FUSSBALL
„Wir wussten, dass wir etwas verändern müssen“
Wiehl - Nach einem katastrophalen Saisonstart hat der Landesligist FV Wiehl im weiteren Verlauf der Hinrunde die Kurve bekommen und sich auf einen Nichtabstiegsplatz vorgearbeitet - OA blickt im Gespräch mit Trainer Sascha Mühlmann auf das wechselhafte Halbjahr zurück.
Als der FV Wiehl gegen den SSV Homburg-Nümbrecht nach dem Ausgleich zum 2:2 in der Nachspielzeit im weiteren Verlauf des Zugabenteils noch zwei Gegentreffer kassierte, sank die Stimmung beim Landesligisten endgültig in den Keller. Die Pleite im Lokalderby vor rund 1.000 Zuschauern war die sechste Niederlage im sechsten Ligaspiel, aber zugleich auch so etwas wie der Wendepunkt in einer bis dahin katastrophal verlaufenen Hinrunde.
Eine Woche später gegen den TuS Marialinden lag die Mannschaft von Sascha Mühlmann mit 2:0 vorne und hätte deutlicher führen können, ehe die Gäste aus dem Rheinisch-Bergischen noch egalisieren konnten. Doch immerhin: der erste konkrete Vermerk auf der Habenseite war in Stein gemeißelt. Der Befreiungsschlag gelang den FV-Kickern im anschließenden Auswärtsmatch in Schlebusch, das sie mit 4:0 für sich entschieden. Danach arbeitete sich Wiehl Stück für Stück aus der roten Zone, verlor in der zweiten Hälfte der Hinserie nur noch gegen Herbstmeister Neunkirchen-Seelscheid sowie zum Jahresabschluss bei dessen ärgstem Verfolger Brauweiler.
Der Fehlstart in die Spielzeit lasse sich nicht an einer einzigen Problematik festmachen, sagt Mühlmann in der Rückschau. Als Hauptdefizit habe sich erwiesen, dass die Sommervorbereitung in der entscheidenden Phase durch urlaubs- und verletzungsbedingte Abwesenheiten empfindlich gestört worden sei. „Die Trainingsarbeit und -intensität war zwei, drei Wochen richtig schlecht“, so der Coach. Für zusätzlichen Verdruss sorgte das peinliche Erstrundenaus im FVM-Pokal gegen den A-Ligisten Scherpenseel-Grotenrath.
Daraufhin schlitterte die Mannschaft in eine Negativspirale. „Wir waren nicht richtig fit, nicht richtig eingespielt und haben auf dem Platz nicht die richtige Einstellung gezeigt“, habe laut Mühlmann eine Mischung aus mehreren Faktoren zu dem Leistungsloch geführt. „Es hat einfach seine Zeit gebraucht, bis wir in die Spur gefunden haben. Wir haben dann nochmal so eine Art zweiwöchige Vorbereitung eingelegt, alles auf null gestellt. Wir wussten, dass wir etwas verändern müssen“, erläutert der Übungsleiter.
Deutlich stabiler traten die Wiehler nach einer taktischen Veränderung hin zu einem System mit Fünferkette auf, die sich einstellenden Erfolgserlebnisse taten ihr Übriges, dass die Formkurve in den Plusbereich gesteigert wurde. Ganz wichtig aus Sicht von Mühlmann: Die Verantwortlichen im Klub verfielen während der anfänglichen Krise nicht in Aktionismus. „Das muss ich dem Verein hoch anrechnen. Ich hatte nie das Gefühl, dass mein Stuhl wackelt. Im Gegenteil: Der Vorstand hat nie am Trainerteam gezweifelt und immer gesagt, dass er hinter uns steht und wir die Situation gemeinsam meistern.“
Die Rückendeckung in schwierigen Zeiten hat sich ausgezahlt, wenngleich die Lage weiterhin angespannt ist und es wahrscheinlich bis zum Saisonende bleibt, so eng, wie sich das Rennen um den Klassenerhalt in der Landesliga erneut abzeichnet. Hochgerechnet werden die 15 Zähler, die Wiehl aktuell auf dem Konto hat, vermutlich nicht zum Ligaverbleib reichen. Aber: Die Mühlmann-Elf hat ihr Schicksal wieder selbst in der Hand. Danach sah es Anfang Oktober nicht aus.
Wegweisend dürften gleich die ersten beiden Begegnungen nach Wiederaufnahme des Spielbetriebs sein. Dann trifft Wiehl auf die direkten Mitkonkurrenten Fortuna Bonn und Spich. „Das könnten schon zwei Gamechanger für die Rückrunde sein. Da müssen wir topfit und vom Kopf her da sein“, weiß der Trainer um die Bedeutung der Partien.
Die Vorbereitung auf die Rückrunde beginnt am 13. Januar. Mühlmann hofft, dass jahreszeitbedingte Störungen des Trainingsbetriebs ausbleiben. Die Wettervorhersagen verheißen indes nichts Gutes.
Die personelle Lage stellt sich recht komfortabel dar, mit Louis Usko und Niclas Zeder wird ein langzeitverletztes Duo zurückerwartet. Nicht mehr zum Aufgebot gehören dagegen Jan Krieger (Wechsel zum RS 19 Waldbröl) sowie Moritz Müller und Dogukan Bülbül, die sich beide mit noch unbekanntem Ziel abgemeldet haben. Ob sich Winter-Neuzugänge hinzugesellen, entscheidet sich im Januar. Akuter Handlungsbedarf existiert nicht, zumal ein Trio aus der eigenen U19 - Yasin Tarikus, Elias Butzmuehlen und Yüksel Özkan - vermehrt Einsatzzeiten erhalten soll.
