? Malte Haglund fing in der 16. Minute einen schlechten SSV-Pass ab und schickte Tim Rath in den Gegenstoß. Miebach rannte im Vollsprint zurück. Kurz vor dem Nümbrechter Tor kreuzten sich die Laufwege beider Spieler: Rath ging heftig zu Boden und musste anschließend minutenlang behandelt werden. Was Seinsche an der Situation zusätzlich störte: Eine aus seiner Sicht vergleichbare Szene, in der Dominik Donath die Füße weggezogen wurden, wurde bei den Gummersbachern später nur mit zwei Minuten geahndet, auch sonst sprach er von keiner erkennbaren Linie auf beiden Seiten: „Wenn man ein Problem mit mir hat, soll man mir das sagen, aber nicht meine Jungs bestrafen. Vergleichbare Szenen müssen gleich behandelt werden.“

 

[Nach fast drei Wochen Verletzungspause war Paul Britz mit sieben Toren sofort wieder ein Faktor im Gummersbacher Angriffsspiel.]

 

Spielerisch gab das Derby derweil das her, was im Vorfeld zu erwarten war: Abstiegskampf pur. Gummersbachs Trainer Jan Schwenzfeier sprach von einem sehr fehlergeprägten Match auf beiden Seiten: „Das Angriffsniveau war überschaubar.“ Die Hausherren erwischten dank eines gut aufgelegten Tjorven Knackstedt im VfL-Tor in einer wilden Anfangsphase mit einigen Zeitstrafen bis zum 3:0 (8.) den besseren Start und bauten den Vorsprung nach der Blauen Karte auf 9:4 (18.) aus. Dass Nümbrecht kurz vor der Pause wieder verkürzen konnte, ärgerte den VfL-Coach: „Wir machen uns das Leben schwerer, als es hätte sein müssen, indem wir sie mit unseren Fehler wieder ins Spiel bringen. Nümbrecht hat nur wenige Lösungen gegen unsere 5:1-Deckung gefunden, kommt dann aber doch zu Toren in der dritten und vierten Sequenz.“

 

Nach dem Seitenwechsel agierte der SSV mit dem siebten Feldspieler, wogegen Gummersbach zunächst kaum Lösungen fand. Mit einem 4:0-Lauf machte Nümbrecht aus einem 13:16-Rückstand eine 17:16-Führung (38.). „Da merkte man, dass uns die Breite im Innenblock immer noch fehlt“, so Schwenzfeier, dessen Team sich nun aber wieder fing. Über 21:18 (42.), 23:23 (50.), 25:23 (54.) und 26:26 (57.) waren es schließlich Moritz Riedel und Paul Britz, die Gummersbach den Sieg in trockene Tücher brachten. Durch den 28:26-Erfolg haben die VfL-Handballer auch den direkten Vergleich gegen Nümbrecht gewonnen, der im Abstiegskampf noch eine Rolle spielen könnte.

 

[Trainer Manuel Seinsche musste nach dem Match Dampf ablassen. Dominik Donath (unten) war mit sieben Toren Topscorer bei den Gästen.]

 

Seinsche, der ein Sonderlob an die eigenen Fans verteilte, ärgerte sich über die Schlussphase, „in der wir dreimal die Chance haben, selbst in Führung zu gehen“. Der Gummersbacher Sieg sei deshalb letztlich auch nicht unverdient gewesen: „Gegen uns hatten sie einige Spieler wieder im Kader und in dieser Zusammensetzung werden sie auch anderen Mannschaften noch erhebliche Probleme bereiten.“ Den Klassenerhalt bezeichnet er aufgrund der aktuellen Kadersituation mit mehreren Verletzten und der drohenden Miebach-Sperre inzwischen als Herkulesaufgabe: „Mir gehen die Optionen aus. Wir werden neue Ideen entwickeln müssen.“ Schwenzfeier war indessen zufrieden: „Am Ende war wichtig, dass wir uns von der Energie im Spiel nicht verunsichern lassen. Im Abstiegskampf müssen wir weiter auf das schauen, was wir selbst beeinflussen können. Das ist unsere eigene Leistung und das haben wir in ausreichendem Maß getan.“

 

Gummersbach II: Paul Britz (7), Malte Haglund (7/2), Moritz Riedel (4), Tim Rath (4/2), Carlo Bohnenkamp, Jakob Patzelt (je 2), Fanou Ulmerich, Patrick Kiesewalter (je 1).

 

Nümbrecht: Dominik Donath (7), Tim Hartmann (5), Mats Weber (4/3), Fabian Benger, Johannes Urbach (je 3), Tobias Schröter (2), Tim Henrichs (1), Niklas Witthaut (1/1).

 

 

HC Gelpe/Strombach – DJK Unitas Haan 37:41 (14:20).

 

Die Regionalliga-Handballer des HC Gelpe/Strombach bleiben ein Team mit zwei Gesichtern – nur eins davon gefällt Trainer Daniel Rodriguez. Nach der 37:41-Heimniederlage gegen die DJK Unitas Haan verpasst die Gummersbacher Spielgemeinschaft einen Befreiungsschlag im Abstiegskampf und muss den Blick weiter nach unten richten. Sorgen dürften Rodriguez vor allem die ersten 30 Minuten machen. Denn bis zur Pause präsentierten sich die Oberberger kaum ligatauglich. Das Tor-Spektakel kündigte sich bereits in den ersten Minuten an. Nach nicht einmal sechs gespielten Minuten stand es bereits 5:5.

 

Was nun folgte war allerdings ein kollektiver Blackout der HC-Handballer, den Rodriguez mit dem Begriff „Fehlerteufel“ zusammenfasste. „Ohne, dass der Gegner uns stresst, produzieren wir reihenweise technische Fehler und spielen Haan Pässe über zwei Meter direkt in die Hände. Die Quote war viel zu hoch“, schimpfte Rodriguez, der nach einer Viertelstunde bereits zwei Auszeiten genommen hatte, damit den Lauf der Gäste zum 5:15 (18.) aber nicht gestoppt bekam. Obwohl die Oberberger bis zum Seitenwechsel immerhin dank eines 5:0-Laufs vom 7:17 (21.) zum 12:17 (26.) verkürzen konnten, lautete das Knallhart-Urteil von Rodriguez: „Bis zur Pause war das gar nichts von uns.“

 

[VfL-Coach Jan Schwenzfeier und Julien Kübler (unten) können nach dem Sieg zumindest durchatmen. Gummersbach verkürzte im Abstiegskampf den Rückstand auf das rettende Ufer auf drei Punkte, hat noch zwei Nachholspiele zu absolvieren und nach der Karnevalspause gegen Bonn und Gelpe/Strombach zwei weitere Vier-Punkte-Spiele vor der Brust.]

 

Wie verwandelt zeigten sich die HC-Handballer im zweiten Durchgang. „Wir hatten eine bessere Abwehr, haben offensiv aggressiver agiert und dadurch auch mehr Zeitstrafen produziert, weil wir endlich in die Tiefe gegangen sind. Da haben wir uns als Mannschaft gezeigt“, so Rodriguez. Die Oberberger nutzen zwei Zeitstrafen gegen die Gäste, um vom 18:24 (35.) zum 21:24 (38.) zu verkürzen. Selbst eine Zeitstrafe gegen den meckernden HC-Trainer kompensierte sein Team und kam kurz darauf zum 25:25-Ausgleich (43.) und ging sogar mit 27:26 (44.) in Führung. Doch nun schlug erneut der Fehlerteufel zu. Haan nutzte die HC-Fehler und zog über 30:30 (49.) zum 32:36 (57.) davon. Zwar kam Gelpe/Strombach in der vogelwilden Schlussphase, in der die Tore im 20-Sekunden-Takt fielen, noch einmal zum 35:37 (59.) heran, das Risiko der offenen Deckung wurde am Ende aber nicht belohnt.

 

„Wir haben wieder 30 Minuten, in denen wir nicht das abliefern, was wir eigentlich können und was wir brauchen, um gegen so einen Gegner zu bestehen. Das reicht in dieser Liga nicht. Dass wir mehr können, haben wir auch heute gezeigt“, so Rodriguez, dem in der Schlussphase auch der Killerinstinkt fehlte: „Wenn man so einen Rückstand aufholt, muss man sich auch belohnen.“ Während Haan (16:14 Punkte) mit dem Sieg einen großen Schritt Richtung Klassenerhalt machte, liegt Gelpe/Strombach mit 12:18 Punkten vor den Spielen am Samstagabend auf Platz zehn. „Ich habe immer gesagt, dass wir diese Saison klar gegen den Abstieg spielen“, sieht auch Rodriguez, dass die Euphorie des starken Jahresauftakts mit drei Siegen nach zwei Niederlage ebenso schnell wieder verflogen ist.

 

Gelpe/Strombach: Felix Maier (8/5), Malte Meinhardt (6), Arvid Pötz, Leonard Viebahn, Mike Heinzerling (je 5), Paul Roth (4), Felix Soldanski (3), Tobias Müller (1).

 

Ergebnisse und Tabelle

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KOMMENTARE

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Was für Gegensätze: zwei Teams schwer gebeutelt, beide in der Formkrise. Auf der einen Seite wird Handball gespielt, auf der anderen Seite wird diskutiert, reklamiert und der Schiedsrichter zum Hauptdarsteller erklärt. Aus Nümbrecht klingt das weniger nach Spielanalyse als nach kollektiver Selbsttherapie. [....]

Und zur Szene: Wenn das keine Blaue Karte war, was dann? Eine Verletzung billigend in Kauf genommen. Wäre das einem Nümbrechter Spieler passiert, hätte der Mop vermutlich das Feld gestürmt.

Umso mehr Respekt für die wirklich junge VfL-Truppe, die dem SSV ordentlich die Stirn geboten hat und spielerisch verdient gewonnen hat. [...]

Neutraler Beobachter, 08.02.2026, 15:46 Uhr
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