BLAULICHT

Mehr Unfälle als im Vorjahr, aber weniger Tote

lw; 11.03.2026, 17:56 Uhr
Archivfoto: Peter Notbohm --- Drei Leichtverletzte und ein hoher Sachschaden war die Bilanz eines Unfalls auf der Wipperfürther Straße in Marienheide im Oktober, nachdem eine 21-Jährige die Kontrolle über ihr Fahrzeug verloren hatte.
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Mehr Unfälle als im Vorjahr, aber weniger Tote

lw; 11.03.2026, 17:56 Uhr
Oberberg – Kreispolizeibehörde legt die Statistik für das Jahr 2025 vor – Sechs Prozent mehr Vorfälle, auch Zahl der Verletzten steigt – Ein Fokus bleibt auf den Motorradfahrern.

Von Lars Weber

 

Die Zahl der Unfälle im Oberbergischen Kreis im Jahr 2025 ist im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent angestiegen. Insgesamt 7.872 Mal krachte es, 445 Mal häufiger als 2024. Die Zahl der Unfälle mit Leicht- und Schwerverletzten stieg dabei an (551 und 125, hier Zunahme um fünf Prozent), die Zahl der Unfälle mit Todesfolge sank dafür von neun auf fünf. „Jeder ist einer zu viel“, machte Landrat Klaus Grootens deutlich, der die Verkehrsunfallstatistik heute Mittag gemeinsam mit Polizeidirektor David Clemens und Carsten Röser, Leiter der Direktion Verkehr, vorgestellt hat. Trotzdem betonte der Landrat auch: Die Wahrscheinlichkeit, sich im Kreis bei einem Unfall zu verletzen, ist weiterhin vergleichbar gering. In dieser Statistik liegt der OBK in NRW an Platz drei.

 

[Sie stellten die Statistik vor (v.li.): Polizeidirektor David Clemens, Landrat Klaus Grootens und Carsten Röser, Leiter der Direktion Verkehr. Einblicke in die Arbeit eines VU-Teams gab zudem Marco Faka.]

 

„Wo Menschen sind, passieren Fehler“, sagte Grootens weiter. Eine Sekunde der Unaufmerksamkeit könne schon ausreichen, dass sich das eigene Leben oder das Leben anderer nachhaltig verändert oder man sogar zu Tode kommen kann. „Man sollte immer im Hinterkopf haben: Das eigene Verhalten kann diese Gefahr minimieren.“ Er appellierte daran, rücksichtsvoll und aufmerksam zu fahren sowie sich an Regeln zu halten. Um besonders letzteres zu überprüfen, zeige die Polizei Präsenz und kontrolliere. „Das ist weiterhin ein wichtiges Instrument.“ Direkt neben der Prävention, die die oberbergische Polizei bereits ab dem Kindergartenalter bis zur Zielgruppe der Senioren betreibt.

 

Unfälle mit Verletzten und Toten

 

[Grafiken: Polizei OBK.]

 

Positiv: Im Vergleich zum Mittelwert der Jahre 2020 bis 2024 sind die Personenschäden im vergangenen Jahr um rund 15 Prozent niedriger gewesen. Fünf Menschen sind 2025 bei einem Unfall im Kreis getötet worden (2024: neun Personen). „Wir kommen unserer Vision von null Verkehrstoten einen Schritt näher“, sagte Röser. Der Weg war lang, wie ein Blick in die Historie zeigt. Noch 1975 starben auf Oberbergs Straßen 58 Menschen, seitdem nimmt die Zahl immer weiter ab. Hier mache sich die bessere Sicherheitstechnik bemerkbar, aber auch die Fortschritte beim Rettungsdienst in den vergangenen Jahrzehnten. Besonders in Erinnerung geblieben ist 2025 der schreckliche Unfall auf der Seßmarstraße in Gummersbach am 27. Juni, als eine junge Frau auf ihrem E-Scooter von einem Lkw erfasst wurde. Ein tödlicher Unfall (am 23. November) passierte auf winterglatter Fahrbahn in Waldbröl. Unter den Toten waren auch zwei Motorradfahrer (am 17. Juli in Radevormwald und am 10. September in Lindlar).

 

Themen bleiben zudem verunglückte junge Erwachsene (2025: 132, 2024: 139) und auch verunglückte Senioren (2025: 116, 2024: 99).

 

Die Unfallursachen

 

 

Bei 21,4 Prozent der Unfälle waren Vorfahrts- oder Vorrangverstöße die Ursache (2024: 19,8 Prozent). Zweithäufigste Ursache ist die Geschwindigkeit mit 13,9 Prozent (2024: 11,9 Prozent), gefolgt von Unfällen beim Abbiegen oder Wenden (9,5 Prozent, 2024: 9,4 Prozent). Vermehrt war zudem Alkoholkonsum der Grund für einen Unfall, der Wert stieg von 5,4 auf sieben Prozent (von 96 auf 117 Unfälle). Meistens saßen Erwachsene am Lenkrad (88), die Zahl bei den jungen Erwachsenen (18 bis 24 Jahren) bleibt seit Jahren stabil um die 20, dieses Jahr bei 18. Röser ergänzte, dass die Zahl der Unfälle unter Rauschmitteleinwirkung unverändert geblieben sei (33). Im Vergleich zum Mittelwert der Jahre 2020 bis 2024 stieg die Zahl aber um sechs an, eine Zunahme von 23 Prozent. Landrat Grootens warnte eindringlich davor, sich berauscht ans Steuer zu setzen.

 

Was macht ein VU-Team?

 

Marco Faka, Leiter des VU-Aufnahmeteams der Polizei OBK, erklärte im Rahmen der Pressekonferenz, wie seine Kolleginnen und Kollegen vorgehen, wenn sie zu einem Unfall mit tödlichen Ausgang oder mit Schwerstverletzten gerufen werden. An jedem Unfallort verfolgten sie ein dreiteiligen System, um am Ende ein Gesamtbild des Unfalls zu erhalten, gegebenenfalls Ursachen, Verursacher oder auch Vermeidungsmöglichkeiten zu analysieren. Neben einer fotografischen Sicherung der Unfallstelle (von klassischen Fotos über Aufnahmen mit der Actioncam bis zu Drohnen, die bis zu 500 Fotos anfertigen), wird der Ort mit modernster Technik vermessen. Unter anderem kommt auch ein 3D-Laserscanner zum Einsatz. Später können am Computer so die Unfälle auch animiert dargestellt und verschiedene Parameter verändert werden. Weiter erfolge eine Datenerfassung. Inzwischen geben gerade moderne Autos viele Daten her, aber auch anhand von Smartphones oder Techniken an Ampeln werden Informationen gesammelt.

 

Unfälle mit Motorrädern und (E-)Fahrrädern

 

 

Der Anteil an Motorradfahrern an der Zahl der Toten zeigt bereits: Die Motorräder im Straßenverkehr im Kreis bleiben ein Thema. „Wir versuchen viel zu sensibilisieren“, so Clemens. Auch zu Beginn der Saison wird am 19. April wieder die traditionelle Präventionsaktion der Polizei stattfinden. Die Zahl der verletzten Motorradfahrer steigt seit drei Jahren wieder an, von 72 im Jahr 2023, 86 im Jahr 2024 auf nun 105 Verletzte im vergangenen Jahr. Drei weitere Verletzte kommen hinzu, wenn die Mitfahrer mitgezählt werden. 63 Prozent der Verletzten waren Auswärtige, die die Straßen im Kreis nicht so kennen. 70 Prozent der Unfälle passierten außerorts, in 67 Prozent der Fälle sind die Kradfahrer auch die Verursacher der Unfälle gewesen.

 

66 Verletzte gab es bei Unfällen mit klassischen Fahrrädern, 54 von ihnen wurden nur leicht verletzt. Ähnlich sehen die Zahlen bei Unfällen mit Pedelecs aus. 63 Verletzte gab es, 51 Leicht- und 12 Schwerverletzte. Dafür steigt die Zahl der beteiligten Senioren, weshalb die Polizei hofft, auf ihre Pedelec-Kurse noch mehr Resonanz zu bekommen. „Allein das Bremsverhalten ist beim Pedelec ein ganz anderes“, so Röser.

 

Die Unfallorte

 

 

Mit klarem Vorsprung führt Marienheide die Statistik der Anzahl der Personenschäden nach Kommunen an. Maßgeblich für die Reihenfolge ist die Verunglücktenhäufigkeitszahl, bei der die Zahl der Gesamtunfälle ins Verhältnis zur Einwohnerzahl gesetzt wird. In Marienheide lag der Wert bei 517 (Zahl der Unfälle: 69). Es folgen auf den weiteren Plätzen Wipperfürth (393, 85), Waldbröl (379, 75) und Gummersbach (363, 186). Die geringste Wahrscheinlichkeit, bei einem Unfall verletzt zu werden, gibt es in Morsbach (152, 16) und Bergneustadt (145, 27). Warum ausgerechnet Marienheide die Statistik anführt, konnte Röser nicht erklären. Unfallschwerpunkte gebe es jedenfalls keine.

 

Unfälle mit Fahrerflucht

 

In 1.378 Fällen (+7) entfernte sich ein Unfallbeteiligter vom Unfallort. Die Aufklärungsquote liegt konstant bei 42 Prozent (Platz 14 in NRW). Bei Unfällen mit Personenschäden begingen 50 Personen Fahrerflucht (+12). Hier lag die Aufklärungsquote bei 70 Prozent, womit die Polizei OBK Platz vier im Landesvergleich belegt.

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