GUMMERSBACH
Vom Abschied zur Premiere: Open-Air-Konzert im Baumhof
Gummersbach - Großer Besucherandrang beim „CH 22“-Konzert zum Abschied von der Gummersbacher Kultkneipe „Im Baumhof“.
Von Astrid Deckers
Vor genau 28 Jahren wurde im Baumhof die Idee zur Gründung einer Band geboren. Drei Krankenpfleger und ein Logopäde gründeten dort die „CH 22“-Covergruppe. Stefan Günther (Gesang) und Wolfgang Behnke (Lead-Gitarre) sind beide Gründungsmitglieder und erinnern sich gerne an die vielen Momente, in denen der Baumhof eine Rolle spielte, zurück. Was lag da näher als zum Ende des Gastronomiebetriebs ein allerletztes Konzert dort zu veranstalten? Schnell wurde aus der Überlegung Realität und damit es nicht nur wie ihr „normaler“ Saison-Opener im Februar eines Jahres ist, sollte es etwas ganz Besonderes werden. Ein Konzert unter freiem Himmel vor dem Baumhof und nicht in den Räumlichkeiten der Gastronomie, die zu ihrem zweiten Wohnzimmer geworden sind, sollte es sein. Sehr zur Freude von Anke Seltrecht, die den Baumhof noch bis zum 15. August betreibt (OA berichtete), wurde aus dem Abschied zugleich eine Premiere, denn ein Outdoor-Konzert hatte es bis Samstag nie gegeben.
Jede Menge „Spaß an der Backe“ hatten Anke und Stefan beim gemeinsamen Intonieren von Songs im Publikum.
Gitarrist Carsten Hoffmann, seit 25 Jahren Bandmitglied, schildert die besondere Beziehung der Band zu Wirtin Anke und deren Verbundenheit mit „CH 22“. Die Bodenständigkeit, aber auch die Verbundenheit zum Feiern habe von Beginn an das Verhältnis geprägt. Sänger Stefan Günther ergänzt, dass mit „Highway to Hell“, „Smoke on the Water“ und dem „Time Warp“ aus der Rocky Horror Picture Show bis heute Songs der allerersten Auftritte der Band auf der Setliste stehen. Seltrecht mag besonders die deutschen Coversongs der Band, schätzt die Mitglieder jedoch wegen ihrer absoluten Hilfsbereitschaft. Das Open-Air-Konzert am Samstag sei für sie nicht nur eine Premiere, sondern auch von der Publikumsresonanz mehr als überwältigend, sagte die Betreiberin zu Beginn des Events.
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[Julian, Levi, Leonie und Joshua bewiesen Textkenntnisse auch bei Liedern die weit vor ihrer Geburt Chartstürmer waren.]
Bereits nach den ersten Liedern wie „Schickeria“ der Spider Murphy Gang, dass die sechs Musiker in den „Baumhof-Song“ umgewandelt hatten, und dem Clash-Lied „Should I stay or should I go“ wurde deutlich, dass dies kein klassischer „CH 22“-Auftritt werden würde. So forderte Sänger Stefan Günther die Zuschauer auf, die vorne stehenden Tische, an denen Gäste saßen, zur Seite zu räumen, um den Stehplatz-Besuchern am Rande des Geländes Platz vor der Bühne zu verschaffen. Gewohnt publikumsnah präsentierte sich Günther dennoch oder gerade deswegen, indem er mehrere Runden durch die Zuschauer drehte und diese in das Geschehen auf der Bühne einbezog.
Dass sowohl die Band als auch die Gastronomin nicht mit einem derartigen Publikumsandrang gerechnet hatten, zeigte sich unter anderem bei der Getränkeversorgung. Die wenigen Kellner gaben ihr Bestes, um die unerwartet hohe Anzahl an Besuchern zeitnah mit Getränken zu versorgen, konnten jedoch auch eine Schlangenbildung vor der Zapftheke nicht verhindern.
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[Ob am Tisch sitzend, im Publikum stehend oder beim Tanzen vor der Bühne, jeder feierte nach eigener Lust und Laune den letzten Auftritt von „CH 22“ im Baumhof.]
Ihr hohes Maß an Professionalität bewiesen auch die Musiker. So erwies sich ihre Tonanlage als vermutlich zu klein für die von den Zuschauern gefüllte Fläche. Im hinteren Teil konnte man gesprochene Worte Günthers kaum verstehen und während sich die Instrumentalmusik deutlich hörbar präsentierte, kam der Gesang nicht im gewohnten Volumen und Klang herüber. Mit zunehmender Dunkelheit und im letzten Konzertdrittel, gelang es „CH 22“ dennoch, das Publikum in gewohnter Manier mitzunehmen und die Stimmung aufzuheizen. Mit Liedern wie „Kompliment“ von den Sportfreunden Stiller holten sie auch den letzten Zuhörer ab.
Levi Günther, Sohn des Leadsängers und selbst Schlagzeuger, fasste die großartige Leistung seines Vaters und dessen Bandfreunden, denn auch so zusammen: „Ich bewundere, wie sie es schaffen, über so lange Jahre die Menschen mitzunehmen. Ihnen eine gute Zeit zu verschaffen, ob groß oder klein, alle gehen gut gelaunt nach Hause, das ist absolut beeindruckend.“ Schade, dass es keine Wiederholung geben wird, bei der die Erfahrungen dieser Premiere ausgewertet und evaluiert werden können. Verdient hätten es beide: „CH 22“ und Anke Seltrecht.

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