HANDBALL

Die Ziele bleiben ehrgeizig

pn; 04.08.2021, 21:00 Uhr
Fotos: Michael Kleinjung --- Im dritten Anlauf will der VfL Gummersbch endlich zurück in die 1. Liga.
HANDBALL

Die Ziele bleiben ehrgeizig

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pn; 04.08.2021, 21:00 Uhr
Gummersbach - Offizielle Teamvorstellung des neuen VfL-Kaders - Verein will zurück in die 1. Liga - 'RPP - Ambulantes Therapie- und Reha-Zentrum' und AggerEnergie präsentieren die Berichterstattung über den VfL Gummersbach.

Von Peter Notbohm

 

Die Enttäuschung über die verpasste Rückkehr in die Handball-Bundesliga hallt zwar immer noch ein wenig nach, bremst die Vorfreude auf die neue Saison aber nur geringfügig. Das dritte Zweitligajahr soll endlich das letzte in der Historie des ruhmreichen Altmeisters werden, daran ließen VfL-Coach „Goggi“ Sigurdsson, Geschäftsführer Christoph Schindler, aber auch die Spieler bei der offiziellen Präsentation des neuen Teams am heutigen Mittwoch keinen Zweifel. Teilweise ist man in den Aussagen aber auch ein wenig vorsichtiger geworden. „Mit den vier Absteigern aus der Bundesliga - dazu gut verstärkte Teams wie Hamm, Bietigheim oder Elbflorenz - kann man von der stärksten zweiten Liga aller Zeiten sprechen“, meint Schindler und ergänzt noch: „Wahrscheinlich sogar von der viertstärksten Liga weltweit.“

 

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Ähnlich gereift sind die Gedanken beim VfL-Trainer. Sprach Gudjon Valur Sigurdsson (Foto) zu seinem Dienstantritt im vergangenen Jahr noch offensiv vom Aufstieg, ist dieser Wille mit einem Jahr Erfahrung zwar keineswegs kleiner, die Formulierungen aber präziser geworden. „Natürlich wollen wir immer noch aufsteigen, aber es ist schwieriger geworden“, sagt er mit seiner gewohnten stoischen Gelassenheit. Mit dem aktuellen Stand der Vorbereitung ist der frühere Weltklasse-Linksaußen zufrieden, teilweise habe ihn sein Team im Trainingslager in Österreich sogar überrascht. „Wir hatten super Bedingungen und haben intensiv trainiert. Ich hätte nicht erwartet, dass wir mein komplettes Programm durchziehen können, aber die Jungs waren topfit. Natürlich kann man sich immer noch verbessern, aber daran arbeiten wir“, so der 41-Jährige.

 

[Auf diese neuen Gesichter dürfen sich die VfL-Fans freuen (v.l.): Ole Pregler, Stepan Zeman, Martin Nagy, Tibr Ivanisevic, Szymon Dzialakiewicz und Hakon Styrmisson.]

 

Gleichzeitig gibt er zu, auch selbst in seinem ersten Jahr als Handballlehrer einiges gelernt zu haben. „Ich habe von den Jungs und meinem Trainerteam viel mitgenommen.“ Ob er dabei auch die richtigen Lehren gezogen habe? „Ich bin lange genug in diesem Geschäft, um zu wissen, dass man planen kann, wie man will. Am Ende steht auf der anderen Seite immer noch ein Gegner und es kommen auch unangenehme Resultate. Aber ich freue mich auf die zweite Saison hier.“ Sein System will er weiter verfeinern, insbesondere die offensive Abwehrvariante noch weiter intensivieren. Im Angriff verspricht er zudem zwei, drei neue Variationen. Das Spielermaterial dazu sollte vorhanden sein, der Kader ist breiter geworden, aber auch jünger. 23,5 Jahre beträgt das Durchschnittsalter der 21 Profis, unter den Janko Bozovic und Timm Schneider die Oldies sind. 

 

Die Wege von Ole Pregler und dem VfL Gummersbach kreuzten sich bereits 2019. Damals spielte der inzwischen 19-jährige VfL-Neuzugang noch in der B-Jugend der JSG Melsungen/Körle/Guxhagen und warf den oberbergischen Akademienachwuchs mit seinem Toren fast im Alleingang aus dem Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft. Nun soll er diese Qualitäten auch im Rahmen eines Zweitspielrechts im VfL-Trikot zeigen, gibt sich im kurzen OA-Gespräch aber durchaus bescheiden. Selbstverständlich sei die Leihe für ihn persönlich wichtig, nachdem er in Melsungen in seinem Debütjahr eher wenig Einsatzzeiten bekommen habe. „Der Erfolg des Teams ist aber noch wichtiger und dabei will ich helfen“, betont er. Laut Schindler gebe es mit dem Bundesligisten eine klare Absprache, dass der talentierte Halbe primär beim VfL spielen werde.

 

Die ersten kleine Rückschläge in der Vorbereitung ließen ebenfalls nicht auf sich warten: Fynn Herzig laboriert weiterhin an der Schulterverletzung aus dem Dormagen-Spiel. Der hoch veranlagte Mathis Häseler zog sich eine Talusfraktur bei der Juniorennationalmannschaft zu und fällt vermutlich nach der bereits durchgeführten Operation vier bis fünf Monate aus. Auch Nachwuchskreisläufer Bruno Eickhoff wird mit einer hartnäckigen Schienbeinentzündung in den kommenden zwei Wochen pausieren müssen. Bei Ellidi Vidarsson dürfte der Ausfall aufgrund einer Muskelverhärtung dagegen deutlich kürzer ausfallen. Der Rest präsentierte sich allerdings in guter Form, sagt Sigurdsson.

 

[Video: Michael Kleinjung --- OA nutzte die Teampräsentation für kurze Gespräche mit einigen VfL-Spielern.]

 

Von seinen acht Neuzugängen verspricht sich der Isländer einiges. Diese hätten sich gut eingelebt und seien durch das Trainingslager auch sofort in die Mannschaft integriert worden. „Handball spielen können sie alle - deshalb haben wir sie auch hierher geholt. Sie sind aber auch alle gute Typen, mit denen wir lange Gespräche geführt und ihren Charakter erforscht haben.“ Viel erhofft sich der Isländer zudem vom neuen bosnischen Torwarttrainer Mario Kelentric, mit dem er früher in Essen zusammengespielt hat und der die letzten Prozente aus den drei VfL-Torhütern herauskitzeln soll. Wie gut alles sportlich bereits harmoniert, wird das erste Testspiel (der komplette Vorbereitungsplan hier) am morgigen Donnerstag gegen den Bundesligisten Bergischer HC zeigen, das unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden wird.

 

Für Szymon Dzialakiewicz bedeutet der Wechsel zum VfL Gummersbach den nächsten Karrieresprung. Durch den 21-jährigen Polen hat der Zweitligist endlich wieder zwei gelernte Linkshänder im rechten Rückraum. Die Mannschaft habe ihn toll aufgenommen betont der 1,90 Meter große Athlet und sein Ziel sei es, sich jeden Tag aufs neue im VfL-Dress zu beweisen. Beeindruckt ist er von der Gummersbacher Mentalität: „Die Menschen wollen Teil des Vereins sein und identifizieren sich vielmehr mit dem Handball.“ Aber auch spielerisch hat er durchaus bereits Unterschiede bemerkt: "Während in Polen der Fokus mehr auf dem Spielerischen liegt, wird hier in Deutschland viel Wert auf Kraft gelegt. Da muss ich noch nachlegen und auch meine Abwehrarbeit noch weiter verbessern.“

 

Wirtschaftlich sei der Verein relativ gut durch die schwierige Corona-Saison ohne Zuschauer gekommen, betont derweil Geschäftsführer Christoph Schindler (Foto) – das habe man vor allem den Fans und Partnern zu verdanken, die auf Regressansprüche verzichteten. Aber auch die Angestellten des Vereins trugen mit Kurzarbeit und Gehaltsverzichten neben den Staatshilfen ihren Teil dazu bei. Für die neue Spielzeit hofft er auf eine dauerhafte Rückkehr der Fans in die Hallen und will den Konsolidierungskurs fortsetzen. Das Feedback für die anstehende Saison stimmt ihn jedenfalls positiv. Der Dauerkartenverkauf sei gut angelaufen und bewege sich auf dem Niveau wie in Zeiten vor Corona. Auf Diskussionen, ob der Verein nur Geimpfte oder Genesene in die SCHWALBE arena lassen wird, will er sich dagegen derzeit nicht einlassen und auch die Gespräche mit den Behörden abwarten. „Wasserstandsmeldungen machen in dieser Hinsicht derzeit keinen Sinn, genauso wenig, sich auf soziale Diskussionen einzulassen, bestimmten Leuten mehr Freiheiten zu geben als anderen.“


 

Sportlich erwartet auch er viel von der Mannschaft, nachdem er manchen Spieler – wenn auch nicht namentlich – im Saisonendspurt noch öffentlich angezählt hatte. Bei der Aufarbeitung des verpassten Aufstiegs sei sehr schnell klar gewesen, dass man die entscheidenden Spiele nicht wegen fehlender handballerischer Qualität verloren habe. „Der eine oder andere wird daraus gelernt haben und wir sind 100-prozentig davon überzeugt, dass wir nun 21 Spieler haben, die sich maximal mit dem Verein identifizieren. Dafür würde ich für jeden die Hand ins Feuer legen.“

 

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