BLAULICHT
Familienvater (50) soll seine zwei Töchter schwer sexuell missbraucht haben
Waldbröl/Bonn – Ein Familienvater soll über mehrere Jahre seine Töchter und in einem Fall auch seine Nichte sexuell missbraucht haben – Zum Prozessauftakt am Landgericht Bonn legt er ein Geständnis ab, kann sich aber an kaum etwas erinnern.
Von Peter Notbohm
Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft sind erheblich und widerlich zugleich. Manuel K. (Anm.d.Red.: Name geändert) soll seine beiden leiblichen Töchter jahrelang schwer sexuell missbraucht haben. In einem weiteren Fall zudem seine Nichte. Insgesamt 25 Fälle werden dem 50-Jährigen, der damals in Waldbröl lebte, im Tatzeitraum von 2008 bis 2019 vorgeworfen. In zehn Fällen soll es zum Geschlechtsverkehr gekommen sein, wofür er den regelmäßigen Mittagsschlaf der Kinder ausgenutzt haben soll. Die Mädchen waren zum Tatzeitpunkt noch im Kindergarten- bzw. Grundschulalter, sodass auch der Vorwurf von sexuellem Missbrauch von Schutzbefohlenen im Raum steht. Die Mädchen sollen sich während der Übergriffe teilweise schlafend gestellt haben. Erst als sie 14 Jahre alt wurden, sollen die Übergriffe geendet haben.
Insgesamt sind sieben Verhandlungstage für den Prozess vor der 8. Großen Strafkammer am Landgericht Bonn angesetzt. Der Angeklagte war am 4. September des vergangenen Jahres am Frankfurter Flughafen festgenommen worden, nachdem er nach Deutschland zurückgekehrt war. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Zum Prozessauftakt am Montag zeigte er sich geständig und räumte über seine Verteidigerin Lena Schruff alle Vorwürfe vollumfänglich sein. Gleichzeitig sagte er aber auch, dass in seinem Kopf vieles „in dunklen Erinnerungen hinter einer Mauer“ verschwimmen würde. Er sehe nur das damalige Wohnzimmer, eine dunkle Tür und das Schlafzimmer, sagte der 50-Jährige vor Gericht. An die sexuellen Übergriffe könne er sich „nur stückweise erinnern“; an Geschlechtsverkehr überhaupt nicht. Gleichzeitig sagte er: „Ich nehme an, dass meine Kinder die Wahrheit sagen.“
Laut Anklage sollen die beiden Töchter sich über Jahre hinweg niemandem anvertraut haben, weil ihr Vater ihnen gesagt habe, sie seien der Teufel und würden die Familie zerstören. Erst 2016 soll die jüngere Tochter sich an ihre Mutter gewandet haben. Seine Ehefrau habe ihn sofort aus der gemeinsamen Wohnung geschmissen, berichtete der Mann. Zu einer Anzeige kam es damals aber nicht. Nach einer Versöhnung hätten er und seine Frau, gegen die laut der Richterin ein Verfahren wegen Beihilfe zu sexuellen Handlungen durch Unterlassen läuft, eine gemeinsame Therapie gemacht – ohne die Kinder. Um die Aufarbeitung der Vorwürfe sei es dort aber nicht gegangen, sondern um „Schritte der Vergebung“, so der Angeklagte.
Auch der sexuelle Missbrauch seiner Nichte – das Kind war damals acht Jahre alt - sei nur innerfamiliär behandelt worden. Sein Schwager habe ihn einige Tage später mit den Vorwürfen konfrontiert. Obwohl er keine Erinnerungen an einen Übergriff gehabt habe, sei er damals bereit gewesen, zur Polizei zu gehen, behauptete der Angeklagte. Warum es trotzdem zu keiner Anzeige kam, wisse er nicht. Die einzige Konsequenz: Die Familie habe ihn nicht mehr zu Familienfeiern eingeladen.
Mit seinen Töchtern habe er nach 2016 kaum noch gesprochen, inzwischen bestehe überhaupt kein Kontakt mehr. Erst 2024 zeigte die jüngere Tochter ihren Vater schließlich an. Alle drei Opfer treten im Prozess als Nebenklägerinnen auf. Durch das Geständnis müssen sie nicht mehr zwingend aussagen, wollen sich laut ihrer Anwältin aber zu den Folgen der Missbräuche äußern. Am ersten Verhandlungstag wurden von der Kammer von ihnen polizeiliche Aussagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit angehört. Das Urteil wird für den 3. Juni erwartet.