HANDBALL
Der Spagat zwischen Talententwicklung und Belastungssteuerung
Gummersbach – Mit neuem Akademieleiter, neuem Trainer und größerem Kader will der VfL Gummersbach sein U20-Konzept verbessern - 'RPP - Ambulantes Therapie- und Reha-Zentrum' und AggerEnergie präsentieren die Berichterstattung über den VfL Gummersbach.
Von Peter Notbohm
Quo vadis Handballakademie des VfL Gummersbach? Diese Frage stellten sich im Oberbergischen zuletzt nicht wenige Handballfans. In den vergangenen beiden Jahren verpasste die U19 nicht nur zweimal den Sprung in die 1. Jugendbundesliga, das Seniorenteam wurde nach zahlreichen Abgängen auch aus der 3. Liga bis in die Oberliga durchgereicht. Das letzte Mal, dass der Verein dort spielte, war 2008. Auch das Jugendzertifikat der Handball-Bundesliga könnte damit in diesem Jahr gefährdet sein. Das Konzept eines U20-Teams, das in beiden Ligen parallel antritt, war bislang nicht von Erfolg gekrönt. In diesem Sommer kamen nach dem Regionalligaabstieg sogar Spekulationen auf, dass der VfL Gummersbach seine zweite Mannschaft komplett zurückziehen könnte.
Doch der neue Akademieleiter Fabian Mielke scheint neuen Schwung in den Gummersbacher Nachwuchsschmiede zu bringen. Noch vor seiner Verpflichtung als Nachfolger von Jörg Bohrmann gelang der U19 endlich die Rückkehr in die höchste Jugendklasse Deutschlands und auch bei der U20 ist von Rückzug längst keine Rede mehr. Dem neuen Trainer Joao Caracóis Palma (Archivfoto), der bei beiden Teams die Nachfolge von Jan Schwenzfeier angetreten hat, steht ein Kader mit 24 Spielern zur Verfügung.
Auch konzeptionell will man in der Handballakademie umdenken. „Wir werden die Belastungssteuerung neu strukturieren. Die Spieler werden nicht mehr alle jedes Wochenende doppelt spielen müssen“, sagt Mielke. Einige Spieler sollen nur im Jugendbereich zum Einsatz kommen. Bei der Entwicklung der Nachwuchstalente soll künftig eher die Jugendbundesliga Vorrang genießen, was aber nicht heißt, dass man die Oberliga abschreibt. „Wir wollen zwei Wettbewerbe. Die Spieler können in beiden sehr viel lernen und dabei nur gewinnen. Unser Fokus liegt aber auf der Jugendbundesliga, eine der besten Ligen in ganz Europa“, erklärt Caracóis Palma. Und Mielke ergänzt, dass man kein konkretes Saisonziel ausrufen werde: „Wir wollen keinen Druck aufbauen und werden nicht vom direkten Wiederaufstieg sprechen, gehen aber in jedes Spiel rein, um zu gewinnen.“
Personell hat sich im Sommer einiges getan bei den Gummersbachern. Malte Petersen, Moritz Riedel, Paul Britz, Hannes Hartmann, Fanou Ulmerich, Malte Haglund, Patrick Kiesewalter, Konstantin Kasch, Lars Machnacz und Carlo Bohnenkamp verließen den Verein. Auch die beiden hochveranlagten U19-Talente Luka Kersten und Tjorven Knackstedt zog es nach Dormagen und Hagen. Dazu wurde Julien Kübler mit einem Zweitspielrecht beim HC Gelpe/Strombach ausgestattet, sodass der Rückraumspieler beim VfL nur in der Jugendbundesliga auflaufen wird.
Den Abgängen stehen aber auch zahlreiche neue Gesichter gegenüber. Lian Reuber, Sky Rothe, Maximilian Weinheimer, Cedric Hitscher, Maximilian Lühr, Felix Hein, Daniel Rumpel, Hector Gand, Ben Graap, Fabian Mands und Hugo Fleisch wechseln aus der U17 in die U19. Mit Luca Patrizio kommt ein echtes Torwartjuwel aus Hanau. Julian Schlecht wechselt von der Bonner JSG ins Oberbergische, Krisztofer Horvath wagt den Sprung vom HC Linz aus Österreich und der B-Jugendliche Timon Scheithauer von der SG Nickelhütte-Aue. Dazu kehrt Mats Weber vom SSV Nümbrecht in die Kreisstadt zurück. Auch mit ihm ist dasselbe Modell wie mit Kübler geplant. Jugendbundesliga beim VfL und das Zweitspielrecht im Seniorenbereich verbleibt bei den Südkreislern.
Eine echte Überraschung im Kader ist Linkshänder-Routinier Thomas Eisenbach (39). Ihn und Ex-Profi Julian Krieg (39) bezeichnet Caracóis Palma als Lehrer für seine junge Mannschaft: „Viele vergessen, dass man von solch erfahrenen Spielern viel lernen kann. Beide haben auf einem sehr guten Level in ihrer Karriere gespielt und sollen uns helfen.“ Zuletzt verpflichtete Gummersbach mit Noam Emilien (19) zudem einen jungen Franzosen, der nur Senioren spielen wird. Der Rückraumspieler habe im Probetraining überzeugt, sagt Mielke: „Er ist talentiert, hat Entwicklungspotential und gibt unserem Kader mehr Tiefe, sodass es eine Win-Win-Situation für beide Seiten ist.“
Seinen Hauptfokus legt Caracóis Palma auf die Entwicklung seiner Talente. Er will ihnen eine Zukunft als Profis aufzeigen. „Wenn das heißt, dass wir anfangs Spiele verlieren, ist das so. Ich sehe es als Prozess und wenn der Prozess gut ist, werden die Resultate von allein kommen. Unser Ziel muss es immer sein, uns zu verbessern“, sagt er. Einen smarten Handball will er spielen lassen. Angelehnt an eine Aussage aus dem zeitlosen chinesischen Meisterwerk „Die Kunst des Krieges“ liegt sein Fokus auf der Deckungsarbeit: „Das erste Gesicht des Angriffs ist die Defensive. In den Handball übersetzt heißt das, dass das einfachste Tor aus dem Gegenstoß resultiert. Ich will einen schönen und schnellen Handball spielen lassen, dafür brauchen wir als Basis aber eine starke Defensive.“
In der Jugendbundesliga startet Gummersbachs U19 bereits dieses Wochenende mit dem Auswärtsspiel in Erlangen am Sonntagnachmittag. Die Oberligasaison beginnt in acht Tagen mit einem Heimspiel gegen MTV Köln II.
Tests und Tore
VfL – TuSEM Essen II (OL) 29:38
VfL – SSV Nümbrecht (OL) 33:22
Neuzugänge
Lian Reuber, Sky Rothe, Maximilian Weinheimer, Cedric Hitscher, Maximilian Lühr, Felix Hein, Daniel Rumpel, Hector Gand, Ben Graap, Fabian Mands und Hugo Fleisch (alle eigene B-Jugend), Luca Patrizio (HSG Hanau), Krisztofer Horvath (HC Linz AG), Julian Schlecht (Bonner JSG), Mats Weber (SSV Nümbrecht), Timon Scheithauer (SG Nickelhütte-Aue), Noam Emilien (Grand Poitiers Handball 86), Thomas Eisenbach (HSG Marienheide/Müllenbach)
Abgänge
Malte Petersen, Luka Kersten (beide Bayer Dormagen), Moritz Riedel, Konstantin Kasch (beide HC Gelpe/Strombach), Tjorven Knackstedt (VfL Eintracht Hagen), Patrick Kiesewalter (CH Oppenweiler/Backnang), Fanou Ulmerich (HBW Balingen-Weilstetten II), Malte Haglund (Skanela IF/Schweden), Hannes Hartmann, Paul Britz, Lars Machnacz, Carlo Bohnenkamp (alle Ziel unbekannt)
Kader
Tor
Luca Patrizio, Lian Reuber
Feld
Thomas Eisenbach, Hugo Fleisch, Felix Hein, Hector Gand, Ben Graap, Cedric Hitscher, Krisztofer Horvath, Julian Krieg, Julien Kübler, Maximilian Lühr, Fabian Mands, Jakob Patzelt, Leif Paulsen, Tim Rath, Sky Rothe, Daniel Rumpel, Julian Schlecht, Timon Scheithauer, Sota Shimizu, Mats Weber, Maximilian Weinheimer
Trainer
Joao Caracóis Palma
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