HANDBALL
Bei Gummersbachs Gegner brennt der Baum
Gummersbach – Der Tabellenletzte SC DHfK Leipzig reagiert auf seine Negativserie und entlässt vor dem Spiel beim VfL seinen Trainer und Sportdirektor – VfL-Trainer Sigurdsson fordert mehr Biss – 'RPP - Ambulantes Therapie- und Reha-Zentrum' und AggerEnergie präsentieren die Berichterstattung über den VfL Gummersbach.
Von Peter Notbohm
VfL Gummersbach – SC DHfK Leipzig (Samstag, 19 Uhr, SCHWALBE arena).
Ohne Zweifel: Der SC DHfK Leipzig ist eine der großen Enttäuschungen in der bisherigen Saison in der Handball-Bundesliga (HBL). Erst magere zwei Punkte aus zwei Unentschieden haben die Ostdeutschen in zwölf Spielen geholt. Damit schweben sie als Tabellenletzter in Abstiegsgefahr und sind meilenweit von den eigenen Erwartungen entfernt, zum rettenden Ufer sind es allerdings auch nur drei Punkte Rückstand.
Saisonübergreifend wartet Leipzig sogar bereits seit 17 Ligaspielen auf einen Sieg. Der letzte Erfolg datiert von Mitte Mai, als man am 29. Spieltag mit 25:23 in Erlangen gewann. Damals saß Rúnar Sigtryggsson (53) noch auf der DHfK-Bank, der im Sommer vom Verein freigestellt wurde. Dasselbe Schicksal ereilte nun auch seinen Nachfolger Raúl Alonso (46), der gemeinsam mit Sportdirektor Bastian Roscheck am Mittwoch überraschend beurlaubt wurde, nachdem es noch Anfang der Woche Treuebekenntnisse für den Spanier gegeben hatte. Sein Nachfolger wird nach nur viereinhalb Monaten Amtszeit Frank Carstens (54), der nach seiner Trennung in Wetzlar im Sommer zuletzt in den USA bei Los Angeles Handball Club an der Linie stand.
„Das letzte, was man als Trainer haben will, ist ein Treuebekenntnis“, meint Gummersbachs Chefcoach Gudjon Valur Sigurdsson, der die Mechanismen im Geschäft kennt. Die Vorgänge in Leipzig will der Isländer nicht kommentieren, „dazu fehlen mir die Interna“. Allerdings ist Sigurdsson über den Zeitpunkt der Entlassung doch überrascht, schließlich ist das letzte Leipziger Spiel, die 26:32-Niederlage in Minden, schon eine Woche her.
„Das macht es für uns in der Vorbereitung nicht einfacher, aber wir müssen ohnehin vor allem auf uns schauen“, meint der VfL-Coach. Ein neuer Trainer könne in so kurzer Zeit noch gar nicht viel ändern, aber durchaus etwas bewirken, weiß der Isländer: „Das setzt manchmal Energien frei, manche Spieler sind plötzlich befreiter oder übernehmen Verantwortung.“ Taktisch sieht er sein Team gut auf die Aufgabe gegen den Tabellenletzten vorbereitet, von einem Pflichtsieg will der Trainer aber nicht reden.
„Leipzig hat Qualität im Kader“, sagt er. Gleichzeitig sieht er aber auch die Negativspirale, in der sich die Ostdeutschen befinden, und aus der man sich nur sehr schwer befreien könne. Für ihn sind die Leipziger ein Beweis dafür, „wie viel Mentales im Sport ausmacht“. Denn sportlich verfügt Leipzig, an das VfL-Linksaußentalent Tom Koschek im Sommer verliehen wurde, durchaus über gute Spieler. Mit Tomas Mrkva und Domenico Ebner (dessen Wechsel nach Lemgo diese Woche bekannt wurde) hat das Ligaschlusslicht eins der besseren Torhütergespanne der Liga. Auch Marko Marmic zählt Sigurdsson zu den stärksten Defensivspezialisten. Zudem stehen Adam Lönn und Franz Semper für gehobene Qualität. Bester Torschütze mit 57 Toren ist Neuzugang Blaer Hinriksson (24), der auch auf eine Vergangenheit als isländischer Filmschauspieler zurückblicken kann.
Mental fordernd war auch der hart erkämpfte 31:29-Sieg Gummersbachs in Wetzlar. Nachdem es in der 42. Minute wegen eines medizinischen Notfalls im VfL-Fanblock zu einer zehnminütigen Unterbrechung gekommen war, mussten die VfL-Handballer sich anschließend wieder aufs Sportliche fokussieren, was laut Sigurdsson, der nach eigener Aussage solche Vorfälle schon öfter erlebt hat, nicht ganz einfach war: „Zunächst einmal fühlt man mit der betroffenen Person. Auch meine Spieler haben Angehörige unter den Zuschauern. Da ist es nur menschlich, dass dieses Erlebnis erst einmal in deinem Kopf sitzt. Trotzdem will und muss man anschließend wieder Leistung bringen.“
Trotz allem lässt ihn der Auftritt auch aus sportlichen Gründen grübeln. „Wir hätten vieles deutlich besser machen müssen“, nerven ihn die immer wieder neuen Baustellen. Waren es in Lemgo noch die Fehlwürfe, summierten sich in Wetzlar die technischen Fehler. Am Ende habe man sich bei den Torhütern Betram Obling und Dominik Kuzmanovic für den Sieg bedanken müssen, nachdem die zunächst gut arbeitende Abwehr am Ende überhaupt nicht mehr funktioniert habe. „Momentan fehlt mir dieser Biss, in den entscheidenden Momenten mit Mut und unbedingten Willen voranzugehen und sich mit einer 'Ok-Situation' zufriedenzugeben“, so Sigurdsson.
Personell steht hinter Stepan Zeman weiter ein Fragezeichen. Der Tscheche stand nach seiner Verletzung in Lemgo gegen Wetzlar noch nicht wieder zur Verfügung. Inzwischen sei der Kreisläufer zwar wieder leicht ins Mannschaftstraining eingestiegen, man müsse aber die Reaktion seines Fußes abwarten. Für das Match gegen Leipzig gab es am Donnerstag nur noch letzte Restkarten.
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