BLAULICHT
Falsche Bankmitarbeiter sollen Senioren abgezockt haben
Oberberg/Köln – Am Landgericht Köln müssen sich zwei Männer (37 und 40) für vier Taten mit einem Schaden von rund 5.000 Euro verantworten – Die Opfer kommen aus Morsbach, Wiehl, Wissen und Overath.
Von Peter Notbohm
Obwohl die Polizei nicht müde wird, vor bekannten Betrugsmaschen wie dem Enkeltrick, dem falschen Polizisten oder dem falschen Bankmitarbeiter zu warnen, fallen nach wie vor zahlreiche hochbetagte Menschen auf die perfiden Schreckanrufe herein und füllen damit die Konten von kriminellen Banden. Häufig kommen sie unerkannt davon, auch weil viele Opfer aus falscher Scham schweigen.
Am Landgericht Köln müssen sich seit Dienstag nun aber zwei Mitglieder einer Bande vor der 23. Großen Strafkammer verantworten. Einem Mann aus Siegen (37) und einem Mann aus Mülheim an der Ruhr (40) wird von der Staatsanwaltschaft gewerbsmäßiger Bandenbetrug in vier bzw. in zwei Fällen vorgeworfen. Sie sollen mit weiteren Personen zwischen dem 3. November und dem 26. November 2025 eine Frau aus Wissen (Rheinland-Pfalz) und drei Männer aus Morsbach, Overath und Wiehl im Alter zwischen 85 und 89 Jahren betrogen haben.
Die Masche verlief immer gleich: Das Telefon klingelt, es meldet sich eine Frauenstimme, die sich als Lena Meißner vorstellt. Mal ist sie Mitglied der Bankaufsichtsbehörde, mal eine Mitarbeiterin einer Bank. Sie schockt die Menschen mit angeblichen, verdächtigen Abbuchungen und Kontobewegungen, weshalb unbedingt die Bankkarte kontrolliert werden müsse. Gleichzeitig erfragt sie auch die geheimen PINs der Geschädigten.
Nur kurze Zeit später kamen laut Anklage dann die Angeklagten. Eine erste Kontrolle der Bankkarten verläuft unauffällig, weshalb man nach telefonischer Rücksprache mit der vermeintlichen Frau Meißner die EC-Karten unbedingt mit in ein Labor zu weiteren Untersuchungen nehmen müsse. Dort kommen die Karten natürlich nie an. Stattdessen heben die Betrüger hohe Geldbeträge von den Konten ab. Insgesamt 5.000 Euro sollen die beiden Männer in Wissen, Morsbach und Overath so erbeutet haben.
In Wiehl schnappen die Ermittler nach einem "polizeiinternen Hinweis" dann aber zu und nehmen die Männer am 26. November fest, als sie gerade bei einem 85-Jährigen in der Wohnung sind. Hauptangeklagter ist der Mann aus Siegen, der vor Gericht am ersten Prozesstag auch ein Geständnis ablegt. Sein Bekannter habe ihn in zwei Fällen lediglich begleitet, dabei aber zumindest gewusst, worum es ging. Sein Handeln bezeichnete er als "abscheuliche Tat". Er sei dort in etwas hingeraten. Ihm sei jeweils ein Viertel der Beute versprochen worden. Das übrige Geld und die Bankkarten habe er anschließend an andere Bandenmitglieder weitergegeben.
Für den Prozess sind sechs Verhandlungstage vorgesehen. Das Urteil wird für den 10. September erwartet.