GUMMERSBACH

Sanierung zu teuer: Ehrenmal am Kerberg soll umziehen

pn; 24.06.2026, 17:00 Uhr
Fotos: Stadt Gummersbach ---- Das baufällige Ehrenmal am Kerberg könnte aufgegeben und nach einem Rückbau der Natur überlassen werden.
GUMMERSBACH

Sanierung zu teuer: Ehrenmal am Kerberg soll umziehen

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pn; 24.06.2026, 17:00 Uhr
Gummersbach – Seit 2022 plant Gummersbach das Ehrenmal zu sanieren, nun soll es nach einem Rückbau der Natur überlassen werden – Eine neue Gedenkstätte soll am Alten Friedhof entstehen.

Von Peter Notbohm

 

Das Ehrenmal am Kerberg, von vielen Bürgern auch Kriegerdenkmal genannt, erinnert an die Gefallenen des Deutsch-Deutschen Krieges von 1866, des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 sowie der beiden Weltkriege. Seit fast sechs Jahren gilt das nicht denkmalgeschützte Ehrenmal als einsturzgefährdet und ist deshalb für die Öffentlichkeit weitgehend durch Bauzäune gesperrt. Pläne von 2022, das ursprünglich 1870 errichtete und von der Industriellenfamilie Steinmüller erweiterte Bauwerk zu sanieren (OA berichtete), wurden aufgrund klammer Kassen immer wieder verschoben.

 

[So sah das Ehrenmal bis 1974 aus. Schon der Abriss des baufälligen Turms sorgte in der damaligen Bevölkerung für viel Kritik.]

 

Nun kommt wieder in Bewegung in das Thema. Gummersbachs Verwaltung will das Ehrenmal aufgeben, in Teilen zurückbauen und die übrigbleibenden Gemäuer der Natur überlassen. Stattdessen soll eine neue Gedenkstätte auf dem Alten Friedhof Gummersbach errichtet werden. Entsprechende Pläne machte Jürgen Hefner, Erster und Technischer Beigeordneter der Stadt Gummersbach, am Dienstag im Stadtentwicklungsausschuss öffentlich.

 

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Zuvor hatten sich Teile der Politik den Zustand des Ehrenmals bei einem Ortstermin angesehen. Hefner berichtete, dass es auf der Ebene, auf der der bereits 1974 zurückgebaute Turm (ebenfalls wegen Baufälligkeit) stand, bereits zu Abbrüchen kam. Auch die Decke sei mittlerweile einsturzgefährdet und nicht mehr verkehrssicher. In einer Machbarkeitsstudie war 2022 geprüft worden, das Ehrenmal in Teilen zu sanieren. Für den Haushalt 2028 sind dafür derzeit Mittel in Höhe von 350.000 Euro vorgesehen.

 

[Risse und abgebrochene Steine prägen das Bauwerk mittlerweile.]

 

Die Schäden sind laut Hefner mittlerweile aber derart groß, dass diese Summe bei weitem nicht mehr ausreichen würde. Die Sanierung der Stützen- und Balkenkonstruktion bezeichnete er als „unbezahlbar“. In einer ersten Grobschätzung geht man im Rathaus inzwischen von Kosten zwischen 800.000 und 1 Million Euro aus. Auch die großen Freitreppen, die nicht mehr verkehrssicher sind, müssten erneuert werden. Aus Hefners Sicht viel Geld für eine Sanierung, „mit der wir eine Situation erzeugen, die langfristig immer wieder gepflegt werden müsste“.

 

[Die Tafeln mit den Namen der Gefallenen mussten 2014 durch minderwertige Aluverbundplatten ersetzt werden, nachdem Unbekannte die Bronze-Tafeln gestohlen hatten. Nur durch einen glücklichen Zufall waren die Namen durch ein Gummersbacher Schulprojekt archiviert gewesen.]

 

Zusätzlich gebe es seit Jahren das Problem, dass sich am Ehrenmal immer wieder unterschiedliche Gruppen treffen würden, die „nicht friedlich mit der Anlage umgegangen sind“, so Hefner. Teilweise sei Feuer im Wald gemacht worden. Gleichzeitig stelle man bei der Stadt fest, dass immer weniger Bürger den Weg zum Ehrenmal suchen würden. Besonders ältere Menschen würden den anstrengenden steilen Aufstieg auf den Kerberg kaum noch bewältigen können.

 

[Gummersbachs Stadtentwicklungsausschuss machte sich mit Jürgen Hefner ein Bild vor Ort.]

 

Auch einen Alternativvorschlag gibt es aus dem Rathaus. Auf dem Alten Friedhof, dem ältesten Friedhof auf Gummersbacher Stadtgebiet, soll eine neue Gedenkstätte errichtet werden. Dafür wurde eine Fläche neben einem Grabfeld mit gefallenen Soldaten aus dem 1. Weltkrieg auserkoren. Auf Stelen aus Corten-Stahl soll gemäß einem ersten Entwurf ein zeitgemäßer, würdevoller Ort des Gedenkens, der das historische Erbe durch eine neue Formensprache ehrt, entstehen.

 

[So stellten sich Planer 2022 ein saniertes Ehrenmal vor.]

 

Die Stadt plant nicht zuletzt wegen des Diebstahls von 2014, als Unbekannte die aus Bronze gegossenen Platten mit den Namen der Gefallenen gestohlen haben, ein Monument, das nicht einfach abmontiert werden kann. Die Kosten hierfür schätzte Hefner auf unter 100.000 Euro. Der alte Standort am Kerberg soll verkehrssicher zurückgebaut werden. Dabei sei es nicht notwendig, das gesamte Ehrenmal abzureißen. Als Idee brachte Hefner eine kleine Gedenktafel am Kerberg ins Spiel, auf der das Ehrenmal in seiner ursprünglichen Form und die Historie dargestellt werden könnten.

 

[So könnte die neue Gedenkstätte am Alten Friedhof aussehen.]

 

Von Gummersbachs Politik wurden die Pläne weitgehend begrüßt. Der Ausschussvorsitzende Karl-Heinz Richter (CDU) sagte, dass seine Fraktion den Zustand des Ehrenmals nicht mehr für tragbar hält. Man könne sich „sehr gut mit dem Gedanken auf dem Alten Friedhof identifizieren“. Auch Joachim Scholz (Grüne) sprach angesichts der „undenkbaren“ Kosten für eine Sanierung von einer guten Idee: „Der Alte Friedhof hat einen historischen Charakter. Da passen Ehrenmale prima hin.“ Die Zustimmung seiner Fraktion signalisierte auch Patrizio Milia (AfD).

 

Fraktionsinternen Beratungsbedarf meldete Oliver Kolken (SPD) an, da man die aktuellen Zahlen erst jetzt erfahren habe. Er könne sich persönlich mit dem Vorschlag der Verwaltung aber aufgrund der besseren Erreichbarkeit und der Vermeidung der Kosten für eine Sanierung „sehr anfreunden“. Ein Beschluss durch Gummersbachs Politik wird es erst in der nächsten Ausschusssitzung geben. Um das Projekt schon im nächsten Haushalt einplanen zu können, erbat sich Hefner von allen Fraktionen aber schon für kommende Woche eine informelle Rückmeldung.

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