HANDBALL
Das Herz herausgerissen: Löwen müssen ohne Basic umdenken
Gummersbach – Nach dem überraschenden Verlust des torgefährlichen Spielmachers sehen sich die Löwen Oberberg nicht als Aufstiegskandidat – Trainer Thiele kritisiert Staffeleinteilung.
Von Peter Notbohm
Zwei Tage vor dem Saisonende war die Welt bei Bergneustadts und Derschlags Handballern noch in bester Ordnung. Hinter der Mannschaft von Maik Thiele lag eine mehr als erfolgreiche Oberliga-Saison. Mit Platz drei in der Abschlusstabelle hatte im Vorfeld niemand gerechnet, der Löwen-Coach liebäugelte für die nun anstehende Saison sogar damit, ein Wörtchen bei der Titelvergabe mitreden zu können.
Doch es sollte anders kommen: Spielmacher Marijan Basic teilte dem Verein aus dem Nichts mit, das Oberbergische verlassen zu wollen. Der ehemalige Zweitligaspieler war ein entscheidender Faktor für den sportlichen Aufschwung der vergangenen beiden Jahre. Statt im Löwentrikot wird der 38-Jährige nun im Jersey der HSG am Hallo Essen in der Oberligastaffel III auflaufen.
„Er hatte Qualitäten, die ich sonst in diesem Kader nicht habe. Das war eine echte Hiobsbotschaft für uns“, sagt Thiele zu dem überraschenden Abgang. Allein der Blick auf die Statistik untermauert die Aussage: Die Löwen müssen 193 Saisontore und eine phänomenale Siebenmeterquote von 94,5 Prozent kompensieren. Adäquaten Ersatz gab es so kurz vor Saisonende nicht mehr, Thiele sagt aber, dass der Verein weiter auf der Suche sei. Viel Verantwortung wird nun auf Marc Erlinghagen (Foto) zukommen, der nach langer Verletzungspause die Rolle als Spielmacher übernehmen muss.
Personell hat sich im Löwenrudel sonst nur wenig getan. Lukas Flick und Julien Neu haben den Verein mit unbekanntem Ziel verlassen, Marco Rubel die Schuhe vorerst an den Nagel gehangen. Auf der Haben-Seite stehen bislang zwei Spieler: Kreisläufer Daniel Rischikov (CVJM Oberwiehl) ermöglicht offensiv mehr taktische Varianten und wird Dauerbrenner und Abwehrchef Nils Welke spürbar entlasten. Fabio Brogno stammt aus der eigenen A-Jugend und soll peu à peu herangeführt werden. Für den Spielmacher gibt es vom Trainer lobende Worte: „Es ist wichtig, zu zeigen, dass man bei uns den Sprung schaffen kann. Er ist fleißig und engagiert.“
[Trainer Maik Thiele (r.) mit seinen Neuzugängen Daniel Rischikov (2.v.r.) und Fabio Brogno (m.). Marc Erlinghagen (l.) ist nach langer Verletzungspause wieder im Kader, Marcel Mesenhöler war bereits in der Rückrunde geholt worden.]
Beim Rückblick auf die abgelaufene Saison spricht Thiele von einem „überraschend guten Jahr“, durch das man dank der „sensationellen Hinrunde“ auf einer Euphorie-Welle getragen wurde. Zum Ende der Spielzeit habe man aber gemerkt, dass der Kader doch eher klein war, „wodurch wir ein wenig auf dem Zahnfleisch gingen“. Mit einer Wiederholung des starken Ergebnisses rechnet Thiele aufgrund des Abgangs von Basic jedenfalls nicht. „Realistisch sehe ich uns im Mittelfeld zwischen Platz sechs und zehn landen. Wir haben einfach unseren besten Torjäger verloren.“
Am Spielsystem will Thiele nur geringfügig etwas ändern, große Experimente wird es nicht geben. „Ich habe ohnehin kein starres System. Man muss immer darauf reagieren, welche Spieler zur Verfügung stehen“, erklärt der erfahrene Trainer. Ausfälle drohen vor allem im starken Rückraum. Julian Krieg und Luis Villgrattner werden aus privaten und beruflichen Gründen nicht immer zur Verfügung stehen. Bauen kann Thiele aber auf die Schnelligkeit und die Athletik seiner Mannschaft.
Auch defensiv sind die Löwen gut aufgestellt, mit Alen Caber hat man einen der besten Torhüter in der Oberliga im Kader. Optimierungsbedarf sieht der Coach dagegen beim Thema Passsicherheit. „Unter Druck fehlt uns die letzte Präzision“, urteilt er. Daran zu arbeiten sei allerdings schwierig, da die Trainingsbeteiligung dafür zu schwankend sei. „Auch wenn den jungen Spielern manchmal noch die Routine fehlt, sind wir in der Lage oben mitzuspielen – wenn alle ihre Leistung abrufen“, so Thiele (Foto).
Gespannt ist er auf die Auswirkungen der Ligareform, an der er auch Kritik übt: „Vom Papier her sind wir in die mit Abstand stärksten Gruppe gerutscht. Dass die fünf Aufsteiger aus dem Mittelrhein alle in derselben Gruppe gelandet sind, ist doch etwas seltsam.“ Als Kandidaten für den Titel nennt er Regionalligaabsteiger Langenfeld, den TB Wülfrath sowie den SSV Nümbrecht. „Wir werden kein Abstiegskandidat sein, aber für ganz oben wird es nicht reichen“, so Thiele.
Tests und Tore
Löwen - TuS Volmetal (Niederlage)
Löwen - SSV Nümbrecht II 26:10 (BSP-Cup)
Löwen - HC Gelpe/Strombach 15:23 (BSP-Cup)
Löwen - SSV Nümbrecht 26:31 (BSP-Cup)
Löwen - HC Gelpe/Strombach II 23:32 (BSP-Cup)
Abgänge
Julien Neu
Lukas Flick (beide Ziel unbekannt)
Marco Rubel (Karriereende)
Marijan Basic (HSG am Hallo Essen)
Zugänge
Daniel Rischikov (CVJM Oberwiehl)
Fabio Brogno (eigene Jugend)
Spielerkader
Tor
Alen Caber
Kevin Neese
Feld
Marc Erlinghagen
Antony Hudak-Domokos
Fabio Brogno
Marko Köster
Till Malek
Tobias Mlynczak
Thorben Schneider
Nils Welke
Philip Sauer
Marcel Neese
Nils Meier
Timon Dax
Luis Villgrattner
Julian Krieg
Marcel Mesenhöler
Daniel Rischikov
Trainer
Maik Thiele
Co-Trainer
Malte Müller
Betreuer
Manuel Jäger
Sportlicher Leiter
Oliver Meyer
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