HANDBALL
Robin-Hood-Mentalität: Saison der HC-Handballer bleibt eine Achterbahnfahrt
Oberberg - Gelpe/Strombach muss sich nach Niederlage in Aachen wieder nach unten orientieren - Gummersbachs Minikader verkauft sich gegen Aldekerk teuer, verliert aber erneut - Nümbrecht kassiert in Dormagen eine herbe Abreibung - Die Handball-Regionalliga wird präsentiert von ‚Sportsbar Lutter‘ (AKTUALISIERT).
VfL Gummersbach II – TV Aldekerk 29:32 (14:13).
Das war wahrlich nicht der Spieltag der Regionalliga-Handballer des VfL Gummersbach II. Während das Team von Jan Schwenzfeier zum Rückrundenauftakt mit dem letzten Aufgebot gegen den TV Aldekerk eine starke Leistung zeigte, die aber erneut unbelohnt blieb, punktete die Konkurrenz im Abstiegskampf. Die Oberberger treten mit 5:19 Punkten auf dem letzten Platz weiter auf der Stelle, während Aachen und Mönchengladbach jeweils doppelt punkteten. Der Rückstand auf das rettende Ufer beträgt damit vor dem Sonntag schon fünf Punkte – der Tabellenzwölfte SSV Nümbrecht könnte heute aber noch nachlegen. Der Druck wächst auf den Drittligaabsteiger, es droht der direkte Durchmarsch hinunter in die Oberliga. Schwenzfeier blendet die Ergebnisse der Konkurrenz aber noch aus: „Wir müssen unsere Punkte holen, unabhängig davon, was die anderen machen.“
Zu beneiden war der VfL-Coach am Samstag ohnehin nicht. Verletzungen und Krankheiten sorgten für einen Minikader bei den Oberbergern, die aufgrund des Auto-Salons in der SCHWALBE arena in die Eugen-Haas-Halle umziehen mussten. Mit zwei Torhütern und acht Feldspielern, darunter kein gelernter Rechtsaußen, ging Gummersbach in die 60 Minuten. Zudem hatte Torwart Tjorven Knackstedt mit muskulären Problemen zu kämpfen. Doch der Gummersbacher Minikader verkaufte seine Haut teuer und ging trotzdem ein hohes Tempo. „Unser Plan ist trotz der personellen Vorzeichen wirklich gut aufgegangen. Über 50 Minuten haben wir genau das gespielt, was wir wollten“, so Schwenzfeier, der eine schnelle 6:2-Führung (5.) seiner Mannschaft sah. Zwar fand nun auch Aldekerk ins Spiel und kippte das Match zum 9:11 (19.), doch der VfL schlug mit seiner aggressiven 5:1-Deckung zurück und führte beim Pausenpfiff der laut Schwenzfeier „sehr guten Schiedsrichter“ mit 14:13.
Eng blieb es auch nach dem Seitenwechsel. Bis zum 23:21 (45.) ging Gummersbachs Plan weiter vollkommen auf. Doch ausgerechnet zwei Rote Karten brachten Aldekerk nun wieder ins Spiel. Die Oberberger konnten mit den Überzahlphasen nichts anfangen und liefen plötzlich einem 23:25-Rückstand (50.) hinterher. Die Schlussphase wurde über 25:29 (56.) dann zur Kraftfrage. „Dass wir am Ende kräftemäßig einbrechen, war zu erwarten. Mit diesem Kader war das spielerisch und kämpferisch eine wirklich gute Leistung, für die wir uns aber leider nicht belohnen konnten“, so Schwenzfeier. Als Hauptgrund machte er einmal mehr die Chancenverwertung aus: „Wir erspielen uns die Chancen, lassen gegen ihren Torhüter Joscha Schoemackers aber zu viele Bälle liegen.“
Gummersbach II: Tim Rath (9/3), Malte Haglund (7), Jakob Patzelt, Moritz Riedel (je 5), Fanou Ulmerich (3).
BTB Aachen – HC Gelpe/Strombach 32:28 (16:17).
„Wir sind die sozialste Mannschaft der Liga“, schimpfte HC-Trainer Daniel Rodriguez nach der 28:32-Niederlage bei BTB Aachen. Man könnte die HC-Handballer auch den Robin Hood der Regionalliga nennen: Sie nehmen es von den „Reichen“ und geben es den „Armen“. Die Niederlage in der Kaiserstadt war bereits die vierte Niederlage gegen einen direkten Abstiegskonkurrenten, ihre Punkte holen die Oberberger vornehmlich gegen die Topteams der Liga. Dabei war Rodriguez unter der Woche nicht müde geworden, vor der Aufgabe an der niederländischen Grenze zu warnen, hatte nach dem 32:29-Sensationssieg gegen Spitzenreiter Korschenbroich gegen Aachen im Vorfeld sogar vom schwersten Spiel der Saison gesprochen. Er sollte recht behalten, die Achterbahnfahrt der HC-Handballer setzte sich fort.
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Die 60 Minuten waren dabei fast schon ein Spiegelbild des Hinspiels, nur spiegelverkehrt. Dieses Mal waren es die Oberberger, die einen perfekten Start erwischten und über 2:8 (8.) bis zum 4:10 (14.) den Schwung der letzten Wochen mitzunehmen schienen. „Anschließend agieren wir aber völlig undiszipliniert und verlassen vollkommen unser System. Wir waren nur noch ein Haufen von Individualisten und verzetteln uns offensiv vollkommen. Das war keine mannschaftliche Leistung mehr“, schimpfte Rodriguez weiter und sprach von einer Charakterfrage: „So gewinnt man in dieser Liga gar kein Spiel. Siege gegen Korschenbroich bringen uns gar nichts, wenn wir gegen unsere direkten Konkurrenten nicht punkten.“
Aachen kämpfte sich über 8:10 (18.), 9:13 (19.) und 13:13 (23.) bis zur Pause wieder auf ein Tor heran. Direkt nach Wiederanpfiff verpassten es die Oberberger zudem, sich für gute Abwehraktionen zu belohnen, sodass Aachen das Ergebnis zum 20:19 (40.) kippte. In der Folge bekamen die Gäste dann auch defensiv kaum noch Zugriff auf ihre Gegenspieler. Die Folge: zahlreiche Siebenmeter für Aachen sowie einige Zeitstrafen gegen die Oberberger. „Wir waren immer einen Schritt zu langsam“, sah Rodriguez die Gastgeber über 24:22 (50.) zum 28:23 (53.) davonziehen. „15 Minuten guter Handball reichen nicht, um ein Spiel zu gewinnen. BTB hat uns wieder auf den Boden der Tatsachen geholt“, so der HC-Coach.
Gelpe/Strombach: Felix Maier (10/5), Felix Soldanski (5), Arvid Pötz (4), Leonard Viebahn, Mike Heinzerling (je 3), Malte Meinhardt (2), Lars Rostalski (1).
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TSV Bayer Dormagen II – SSV Nümbrecht 38:25 (19:11).
„Wir wissen nicht erst seit heute, dass wir im Abstiegskampf sind. Wir brauchen aber ein anderes Gesicht, um uns wieder selbst aus der aktuellen Situation zu befreien“, sagte Nümbrechts Trainer Manuel Seinsche nach der herben 25:38-Klatsche in Dormagen. Es war bereits die dritte Niederlage im vierten Spiel in 2026. Nur gegen BTB Aachen gelang dem oberbergischen Aufsteiger beim 28:28-Remis ein Punktgewinn. Der Vorsprung auf die Abstiegsränge ist durch den 38:35-Überraschungssieg von Borussia Mönchengladbach gegen den HC Weiden auf zwei Punkte zusammengeschmolzen.
Das Match beim Tabellenzweiten, der unter der Woche noch überraschend gegen Mönchengladbach gepatzt hatte, konnten die Oberberger rund 18 Minuten offen gestalten. Über 4:1 (4.) und 6:6 (11.) verlief die Partie bis zum 9:8 (18.) ausgeglichen. „Dann folgt aber eine Phase, in der wir keine gute Entscheidungen treffen, viele Fehler machen und auch Zeitstrafen kassieren“, sah Seinsche nun einen 4:0-Lauf zum 13:8 (23.) Zur Pause waren die Gastgeber bereits auf acht Tore davongezogen. „Damit war das Spiel eigentlich schon entschieden“, so Seinsche, der noch versuchte, sein Team in der Kabine zu motivieren – allerdings erfolglos.
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Dormagen spulte sein Programm nach dem Seitenwechsel souverän herunter. Über 26:15 (40.) und 31:19 (45.) verzettelten sich dagegen die Gäste zunehmend und nutzten die restliche Spielzeit für einige Experimente. Als dann auch noch Tim Hartmann und Torhüter Tom Rydzewski nach einem Siebenmeterpfiff für Dormagen auf die Strafbank geschickt wurden, war der Drops endgültig gelutscht. Mit einem weiteren kleinen Lauf zum 36:20 (52.) machten die Hausherren das oberbergische Debakel perfekt. „Mit den bisherigen Ergebnissen in diesem Jahr können wir nicht zufrieden sein. Kleinigkeiten ziehen uns nach unten und wir ebnen unseren Gegnern immer den Weg“, so Seinsche, dessen Team am kommenden Wochenende beim Derby in Gummersbach ein Vier-Punkte-Spiel vor der Brust hat.
Nümbrecht: Dominik Donath (5), Fabian Benger, Johannes Urbach, Erik Hampel (je 3), Lennart Last, Marcel Miebach (je 2), Niklas Witthaut (2/1), Philipp Donath, Tim Hartmann, Tobias Schröter, Tim Henrichs, Tom Rydzewski (je 1).
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