FUSSBALL
Kleiner Kader, großer Charakter
Wiehl – Die U19 des FV Wiehl kehrt nach zwei Jahren in die Mittelrheinliga zurück – OA im Gespräch mit dem scheidenden Coach Jerome Casper über den Aufstieg trotz personeller Einschränkungen und die Meilensteine der Saison.
Die A-Junioren des FV Wiehl spielen in der kommenden Saison wieder in der höchsten Verbandsspielklasse. Mit einem 3:0-Sieg gegen Ford Niehl am vorletzten Spieltag beseitigte die Mannschaft von Jerome Casper und Marek Lesniak die letzten Zweifel am Titelgewinn in der Bezirksliga. Vor der letzten Partie gegen den SC Uckerath erhielten die Wiehler die begehrte Trophäe. „Ich freue mich einfach sehr für die Jungs. Bezirksliga-Meister zu werden, ist etwas, woran sie sich ein Leben lang erinnern werden. Der Aufstieg ist absolut verdient“, sagt Jerome Casper.
Der Weg zum Triumph war steinig. Im vergangenen Sommer hatten die Wiehler im Rennen um Platz eins dem FC Rheinsüd Köln den Vortritt lassen müssen, waren aber fest davon ausgegangen, dass sie an den Qualifikationsspielen zur Mittelrheinliga teilnehmen. Doch dann gab es den großen Schock: Lediglich der Vizemeister der anderen Bezirksliga-Staffel wurde für die Quali zugelassen.
Der verpasste Aufstieg erschwerte die Personalplanungen. Einige Transfers platzten deshalb, sodass die Wiehler U19 mit einem kleinen Kader in die neue Spielzeit startete. Casper war von Beginn an klar, dass das Aufgebot zwar viel Qualität besitzt, aber auf Kante genäht ist. Trotz der dünnen Spielerdecke und daraus resultierender Einschränkungen im Trainingsbetrieb stand man nach dem Ende der Hinrunde im Klassement ganz oben.
Der scherzhafte Spruch „Kaum trainiert, alles rasiert“ auf den von Spieler Karl Krieger entworfenen Aufstiegs-T-Shirts ist nicht völlig aus der Luft gegriffen, wobei Casper hervorhebt: „Die erste Elf war zu 95 Prozent immer beim Training und hat immer Gas gegeben.“ Auf wichtige Unterstützung konnte das Trainergespann aus der U17 bauen. Zudem seien Faktoren wie Mentalität und Willen ausschlaggebend für den Erfolg gewesen. „Ich will nicht sagen, dass der Zusammenhalt in der Saison davor nicht gut war, aber in diesem Jahr war das einfach überragend“, betont Casper.
Vor allem in einem entscheidenden Moment habe das Team Charakter gezeigt. Zu Beginn der Rückrunde verlor Wiehl das von vielen Emotionen und strittigen Schiedsrichterentscheidungen geprägte Derby gegen Untereschbach. Eine Niederlage, die nicht einfach zu verdauen war. Eine Woche später stand das Gipfeltreffen gegen Fortuna Bonn auf dem Programm. Bei einer weiteren Pleite wäre der Vorsprung auf einen Zähler zusammengeschmolzen.
„Aber die Jungs haben es geschafft, die beste Saisonleistung abzurufen und mit 3:1 zu gewinnen. In dem Spiel haben wir auch gezeigt, dass wir die beste Mannschaft der Liga sind“, so der Coach. In der Folge der Partie gegen den ärgsten Verfolger blieb Wiehl ungeschlagen (acht Siege und ein Remis) und setzte sich am Ende die Krone auf - auch ein schöner Abschluss für Jerome Casper, der künftig die Mittelrheinliga-U17 des Bonner SC trainieren wird. „Ich hatte zwei schöne Jahre in Wiehl. Das Umfeld war super und ich habe viel gelernt.“ Seinen ehemaligen Schützlingen wird er künftig aus der Ferne die Daumen drücken. „Ich bin überzeugt, dass die Mannschaft genügend Qualität besitzt, um in der Mittelrheinliga zu bleiben.“