BLAULICHT

Schwere Brandstiftung: Gummersbacher hielt Feuerzeug noch in der Hand

pn; 22.07.2026, 15:03 Uhr
Foto: Peter Notbohm ---- Ein an einer Psychose leidender Gummersbacher (hier mit seinem Verteidiger) soll auf unbestimmte Dauer in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden, nachdem er ein Haus angezündet haben soll.
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Schwere Brandstiftung: Gummersbacher hielt Feuerzeug noch in der Hand

pn; 22.07.2026, 15:03 Uhr
Gummersbach – Im Sicherungsverfahren gegen einen 39-Jährigen, der das Haus seines Stiefvaters angezündet haben soll, berichtet der Berufsbetreuer des Angeklagten, dass er monatelang vergeblich versucht habe, den Mann in einer Langzeittherapie unterzubringen.

Von Peter Notbohm

 

Mal teilnahmslos wirkend, mal mit Tränen in den Augen verfolgt Stefan D. (Anm.d.Red.: Name geändert) die Aussagen von Polizisten und seinem Berufsbetreuer von der Anklagebank aus. Seit Anfang Juli muss sich der Gummersbacher (39) in einem Sicherungsverfahren wegen schwerer Brandstiftung vor der 5. Großen Strafkammer am Landgericht Köln verantworten (OA berichtete). Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, im Januar dieses Jahres das Haus seines Stiefvaters im Stadtteil Bernberg im Zustand der Schuldunfähigkeit angezündet zu haben. Da aufgrund einer seelischen Störung mit hoher Wahrscheinlichkeit weitere schwere Taten von ihm zu erwarten sind, soll der Mann auf unbestimmte Dauer in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden.

 

Bei der Polizei war Stefan D. schon vor dem Vorfall kein unbeschriebenes Blatt. „Wenn man in Gummersbach seinen Dienst versieht, kennt man ihn“, sagte ein Polizeibeamter am zweiten Prozesstag aus. Der Beamte berichtete auch, dass er nach der Festnahme des Gummersbachers in seiner rechten Faust versteckt ein Einwegfeuerzeug sichergestellt habe, an dem später Rußpartikel gefunden wurden.

 

Auf dem Weg ins Krankenhaus und zur Wache habe Stefan D. auf ihn einen teilnahmslosen Eindruck hinterlassen. Zu dem Feuer habe er sich damals nicht geäußert, sondern wirr darüber gesprochen, dass „Satan brennt“ und er die Welt brennen sehen wolle. Zudem soll Stefan D. gesagt haben, dass er Moslem sei, 70 Jungfrauen wolle und weitere Taten verüben werde. Er kenne den Gummersbacher aus vielen vorangegangenen Einsätze, berichtete der Polizist. Dabei habe er sich mal aggressiv, mal euphorisch-beschwingt, mal wirr verhalten. Aber auch klare Momente, in denen der 39-Jährige, der mehrfach in der Klinik in Marienheide zur Behandlung war, völlig normal gewirkt habe, habe es immer wieder gegeben.

 

Diese Aussage deckte sich auch mit den Berichten zwei weiterer Polizisten, die als erste am Brandort eingetroffen waren. Eine Anwohnerin sei ihnen damals bereits entgegengekommen, man habe die Frau aufhalten müssen, in ihre Wohnung zurückzukehren. Eine weitere ältere Nachbarin, die auf einen Rollator angewiesen ist, trugen die beiden Polizisten aus der Gefahrenzone heraus, nachdem diese endlich ihre Haustür geöffnet hatte. Glücklicherweise wurde bei dem Brand damals niemand verletzt.

 

Auch der Angeklagte sei damals auf sie zugelaufen, als bereits Rauch aus der Wohnung aufstieg und Flammen aus einem Fenster schlugen. Auch die beiden Beamten beschrieben das Verhalten des Gummersbachers als teilnahmslos. Sie habe den Eindruck gehabt, dass er den Brand überhaupt nicht wahrnahm, berichtete eine Polizistin. Das Einzige, was Stefan D. immer wieder geäußert habe, war der Satz „Satan brennt“. Die Frage, ob er das Feuer gelegt habe, sei von dem Mann damals bejaht worden.

 

Von schwierigen Verhältnissen sprach auch der Berufsbetreuer von Stefan D., der den Gummersbacher erst etwa ein halbes Jahr vor dem Brand übernommen hatte. Er berichtete, dass sich die psychotischen Vorkommnisse zunehmend gehäuft hätten, weil der 39-Jährige seine Medikamente nicht genommen und sich immer wieder selbst aus der Klinik in Marienheide entlassen habe. Er habe versucht, den Mann in der Psychiatrie in Olpe für eine Langzeittherapie dauerhaft unterzubringen, sei vom dortigen Chefarzt aber brüsk abgekanzelt worden.

 

Auch im Oberbergischen habe er keinen Therapieplatz gefunden, weil auch Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen den 39-Jährigen im Raum standen. „Dann nimmt einen im Oberbergischen Kreis keine Einrichtung mehr auf.“ Mehrfach habe man ihm auch gesagt, Stefan D. sei „nur ein Lümmel, der seine Erfahrungen machen muss. Gefährlich ist er nicht.“ Auf ihn selbst habe der Gummersbacher den Eindruck hinterlassen, seine Krankheit nicht einsehen zu wollen und in seinen Psychosen gefangen zu sein: „Mal fahrig, mal sehr nervös, teilweise halluzinatorisch.“

 

In zwei Wochen wird der psychiatrische Sachverständige sein Gutachten abgeben, das Urteil ist für den 7. August geplant.

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