ENGELSKIRCHEN
Der Häuptling hinterlässt große Fußstapfen
Engelskirchen - Auf der Jahresdienstbesprechung der Feuerwehr Engelskirchen stand der Abschied von Wehrführer Thomas Krimmel im Mittelpunkt – Zwischenzeitlich ging wegen Gewitter-Einsätzen zweimal der Alarm los - Neuer Wehrführung vereidigt.
Von Michael Gauger
Bei der Jahresdienstbesprechung der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Engelskirchen ließ Wehrführer Thomas Krimmel am Freitagabend unter anderem das Jahr 2025 Revue passieren. Zunächst jedoch begrüßte er in der Mensa des Schulzentrums Walbach die anwesenden Mitglieder der Feuerwehr, sowie die zahlreichen Gäste aus Rat und Politik. Darunter die beiden Bezirksbeamten Nick Schiffarth und Sven Larfeld sowie die Altbürgermeister Wolfgang Oberbüscher und Dr. Gero Karthaus, der bekanntlich bis September 2025 sein Amt noch innehatte. Aber auch seine Familie und gute Freunde wohnten der letzten Versammlung unter seiner Führung bei. Aufgrund der leicht angeschlagenen Stimme eilte zwischendurch das Enkelkind über die Bühne und brachte dem Opa ein Hustenbonbon.
[Thomas Krimmel hatte zur letzten Besprechung unter seiner Leitung geladen.]
Zu etlichen Hilfeleistungen und Bränden waren die insgesamt 168 (2024: ebenfalls 168) aktiven Kameradinnen und Kameraden der vier Einheiten im Vorjahr ausgerückt. In einer bebilderten Präsentation ging er auf einige markante Einsätze ein, wie etwa in Loope, wo ein Auto im Stausee landete und Kameraden nicht zögerten, hinterherzuspringen. Insgesamt 252-mal (Vorjahr: 236) rückten die Fahrzeuge aus, darunter 100 Brandalarme (Vorjahr: 70), was eine deutlich Steigerung bedeutet. Allein 52-mal waren es bestimmungsgemäß ausgelöste Brandmeldeanlagen oder Heimrauchmelder.
Auch die Zahl der technischen Hilfeleistungen erhöhte sich gegenüber 2024 um 18 Einsätze, hier wurde 152-mal Hilfe geleistet. Erschreckend hoch war hier die Anzahl schwerer Verkehrsunfälle (14), gefolgt von 19 Türöffnungen für den Rettungsdienst und 16 Ölspuren. 32-mal hatte man die Motorsägen angeworfen, weil Bäume umgestürzt waren. Wie effektiv gearbeitet wurde, zeigten im Gegensatz die angefallenen Einsatzstunden, die von 3.606 auf 3.518 zurückgegangen seien. Mit Besprechungen, Ausbildungen, der Kinder- und Jugendfeuerwehr sowie den Arbeitsdiensten als größtem Posten (8.223 Stunden), lag der Aufwand am Ende bei 20.717 Stunden (Vorjahr: 25.304). Ein Grund für den Rückgang: Bei der Jugendfeuerwehr wurden weniger Dienststunden durchgeführt.
Ein Manko, das Vivian Beckmann, die im Namen der Jugendfeuerwehr berichtete, erneut ansprach. Man hoffe stark auf die Unterstützung der Aktiven, sagte sie, denn wichtiges Wissen sollte unbedingt an den Nachwuchs weitervermittelt werden. Mit abwechslungsreichen Diensten, einem Berufsfeuerwehrtag und der Weihnachtsbaumsammelaktion zu Jahresbeginn war der Kalender für den Nachwuchs gut gefüllt. Weiterhin gab sie einen kurzen Ausblick auf die Zukunft, steht doch in Kürze das jährliche Zeltlager in Wiehl an.
Die Ausbildung in Kreisen der Wehr hatte zuvor noch der stellvertretende Leiter, Guido Lemmer, unter die Lupe genommen. Während mit zahlreichen Übungen und Truppmannausbildungen (seit vielen Jahren gemeinsam mit der Gemeinde Lindlar) weiterhin ein erfolgreiches Konzept gefahren wurde, waren Kreislehrgänge nur zu 66 Prozent belegt. Marian Smolarek berichtete über die erfolgreiche Arbeit der Kinderfeuerwehr. Dank des großen Engagements von Krimmel und einem Sponsors sind die „Löschengel“ seit letztem Jahr mit einer kompletten Uniform ausgestattet. Über 40 Kinder befinden sich in der Warteschlange, was das große Interesse an der Kinderfeuerwehr belegt.
[Kreisbrandmeister Julian Seeger lobte das Engagement der Truppe und zeichnete den scheidenden Leiter aus.]
Bürgermeister Lukas Miebach hatte sich in den ersten Monaten seiner Amtszeit bereits ein umfangreiches Bild der Gemeindewehr gemacht und resümierte: „Ich habe in Sachen Feuerwehr noch viel zu lernen, aber an einer starken Feuerwehr erkennt man eine starke Gemeinde. Feuerwehr bedeutet Verantwortung, Verlässlichkeit und gelebte Solidarität.“
Kreisbrandmeister Julian Seeger wies unter anderem auf die gestiegene Notwendigkeit des Zivilschutzes hin, denn nicht nur Schlechtwetterereignisse haben zuletzt zugenommen, sondern auch Angriffe auf kritische Infrastruktur. Er freute sich, dass man sich technisch stets weiterentwickelt, und stellte einige Neuanschaffungen im Kreis vor, wie die aktuellen Fahrzeuge in Marienheide oder das Löschunterstützungsfahrzeug (LUF60) mit Kettenfahrwerk in Waldbröl.
Mit der Deutschen Feuerwehr-Ehrenmedaille des Feuerwehrverbands zeichnete Krimmel Dr. Gero Karthaus aus. „Dies ist die höchste Auszeichnung für Personen, die nicht aktiv der Feuerwehr angehören“, lobte der Wehrführer das Wirken von Karthaus während der gemeinsamen Zeit im Rathaus. „Man war zwar nicht immer einer Meinung, ging aber später stets mit einer vernünftigen Einigung auseinander." Etliche große Investitionen für Fahrzeuge und Modernisierungen der Gerätehäuser gehen auf die Zusammenarbeit der beiden zurück.
Dann hielt die Aktualität Einzug: Aufgrund eines starken Gewitterschauer schrillten plötzlich die Melder, so dass Fahrzeuge der Einheit Engelskirchen auf die Autobahn bzw. nach Bickenbach eilten, um dort abgebrochene Äste und umgestürzte Bäume zu entfernen.
[Das Schlusswort des Abends gehörte nach dem Führungswechsel Jörg Timmermann.]
Später wurden zahlreiche Ehrungen durchgeführt. Das Ehrenkreuz in Bronze erhielten Domenik Olbrisch und Hans Peter Valdor, Franz Willi Speck die Bandschnalle in Gold für 30-jährige Musikförderung. Nach getaner Arbeit hieß es für Thomas Krimmel dann, Abschied zu nehmen - zumindest vom Posten des Leiters der Feuerwehr. Er hatte sich entschieden, kein weiteres Mal anzutreten. „Ein Häuptling ist nur so gut wie seine Indianer“, hatte er einmal gesagt, um seine Mannschaft wertzuschätzen. Seit 2014 trug Krimmel die Verantwortung für die Engelskirchener Wehr, zuvor war sieben Jahre lang als stellvertretender Leiter tätig.
Nun wird mit Brandoberinspektor Jörg Timmermann, der zusammen mit Brandinspektor Marc Schwamborn als Stellvertreter von Bürgermeister Lukas Miebach ernannt wurde, sowie Guido Lemmer eine neue Wehrführung die Geschicke leiten. Mit stehenden Ovationen dankten die Anwesenden ihrem „Chef“ für die geleistete Arbeit in den vergangenen Jahren. Krimmel („Macht es mir nicht so schwer“) wollte den Abschied schnell hinter sich bringen, hatte die Rechnung aber ohne den Kreisbrandmeister gemacht, der ihm eine sehr persönlichen Laudatio widmete und das Deutsche Ehrenkreuz in Gold verlieh - die höchste Auszeichnung des Feuerwehrverbandes. Aus den Einheiten erhielt er einen Reisegutschein für sich und Gattin Simone, Hans Peter Valdor einen „Notfallrucksack“ für die nächste Wandertour.
[Verleihung des Deutschen Ehrenkreuz in Gold vom Deutschen Feuerwehrverband.]
Das Schlusswort übernahm Jörg Timmermann als frischgebackener Gemeindebrandinspektor . Er kündigte an, dass diverse Aufgaben künftig neu verteilt werden, damit die Fußstapfen seines Vorgängers für ihn allein nicht ganz so groß ausfallen. Timmermann hatte viele Jahre die Leitung der Feuerwehreinsatzleitung inne, die nun auf Manuel Zarges und Jerom Prange übergeht. Nach fast vier Stunden gab es für die Teilnehmer und Gäste der Jahresdienstbesprechung einen leckeren Imbiss und ein lockeres Miteinander.
Liste der Aufnahmen, Beförderungen, Überstellungen und Ehrungen

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