HANDBALL
Gummersbach ist in Magdeburg nur 50 Minuten lang der Partycrasher
Gummersbach - Beim SC Magdeburg zeigt der VfL eine Topleistung, macht am Ende aber den Sack nicht zu – 'RPP - Ambulantes Therapie- und Reha-Zentrum' und AggerEnergie präsentieren die Berichterstattung über den VfL Gummersbach.
Von Peter Notbohm
SC Magdeburg – VfL Gummersbach 38:35 (18:20)
Der Traum von einer möglichen Qualifikation zur Champions League ist für die Handballer des VfL Gummersbach endgültig ausgeträumt. Nach der 35:38-Niederlage beim SC Magdeburg am vorletzten Spieltag der Handball-Bundesliga (HBL) haben die Oberberger auch rechnerisch keine Chance mehr, noch den zweiten Tabellenplatz zu erreichen. Die European League ist dem oberbergischen Altmeister aber sicher.
Gummersbach muss damit weiter auf einen Sieg im Duell der beiden Traditionsvereine warten. Zuletzt konnte der VfL die Magdeburger im September 2016 besiegen. Im Vorfeld der Partie hatte VfL-Chefcoach Gudjon Valur Sigurdsson schon gesagt, dass sein Team einen absoluten Sahnetag brauchen würde, um Zählbares aus der GETEC Arena zu entführen. Den hatte Gummersbach auch lange Zeit, am Ende war man aber nur für 50 Minuten der Partycrasher. In der Schlussphase verpassten es die Gäste, den Sack zuzumachen.
Für Magdeburg war der Sieg hingegen die Krönung einer nahezu perfekten Saison. Der SCM blieb auch im 17. Heimspiel ungeschlagen, bekam nach dem Abpfiff die Meisterschale überreicht und verabschiedete zehn Tage vor dem Final Four in der Champions League schon einmal offiziell sieben Spieler.
Die 60 Minuten begannen schwungvoll. Von Anfang an merkte man kaum, dass hier die beiden besten Abwehrreihen der Liga aufeinandertreffen. Miro Schluroff traf nach 30 Sekunden zur ersten Gummersbacher Führung. Überhaupt zeigte der VfL in der Anfangsphase ein nahezu perfektes Match. Über 2:4 (7.) saß bis zum 5:8 durch Julian Köster, der nach seinem Comeback letzte Woche nun auch wieder in der Starfaufstellung stand, nahezu jeder Wurf. Und das obwohl Gummersbach sich kaum durchkombinieren konnte, sondern immer wieder den Abschluss aus der zweiten Reihe gegen ungewohnt passive Magdeburger suchen musste. Schluroff, Köster und der immer wieder eingewechselte Ludvig Hallbäck waren offensiv im ersten Durchgang die Hauptprotagonisten.
Erst nachdem Schluroff zunächst nur den Pfosten traf und im Gegenzug eine Zeitstrafe nach einem Foul an Omar Ingi Magnusson kassierte, fanden die Gastgeber zurück in die Spur. Felix Claar beendete einen 4:1-Lauf zum 10:10-Ausgleich (17.). SCM-Coach Bennet Wiegert reagierte und brachte Nikola Portner für den bis dahin glücklosen spanischen Nationaltorhüter Sergey Hernandez zwischen die Pfosten. Doch das Torhüterduell ging weiter klar an die Oberberger. Dominik Kuzmanovic lieferte den Magdeburger Fans mit seinen neun Paraden, darunter zwei Siebenmeter, bis zur Pause (33 Prozent) schon einmal einen Vorgeschmack auf die kommende Saison, wenn der Kroate zu den Ostdeutschen wechseln wird.
Nach dem 13:14 (21.) hatte Magdeburg zudem Glück, dass die Partie für Oscar Bergendahl nicht vorzeitig beendet war. Der Kreisläufer hatte Schluroff heftig im Gesicht getroffen, die Unparteiischen beließen es aber ohne den VAR anzusehen bei einer Zeitstrafe. Trotz der Unterzahl kippte der SCM das Match abermals zum 16:15 (25.), ehe der VfL seine fahrige Phase wieder abstellen konnte und über 17:17 noch zum 18:20-Pausenstand kam. Die letzte Szene der ersten Hälfte gehörte passenderweise Kuzmanovic, der einen Abpraller von Tim Hornke stark parierte. „Wir waren in der ersten Halbzeit sehr effektiv“, kommentierte Julian Köster die ersten 30 Minuten im Halbzeit-Interview bei DYN.
Der zweite Durchgang begann mit einer Köster-Zeitstrafe, nachdem der Nationalspieler den überragenden Gisli Kristjansson im Gesicht getroffen hatte. Beide Teams brauchten anschließend ein wenig, um wieder die Betriebstemperatur aus der ersten Hälfte zu erreichen. Nach einer Meckerzeitstrafe gegen Kristjansson warfen beide Teams aber wieder den Turbo an und Gummersbach verteidigte bis zum 24:27 (43.) seine Führung, auch weil Kuzmanovic bereits den dritten Siebenmeter entschärft hatte.
Es folgte eine höchst umstrittene Schiedsrichterentscheidung. Gisli Kristjansson traf Kristjan Horzen bei einem Überzieher mit dem Ellbogen im Gesicht. Trotz der VAR-Bilder entschieden die Unparteiischen statt auf Stürmerfoul und potenzieller Roter Karte für den Isländer auf Freiwurf für Magdeburg. Bis zum Schlusspfiff lief die Augenhöhle des Slowenen dunkelblau an. Kristjansson war es auch, der die Schlussphase prägte und immer wieder Albin Lagergren in Szene setzen konnte. Zudem fanden die Hausherren in Matthias Musche nun endlich auch einen sicheren Siebenmeterschützen.
Über 29:30 (50.) blieben die Gäste noch bis zum 32:33 durch Kay Smits (54.) in Führung. Dann hielt der bis dahin weitgehend glücklose Hernandez aus dem Nichts zwei VfL-Würfe und auch Nikola Portner entschärfte in den beiden Schlussminuten zwei Vujovic-Siebenmeter. Damit stand die Gummersbacher Niederlage fest. Eine starke Geste gab es vom VfL im letzten SCM-Angriff: Vereinslegende Christian O'Sullivan wurde sein letztes Tor in der GETEC Arena ohne Gegenwehr gewährt.
Sigurdsson lobte sein Team nach dem Schlusspfiff trotz der Niederlage: „Wir haben heute ein wirklich gutes Spiel gemacht. Wir hatten unsere Probleme in der Abwehr, haben das im Angriff aber überragend rausgespielt. Insgesamt war das ein tolles Spiel am Ende der Saison. Schade, dass wir nicht die Punkte mitnehmen können. Wir werden uns jetzt auffangen, erholen und auf Sonntag vorbereiten.“ Dann empfängt der VfL im letzten Heimspiel die Rhein-Neckar Löwen in der SCHWALBE arena.
Magdeburg: Gisli Kristjansonn, Albin Lagergren, Felix Claar (je 6), Matthias Musche (5/4), Magnus Saugstrup (4), Omar Ingi Magnusson (3), Sebastian Barthold, Tim Hornke, Oscar Bergendahl (je 2), Christian O'Sullivan, Philipp Weber (je 1).
Gummersbach: Miro Schluroff (9), Kay Smits (5), Milos Vujovic (5/4), Kristjan Horzen, Julian Köster, Ludvig Hallbäck (je 4), Lukas Blohme (2), Stepan Zeman, Teitur Einarsson (je 1).
Zeitstrafen
8:6 Minuten (Magnusson, Musche, Bergendahl, Kristjansson – Schluroff, Köster, Horzen).
Siebenmeter
4/7 – 4/6 (Kuzmanovic hält gegen Magnusson, Hornke und Zehnder- Vujovic scheitert zweimal an Portner).
Schiedsrichter
Philipp Dinges/Fabian Baumgart.
Zuschauer
6.600 (ausverkauft).
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