GUMMERSBACH
Nick & Co. Cup: Wenn Fußball Herzen bewegt
Gummersbach - Hochklassiger Nachwuchsfußball, internationale Topvereine und bewegende Begegnungen: Der 11. Nick & Co. Cup auf dem Bernberg ist weit mehr als ein Jugendturnier - Zum Auftakt des Turnierwochenendes sorgten dabei vor allem die emotionalen Momente abseits des Spielfelds für Gänsehaut.
Von Michael Kleinjung
Große Namen des Nachwuchsfußballs, packende Spiele und bewegende Begegnungen: Der 11. Nick & Co. Cup auf der Bernberger Sportanlage hat am Donnerstag mit dem U11-Turnier des Jahrgangs 2015 begonnen. Samstag und Sonntag folgen noch die Wettbewerbe der U10 und U9. Besucher dürfen sich dabei nicht nur auf hochklassigen Jugendfußball freuen, sondern vor allem auf ein Turnier, das seit 2011 für schwerkranke Kinder und ihre Familien spielt.
[Haben das Turnier am Vormittag eröffnet: Der SV Bernberg (r.) und der FC Wiedenest Othetal. Sie trennten sich 2:1.]
Schon bei der Begrüßung machte Turnierleiter Daniel Weiß deutlich, worum es an diesem Wochenende geht. „Wir werden heute für besondere Kinder spielen, denen es im Leben nicht so gut geht. Die nicht das Privileg haben, gesund zu sein. Für die wollen wir heute einfach Gas geben“, sagte er vor den Nachwuchskickern. Gleichzeitig rief er die Kinder dazu auf, „einen richtig coolen Tag“ zu erleben und Spaß am Fußball zu haben.
Erstmals war mit Raoul Halding-Hoppenheit auch ein Gummersbacher Bürgermeister beim Nick & Co. Cup zu Gast. „Hier ist die Fußballwelt zu Gast in Gummersbach“, sagte er. Beeindruckt zeigte er sich insbesondere vom ehrenamtlichen Engagement rund um das Turnier. „Über allem steht die gute Sache, nämlich Geld zu sammeln für schwerkranke Kinder und deren Familien. Das ist ein fantastischer Zweck und ein tolles Beispiel für gesellschaftlichen Zusammenhalt.“
Für Initiatorin Bettina Hühn von der Ursula-Barth-Stiftung hat der Cup auch nach elf Auflagen nichts von seiner Bedeutung verloren. „Der 11. Nick & Co. Cup ist genauso wichtig wie der erste“, betonte sie. Die Botschaft sei immer dieselbe: „Wir möchten zeigen, wie privilegiert gesunde Kinder sind. Wenn nächste Woche nur ein Kind seinem Mitschüler im Rollstuhl die Tür aufhält, dann haben wir unseren Auftrag erfüllt.“
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[Großer Jubel bei den Nachwuchskickern des VfL Bochum: Nach dem Finalsieg nahmen sie bei der Siegerehrung den Siegerpokal des U11-Turniers entgegen. (Bild oben) und im Endspiel setzten sie sich mit 2:1 gegen Borussia Mönchengladbach durch und sicherte sich den Turniersieg (Bild unten).]
Wie wichtig die Unterstützung der Stiftung für betroffene Familien ist, wurde im Laufe des Tages deutlich. Jessika, Mutter der beiden Mädchen Ida und Jana, berichtete von einer Spendenaktion, durch die ihre Familie einen dringend benötigten behindertengerechten Bus anschaffen konnte. Beide Kinder leben mit einer Cerebralparese. „Die beiden sind schlau und fröhlich und freuen sich über das Leben“, erzählte die Mutter. „Sie brauchen Hilfe beim Laufen, aber wir haben wirklich viel Glück gehabt. Es geht immer schlimmer. Sie können reden, sich verständigen und sind glückliche Kinder.“
Auch Maren Heiming kam mit ihrem Sohn Lars und seiner kleinen Schwester Cia zum Turnier. Der Vierjährige lebt mit spinaler Muskelatrophie (SMA), einer seltenen erblich bedingten Muskelerkrankung. Die Ursula-Barth-Stiftung unterstützte die Familie bereits bei einer Therapie und bei der Anschaffung eines Trainingsgeräts. „Seitdem kennen wir die Stiftung und kommen jedes Jahr gerne zum Nick & Co. Cup“, erzählte sie.
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[Jessika mit ihren Töchtern Ida und Jana, die beide mit einer Cerebralparese leben. (Bild oben). Maren Heiming besuchte den Nick & Co. Cup gemeinsam mit ihrem Sohn Lars und Töchterchen Cia (Bild unten). Die Familien werden seit mehreren Jahren von der Ursula-Barth-Stiftung unterstützt.]
Der emotionalste Moment des Tages folgte traditionell vor der Siegerehrung. Beim „Moment der Ehre“ wurden die betroffenen Kinder unter großem Applaus auf den Platz begleitet. Bettina Hühn erinnerte daran, wie belastend der Alltag vieler Familien sei. „Wir möchten für Sichtbarkeit sorgen. Viele Menschen sehen ein schwerkrankes Kind, aber was es wirklich bedeutet, jeden Tag mit dieser Situation zu leben, das wissen nur die betroffenen Eltern.“
Besonders bewegend wurde es, als sie das Turnier der verstorbenen Sevil widmete, die über viele Jahre von der Initiative begleitet wurde. „Sie hatte ursprünglich nur eine Prognose von zehn bis zwölf Monaten. Daraus wurden noch sechseinhalb Jahre“, erinnerte sich Hühn. Die anschließend gestarteten Ballons bezeichnete sie als „Himmelsgruß“ an die verstorbenen Kinder. „Ich finde den Gedanken schön, dass sie dort oben auf ihrer Wolke sitzt und mit den anderen Kindern mitfeiert.“
[Bei der Siegerehrung wurden auch individuelle Leistungen gewürdigt: Ausgezeichnet wurden der beste Torschütze (li.) des Turniers sowie der beste Torwart.]
Auch sportlich bot das Turnier zahlreiche Höhepunkte. Im Finale setzte sich der VfL Bochum mit 2:1 gegen Borussia Mönchengladbach durch. Die Gladbacher hatten in einer spannenden Schlussphase noch einmal alles versucht, konnten den Ausgleich jedoch nicht mehr erzielen. Dritter wurde Fortuna Düsseldorf vor dem 1. FC Köln. Als beste oberbergische Mannschaft erreichte der SV Bernberg einen starken siebten Platz. Der SV Frömmersbach belegte Rang neun, der FC Wiedenest-Othetal wurde Zehnter.
Der Nick & Co. Cup wird am Samstag mit dem U10-Turnier und am Sonntag mit dem U9-Wettbewerb fortgesetzt. Wer die besondere Atmosphäre auf dem Bernberg erleben möchte, hat dazu an beiden Tagen noch Gelegenheit.
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