FUSSBALL
Nah dran am Titel: Bernd Hannes kehrt als Vize-Weltmeister zurück
Oberberg – Die deutsche Ü70-Nationalmannschaft mit dem Denklinger Bernd Hannes musste sich bei der WM in Australien erst im Finale dem amtierenden Champion Wales geschlagen geben – Muskuläre Probleme hätten dem 74-Jährigen beinahe einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Am Telefon klingt Bernd Hannes etwas verschnupft. Aber nicht, weil er mit der deutschen Ü70-Nationalmannschaft bei den Weltmeisterschaften in Australien schlecht abgeschnitten hat. Der Grund ist eine Erkältung, die ihn seit dem Wochenende plagt. „Wahrscheinlich wegen der Klimaanlagen dort“, vermutet der Fußballer.
[Bernd Hannes gratulierte den Walisern zum Finalerfolg.]
Aus sportlicher Sicht liefen die Titelkämpfe in Cleveland bei Brisbane an der Ostküste des fünften Kontinents nämlich außergewöhnlich gut: Das deutsche Team gewann alle Partien der Vor- und Zwischenrunde und musste sich erst im Endspiel dem amtierenden Champion Wales geschlagen geben, kehrte somit am frühen Montagmorgen als Vizeweltmeister aus „Down Under“ zurück. „Mit dem Abschneiden sind wir sehr zufrieden. Wir haben vom Podium geträumt, am Ende ist es Platz zwei geworden. Für die Mannschaft und mich hat die WM ein gutes Ende genommen“, blickt der Denklinger auf ereignisreiche Tage zurück.
Vor dem eigentlichen Wettbewerbsstart absolvierten die Deutschen noch ein Testspiel gegen eine australische Auswahl. Hannes spielte von Beginn an, doch schon nach wenigen Minuten verspürte er ein Ziehen in der Muskulatur. „Ich habe direkt gesagt, dass ich runtermuss, auch aus Angst, noch mehr kaputtzumachen“, hing die WM-Teilnahme plötzlich am seidenen Faden. Anschließend war für den 74-Jährigen viel Regeneration und Pflege angesagt, zusätzlich befand er sich fast ständig in der Obhut der mitgereisten Physiotherapeuten.
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[Die deutsche Mannschaft wird von Stefan Stuckenberg und Marek Wanik trainiert.]
Bei den Spielen an den ersten beiden Wettkampftagen musste er zwar zuschauen, doch nach dem Ruhetag am vergangenen Mittwoch durfte er endlich aktiv ins Geschehen eingreifen und stand später im Endspiel in der Startformation. Dort blieb es lange beim 0:0, Hannes zielte in der ersten Halbzeit einmal ans Außennetz und verpasste damit seinen ersten WM-Treffer. In der zweiten Hälfte nutzte der Gegner einen Handelfmeter zur Führung. Trotz aller Bemühungen schaffte Deutschland den Ausgleich nicht mehr, sodass der Titel erneut nach Wales wanderte.
Hannes zeigt sich als fairer Verlierer: „Wales ist sehr gut besetzt und spielt mit viel Tempo. Zusammen mit Australien Gold und uns waren sie die stärkste Mannschaft bei dem Turnier. Diese drei Teams haben sich auf Augenhöhe bewegt“, erklärt der Kicker des RS 19 Waldbröl. Dass es nicht zum ganz großen Wurf gereicht hat, löst bei ihm keine Enttäuschung aus. „Ich bin sehr froh, dass wir Silber um den Hals hängen haben. Nach unserem vorletzten Platz in Tokio im letzten Jahr haben wir uns viel besser präsentiert. Das war das Ziel der gesamten Mannschaft und auch meine persönliche Motivation“, so Hannes.
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[Trotz des straffen Spielplans blieb noch Zeit für einen Strandspaziergang an der "Gold Coast" vor der Skyline von Brisbane.]
Übrigens verpasste die Ü70 – neben Hannes spielt dort mit Peter Siebert (früher TuRa Dieringhausen) ein weiterer Akteur oberbergischer Herkunft – einen deutschen Dreifach-Triumph. In den beiden anderen Altersklassen (Ü75 und Ü80), die parallel ihre neuen Titelträger ermittelten, behielten die schwarz-rot-goldenen Teams die Oberhand. Für Außenstehende verwirrend: In Australien war eine weitere deutsche Equipe am Start, die sich aus Spielern des Vereins „Fußball 70plus Deutschland“ zusammensetzt. Sie wurden am Ende Vierter (Ü70) bzw. Zweiter (Ü75). Dass verschiedene Mannschaften aus einer Nation zur WM, ist nicht ungewöhnlich. Bei der Ü70 waren zum Beispiel vier Teams aus den USA dabei.
Trotz Verletzung und dichtem Spielplan konnte Bernd Hannes auch das australische Flair genießen. Das Hotel befand sich direkt im Zentrum von Brisbane, der Hauptstadt des Bundesstaats Queensland. „Ich habe viele schöne Momente erlebt“, zählt Hannes unter anderem die Sightseeing-Touren in der Metropole und den Ausflug an den Strand der „Gold Coast“ auf.
Seit Montag ist er zurück im Kreise der Familie. Mit seiner Frau wird er in den kommenden Monaten besprechen, ob für ihn die Reise in den Ü-Nationalmannschaften weitergeht. „Ich kann mir alles vorstellen, werde jetzt aber erst einmal abwarten. Man darf nicht vergessen, dass damit auch viele Entbehrungen zusammenhängen, weil ziemlich viel auf den Fußball ausgerichtet ist“, erklärt Hannes. Neun Monate lang hatte sich die deutsche Nationalmannschaft vorbereitet, der Kader bestritt diverse Testspiele und Lehrgänge sowie zwei Trainingslager. Die nächste Weltmeisterschaft findet 2027 in Dallas im US-Bundesstaat Texas statt.
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[Das Trikot "seines" RS 19 Waldbröl hatte Bernd Hannes genauso im Gepäck wie die Schienbeinschoner seines Enkels Florian, die er bei jedem Spiel trug.]