HANDBALL

Derschlag steht nach Blackout mit leeren Händen da

pn; 02.02.2020, 03:17 Uhr
HANDBALL

Derschlag steht nach Blackout mit leeren Händen da

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pn; 02.02.2020, 03:17 Uhr
Oberberg - Nümbrecht quält sich zum Auswärtssieg - Gelpe/Strombach holt wichtige Punkte - Derschlag verliert Spitzenspiel gegen Dormagen

TuS Derschlag – TSV Bayer Dormagen II 27:28 (13:9).

 

Die Enttäuschung saß tief – nicht nur bei Ralph Weinheimer, auch seine Spieler schlichen nach dem Schlusspfiff mit hängenden Schultern vom Spielfeld. Gerade hatten die Oberberger ein Spitzenspiel verloren, das sie eigentlich niemals verlieren durften. „Dormagen weiß wahrscheinlich immer noch nicht, warum sie mit zwei Punkte die Heimreise angetreten haben, aber Handball ist nun mal ein Ergebnissport“, sagte der TuS-Coach und sprach von zwei verlorenen Punkten. Eine Meinung, der man sich beim Blick auf den Spielverlauf durchaus anschließen konnte. Die Gastgeber schnürten im ersten Durchgang ein gutes Paket aus stabiler Defensive mit gut aufgelegtem Torhüter und lagen über 6:3 (11.) und 10:6 (23.) fast ununterbrochen in Führung.

In die Karten spielte Derschlag zudem, dass Dormagens gefährlicher Shooter Wael Ben Youssef nach einer Zeitstrafe die Schiedsrichter bedrohte und folgerichtig mit der blauen Karte (20.) zum Duschen geschickt worden war. Die Saat für einen Heimsieg war ausgelegt, der TuS vergaß nach dem Seitenwechsel aber die Ernte. Defensiv war plötzlich der Wurm im Derschlager Spiel und auch das Rückzugsverhalten stimmte nicht mehr. „19 Gegentore nach der Pause sind einfach viel zu viel“, meinte Weinheimer, dessen Team über 19:15 (40.), 22:21 (51.) und 26:25 (58.) trotzdem den Vorsprung zunächst eisern verteidigte.

 

Es sollten allerdings noch verhängnisvolle 40 Schlusssekunden folgen. Ali Kinanah traf zunächst zum 27:27-Ausgleich. Der TuS nahm seine letzte Auszeit: Der taktische Plan sah vor, den letzten Wurf erst mit der Schlusssirene zu nehmen. Michael Romanov hielt davon allerdings wenig, feuerte sein Geschoss bereits acht Sekunden vor dem Ende ab und ermöglichte Dormagen damit einen letzten Angriff. Kreisläufer Antoine Baup wurde von Kinanah mustergültig am Kreis bedient und traf Derschlag mit der Schlusssirene ins Mark. „Das war schon brutal“, so Weinheimer, „natürlich dürfen wir uns diesen letzten Blackout niemals leisten, aber wir haben schon vorher zu viele Fehler gemacht.“

 

Derschlag: Norman Krause (10/5), Thorben Schneider, Mario Weissner (je 5), Nils Welke (4), Philipp Krefting, Paul Borisch, Matias Cabrales (je 1).

 

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Longericher SC II – SSV Nümbrecht 26:29 (11:16).

 

„Souverän sieht anders aus, letztlich zählen aber nur die beiden Punkte“, atmete Nümbrechts Trainer Dirk Heppe nach dem Schlusspfiff tief durch. Am Ende reichten dem SSV sechs starke Minuten vor der Pause, um ein von vielen Zeitstrafen geprägtes Duell (24:8 Minuten) beim Tabellenzehnten für sich zu entscheiden. Beide Mannschaften tasteten sich zunächst vorsichtig ab, die Anfangsminuten in der mit 22 Zuschauern schwach gefüllten Halle in Köln-Chorweiler hätten allerdings den Charakter eines Freundschaftsspiels gehabt, meinte Heppe. Die Gäste taten sich schwer ihr emotionales Spiel aufzuziehen, agierten mit zu wenig Tempo und Einsatz.

 

Erst nach dem 10:8 (21.) erwachten die Oberberger ein wenig aus ihrer Lethargie und bekamen das Spiel zusehends besser unter Kontrolle. Plötzlich agierten die Gäste mit viel mehr Spielwitz und drehten die bis dahin eher dröge Begegnung zum 11:16-Pausenstand. In der Kabine appellierte Heppe zwar eindringlich, das Tempo hochzuhalten, sein Team verfiel aber schnell wieder in die alten Muster der Anfangsphase und machte den Gegner wieder stark. Über 14:19 (37.), 19:21 (42.) und 23:24 (50.) blieb es ein zähes Ringen. Kippen sollte das Spiel über 24:27 (57.) aber nicht – dafür sorgten auch vier Longericher Zeitstrafen in der Crunchtime. „Am Ende freuen wir uns natürlich über den Sieg, aber eigentlich haben wir einen anderen Anspruch an uns“, so Heppe.

 

Nümbrecht: Johannes Urbach (8/4), Tobias Mlynczak (5), Jannik Lang (4), Sebastian Deilmann (4/2), Jan Kaminski, Dag Dissmann (je 2), Jens Frey (2/1), Jan Sonka, Simon Schanz (je 1).

 

 

TV Birkesdorf – HC Gelpe/Strombach 26:31 (14:13).

 

Der Tabellenzweite wankte, aber er fiel nicht. Entsprechend schonungslos fiel die Analyse von HC-Trainer Michiel Lochtenbergh aus: „Mit Ausnahme der Anfangsminuten und der Schlussphase war das ein richtig schlechter Auftritt von uns. Aber das sind die Spiele, die man gewinnen muss.“ Hätte der HC Gelpe/Strombach vergangene Saison solche Duelle mit hoher Wahrscheinlichkeit noch verloren, agiert der Aufstiegsaspirant mittlerweile mit einem anderen Selbstverständnis. Dabei machten sich die Oberberger das Leben allerdings auch unnötig schwer. Aus einer starken Defensive kamen die Gäste schnell in ihr Tempospiel und legten zum 3:6 (11.) vor. „Bis dahin sah das sehr stabil aus“, meinte Lochtenbergh.

 

Die folgenden 40 Minuten gefielen dem Niederländer dagegen gar nicht. Der Ex-Profi vermisste die letzten zehn Prozent bei seinen Spielern. Zwar probierte der Coach viel aus, keine Umstellung wollte aber wirklich fruchten. Über 7:7 (15.), 9:11 (22.) und 12:12 (27.) ging Birkesdorf 20 Sekunden vor der Pause erstmals in Führung und gab auch nach dem Seitenwechsel bis zum 18:16 (37.) zunächst den Ton an. „Bis zu diesem Zeitpunkt haben wir uns irgendwie in unser Schicksal ergeben“, so Lochtenbergh, dessen Team nun aber seinen Kampfgeist wiederfand – bis zum 23:24 (52.) blieb es trotzdem eng. Die Schlussphase entwickelte sich zur Kräftefrage: Während Birkesdorf dem hohen Aufwand seinen Tribut zollen musste, mobilisierten die Gäste die letzten Kraftreserven und zauberten noch einmal eine starke Defensive auf das Parkett. Über 24:28 (57.) fand dann auch der kritische HC-Trainer noch ein Lob: „Die letzten zehn Minuten waren hervorragend verteidigt.“

 

Gelpe/Strombach: Julian Mayer (14/4), Sean Borgard, Tim Hilger (je 4), Harald Roth (3), Lukas Altjohann (2), Fynn Schürmann, Ole-Gunnar Steinhagen, Lukas Bader, Florian Panske (je 1).

 

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