ENGELSKIRCHEN
„Mach 'ne Zeichnung – ich bin dabei“
Engelskirchen – Ein doppeltes Jubiläum wurde im Rahmen einer Feierstunde gefeiert: Das Engelmuseum besteht seit zehn Jahren und der Engelverein hat seine Tätigkeit vor 15 Jahren aufgenommen.
Von Astrid Deckers
Gleich zwei besondere Anlässe wurden im Rahmen einer Feierstunde am Sonntag in Engelskirchen von Mitgliedern, Freunden und Unterstützern gebührend gewürdigt: zehn Jahre Engel-Museum und 15 Jahre Engelverein. Der 1. Vorsitzende des Engelvereins, Ralf Rother, schilderte in seiner Begrüßungsansprache unterhaltsam und eindrucksvoll die Entstehungsgeschichte von Verein und Museum. Dabei ging er auf die Ursprünge der „Engelsproduktion“ in der damaligen Hauptschule Ründeroth ebenso ein, wie auf die zwischenzeitlich gemieteten Lagerhallen für die sich sammelnden Exponate.
Im Januar 2010 wurde der Engelverein gegründet und mit der Unterzeichnung einer Übergabevereinbarung am 11. Juli 2010 über mehrere tausend Stücke, die ein privater Sammler zusammengetragen hatte, wuchs die Anzahl an Engeln um eine enorme Anzahl. Die Inventarisierung des vorhandenen Bestands durch zwei Studenten aus Leipzig machte zum damaligen Zeitpunkt deutlich, dass ein eigenes Museum das nächste große Vereinsziel sein sollte.
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[Lisa (li.) und Lena bereiteten den Gästen ein himmlisches „Willkommen“.]
Von der Gemeinde Engelskirchen wurde die „alte Schlosserei“ günstig an den Verein vermietet, musste dieser für die Sanierung des Gebäudes doch knapp 45.000 Euro aus Vereinsmitteln investieren. Nachdem dieses Unterfangen erfolgreich abgeschlossen war, konnte das Museum am 19. November 2015 eröffnet werden. Im März 2023 ergab sich für den Verein kurzfristig eine Möglichkeit nicht abgerufene Fördermittel zu erhalten, wenn das damit einhergehende Bauprojekt bis November 2023 abgeschlossen sei. Voller Elan stürzten sich die damaligen Vorstandsmitglieder, unter anderem auch Rother in dieses ehrgeizige Vorhaben und schafften es tatsächlich. Mit einer Mischung aus „LEADER“- Förderung, privaten Sponsoren und Bürgerstiftungen präsentiert sich das Museum seitdem als Mischung aus Kulturzentrum und Museum und erfreut sich als vierte Standesamt Location Engelskirchens großer Beliebtheit. Doch Rother blieb nicht beim Rückblick, sondern kündigte auch die nächsten Vorhaben an. So sollen mehr Vorträge im Museum angeboten werden und künftig auch ein Audio-Guide allen Besuchern zur Verfügung gestellt werden.
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[Ralf Rother und sein Vorgänger Hans-Jürgen Ott stoßen auf ihre Zeit als Vorsitzende des Engelvereins an.]
Bürgermeister Lukas Miebach überbrachte Glückwünsche aus Politik und Verwaltung und führte aus: „Wahnsinn – was für eine Leistung von Ralf und seinem Team. In so kurzer Zeit einen derartigen Museumsbetrieb zu schaffen. Ohne diese Akteure hätte alles niemals so funktioniert. Der Engelsverein und sein Museum haben Engelskirchen als Marke geprägt. Nicht nur das Christkind, auch der Engelsverein gewährleisten das positive Ansehen der Gemeinde Engelskirchen in ganz NRW.“ Als Zeichen der Anerkennung für dieses ehrenamtliche Engagement aller Mitglieder übergab er dem Verein einen kleinen Briefumschlag. Pressereferent Lukas Schlichtebrede würdigte die in diesem Jahr verstorbene Kuratorin Beate Gatzsch, deren Persönlichkeit und Einsatzfreude sich in der aktuellen Krippen-Sonderausstellung zeige und deren Tod eine Riesenlücke im Verein hinterlassen habe.
Mit Hans-Jürgen Ott war nicht nur einer der damaligen Gründungsväter des Engelvereins vor Ort, sondern der frühere Lehrer für Englisch, Deutsch und Ethik an der Hauptschule Ründeroth war auch einer der Ideengeber für den Engelskirchener Engel und hat damit die Basis zur Vereinsgründung erst geschaffen. So erinnert sich Ott, wie er 2005 frustriert aus dem Unterricht einer neunten Klasse in den Pausenraum gekommen sei, wo ihm ein anderer Kollege enthusiastisch von seinem Unterricht in der sechsten Klasse erzählt habe, die sich mit Zeichnungen und Bedeutungen von Engeln beschäftigt hätten. Die ihm vom Kollegen gezeigten und von den Schülern gezeichneten Engel hätten ihn trotz schlechter Stimmung derart beeindruckt, dass er sich mit dem Kollegen über die Herstellung von Engelsfiguren unterhalten habe.
Dieses Gespräch, in dem Ott auch die Erkenntnis traf, dass seine Ideen klasse sind, jedoch an der praktischen Umsetzung scheitern könnten, habe der damalige Schulhausmeister Jörg Gosch mitbekommen und im Vorbeigehen gesagt: „Mach `ne Zeichnung – ich bin dabei.“ Kurz darauf seien die ersten zwei Engelskirchener Engel entstanden. Im Unterricht und mit der Unterstützung von Schülern und Gosch. Ein Engel sei für die Schule gewesen und ein Engel für das Rathaus. Niemand war zu diesem Zeitpunkt bewusst, welche Eigendynamik die Idee entwickeln würde.
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[Der Engelchor unterhielt die Gäste mit Gospels und Liedern wie Nenas „Wunder geschehen“ bestens.]
Die Engel wurden so beliebt, dass die Schüler weitere produzierten und auf dem Weihnachtsmarkt verkauften. Ursprünglich sollte damit eine Klassenfahrt nach London bezahlt werden, aber dazu reichte die Gewinnmarge dann doch nicht aus. Der Engelvertrieb wurde jedoch größer und auch die Umsätze steigerten sich, so dass von einem Schulprojekt nicht mehr die Rede sein konnte. Damit war der Grundstein für den Engelverein gelegt, dessen erster Vorsitzender Ott im Jahr 2010 wurde.
Der Siegeszug des Engelskirchener Engels als Symbolfigur der Gemeinde ist seitdem nicht mehr aufzuhalten. So besteht ein europaweites Markenrecht für die Figur, welches der Engelverein regelmäßig verlängert. Niemand hätte damals gedacht, dass aus einem Pausengespräch der Lehrer ein Verein und ein Museum hervorgehen, sowie ein derart populäres und bekanntes Wahrzeichen für die Gemeinde entstehen könnte. Und mit der von Rother geäußerten Absicht, das Museum als außerschulischen Lernort anerkennen zu lassen und auszubauen, schließt sich der Kreis vom Beginn bis heute.