HANDBALL
Kampf um die Champions League: Holt Gummersbach Big Points in Berlin?
Gummersbach - Vor dem wegweisenden Match bei den Füchsen Berlin vermisst Gummersbachs Chefcoach Gudjon Valur Sigurdsson Transparenz seitens der EHF bei der Vergabe der Champions League-Tickets - 'RPP - Ambulantes Therapie- und Reha-Zentrum' und AggerEnergie präsentieren die Berichterstattung über den VfL Gummersbach.
Von Peter Notbohm
Füchse Berlin – VfL Gummersbach (Donnerstag, 19 Uhr).
Der VfL Gummersbach ist die Mannschaft der Stunde in der Handball-Bundesliga (HBL). In der Rückrunde weiterhin ungeschlagen und mit elf Siegen in Folge hat sich die Mannschaft von Gudjon Valur Sigurdsson zu einem ernstzunehmenden Anwärter auf die Champions League-Plätze gemausert. Am Donnerstagabend wartet nun die Nagelprobe auf die VfL-Handballer. Es geht zum frisch gebackenen DHB-Pokal-Sieger und noch amtierenden Meister, den Füchsen Berlin, in die Max-Schmeling-Halle.
Mit einem Sieg würde Gummersbach (43:13 Punkte) an den auf Platz drei liegenden Berlinern (44:12 Punkte) vorbeiziehen und damit mehr denn je von der Königsklasse träumen dürfen. Doch dürfen sie das wirklich? Noch vor zwei Wochen hatte VfL-Boss Christoph Schindler in einem in der Handballszene viel diskutierten SportBild-Interview den Europäischen Handballverband EHF scharf kritisiert, dass unklar sei, welcher Tabellenplatz für Europa reicht. Vergangene Woche hat die EHF zwar endlich Fakten geschaffen, die Unsicherheit bleibt aber weiterhin bestehen.
Die gute Nachricht aus deutscher Sicht: Der HBL winken künftig drei statt zwei Champions League Plätze. Die schlechte Nachricht: Das Vergabeverfahren ist kompliziert. Den Startplatz sicher hat nur der Deutsche Meister. Zwei weitere Clubs können bei der EHF ein Upgrade beantragen, bei dem der Verband Kriterien wie Hallengröße, mediale Reichweite oder auch Erfolge der Vergangenheit heranzieht. Und nun wird es knifflig. Auch der Champions League-Sieger hat sein Ticket sicher. Genauso kann der Gewinner der European League unter Umständen ein Startrecht erhalten.
Ein Beispiel: Magdeburg holt sich die Deutsche Meisterschaft und Berlin gewinnt die Champions League, wird in der Liga aber nur Vierter hinter Flensburg und Gummersbach. Dann hätten die Oberberger bei der Beantragung des Upgrades das Nachsehen und dürften „nur“ European League spielen. Zu demselben Ergebnis käme man, wenn im selben Beispiel Magdeburg Meisterschaft und Champions League holt, gleichzeitig Kiel, Melsungen oder Hannover die European League gewinnen. Erneut hätte Gummersbach als Dritter das Nachsehen.
Noch komplizierter wird es, wenn Magdeburg Meister wird, Gummersbach Vizemeister, Berlin gleichzeitig die Champions League holt und Kiel die European League. In dieser Rechnung würde Kiel leer ausgehen, weil die EHF eine Einschränkung eingebaut hat, dass es nur einen Königsklassenplatz für die beiden Titelträger gibt, wenn beide sich nicht über die Liga qualifizieren. Logisch, oder? Manche würden wohl sagen: Handball-Mathematik der EHF. Wie sich die auf 24 Teams aufgestockte Champions League zusammensetzt, steht jedenfalls erst nach dem Final Four am 13. und 14. Juni in Köln sowie den Upgrade-Entscheidungen der EHF fest. Die haben noch keinen fixen Termin.
Gummersbachs Cheftrainer Gudjon Valur Sigurdsson, der ganz seinem Naturell nach dem Maximum strebt, fühlt sich angesichts solcher Rechenspiele längst wie in einer schlechten Komödie. „Wir reden im Handball über Professionalität und machen uns dann damit lächerlich“, sagt der Isländer vor der Abreise zum Topspiel in Berlin. Was ihn besonders stört ist die fehlende Transparenz, die allen Clubs kaum Planungssicherheit gibt. Dass solche Entscheidungen nicht bereits zu Saisonbeginn getroffen wurden, kann er nicht verstehen: „Hätten wir das im August gewusst, hätte man sich damit anfreunden können. Solche Entscheidungen aber erst im April zu treffen, ist für mich unseriös.“
Geradezu überrascht, ist der ehemalige Weltklassespieler, dass die EHF plötzlich den Sieg in der European League derart aufwertet. Das sei in den vergangenen Jahren noch klar abgelehnt worden. Dabei betont Sigurdsson auch, dass es ihm in der Diskussion überhaupt nicht um seinen Club gehe, schließlich seien in Deutschland allein acht Teams von der Entscheidung betroffen. Auch in anderen Ländern schielen viele Teams auf Wildcards. „Wir schaffen es im Handball nicht, logisch zu arbeiten. Wir wissen nicht, wozu welcher Platz ausreicht. Das ist das größte Problem, das wir im Handball derzeit haben“, meint er und ist auch von der HBL enttäuscht, die sich aus der Diskussion genommen habe, indem sie auf die Entscheidungshoheit der EHF verwiesen habe.
Natürlich werde das Thema auch in der VfL-Kabine diskutiert, sagt Sigurdsson. Gleichzeitig versuche man im Trainingsalltag aber das ganz normale Programm abzuspulen. Eins ist für Sigurdsson klar: „Wenn wir in dieser starken Liga Vierter bleiben, wäre ich unglaublich froh.“ In Berlin erwartet der VfL-Coach jedenfalls keine Geschenke und nach dem DHB-Pokal-Wochenende auch keine partymüden Berliner. „Das sind alles Vollprofis, die wissen, um was es geht. Ich war selbst oft genug in dieser Situation. Es gibt Zeit und Raum, um Titel zu feiern, aber am nächsten Tag geht es weiter!“
Beeindruckt ist Sigurdsson vor allem von der Offensive der Berliner um Welthandballer Mathias Gidsel, die als einziges Team in dieser Saison schon über 1.000 Tore in der Liga erzielt und ihre Qualitäten auch am Wochenende beim Final Four in Köln mit 81 Toren unter Beweis gestellt hat – darunter allein 29 Tore aus dem Tempospiel heraus. „Das ist einfach eine unfassbare Qualität“, findet der VfL-Coach, der bis auf Julian Köster mit dem kompletten Kader plant. Mathis Häseler befindet sich allerdings weiter nur im Reha-Training und soll nur im absoluten Notfall eingesetzt werden.
Gummersbach erhält Lizenz für die kommende Saison
Die Lizenzierungskommission der Handball-Bundesliga hat allen Erst- und Zweitligisten die Lizenz für die kommende Saison erteilt. „Die bereits im vorjährigen Lizenzierungsverfahren attestierte wirtschaftliche Stabilität der Handball-Bundesligisten hat sich trotz schwieriger gesamtwirtschaftlicher Situation weiter verbessert, diese erfreuliche Entwicklung ergab das diesjährige Prüfverfahren“, heißt in einer Mitteilung der HBL. Nur „einige wenige Clubs“ müssen Auflagen erfüllen. Um welche Vereine es sich handelt, wurde nicht öffentlich. Der VfL Gummersbach machte wie in den Vorjahren hierzu keine konkreten Angaben.
VfL-Geschäftsführer Christoph Schindler freute sich über die positive Nachricht aus Köln: „Wir verstehen die Entscheidung als Bestätigung unserer Arbeit. Unser Anspruch bleibt es, uns sportlich weiterzuentwickeln und dafür die notwendigen wirtschaftlichen Grundlagen zu schaffen. Ein großer Dank gilt unseren Fans und Partnern, die diesen Weg mitgehen und ermöglichen. Gemeinsam wollen wir die nächsten Schritte machen, denn wir haben noch einiges vor.“
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