BLAULICHT

Nümbrecht: Drohnenvideo vom Brandort

pn, mkj, ls; 20.06.2020, 14:55 Uhr
Fotos: Michael Kleinjung, Peter Notbohm, privat.
BLAULICHT

Nümbrecht: Drohnenvideo vom Brandort

pn, mkj, ls; 20.06.2020, 14:55 Uhr
Nümbrecht - Einsatz ist beendet - Mehrere Gebäude evakuiert (mit VIDEO der Löscharbeiten und Drohenvideo vom Einsatzort, AKTUALISIERT).

+++ 4. Meldung, Samstag, 14:55 Uhr +++

 

Wie Nümbrechts Wehrchef Udo Müller auf OA-Nachfrage mitteilt, war der Einsatz für die Feuerwehr um kurz nach 14 Uhr beendet. „Das Gelände ist eingezäunt und wurde von der Polizei beschlagnahmt“, so Müller. Am Vormittag hatten aufwendige Aufräumarbeiten stattgefunden und ein Öl-Wasser-Gemisch wurde - mithilfe einer Spezialfirma - aus einem Tank im Keller des Hauses abgepumpt. „Wir haben für die Bewohner noch Dinge wie benötigte Medikamente aus den Räumen geholt“, sagt der Wehrchef. Nun werden die Brandermittler zeitnah ihre Arbeit aufnehmen.

 

 

[Drohnenvideo: Michael Kleinjung.]

 

 

+++ 3. Meldung, Samstag, 11:10 Uhr +++

 

Eine lange Nacht liegt auch hinter den Einsatzkräften der oberbergischen Hilfsorganisationen des Malteser Hilfsdienstes (MHD) und Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Erst gegen 9 Uhr am heutigen Samstag verließen die letzten Ehrenamtler den Einsatzort. 

 

Wie DRK-Sprecher Johannes Ufer in einer gemeinsamen Meldung mit dem MHD mitteilt, stellte das DRK Rettungsmittel aus dem gesamten Kreisgebiet zur Verfügung, der MHD war mit zwei Fahrzeugen im Einsatz.  Im Parkhotel wurde von den Maltesern eine arztbesetzte Betreuungsstelle eingerichtet und später vom DRK übernommen.

 

Rund 80 Menschen, die zunächst nicht zurück in Ihre Wohnungen konnten, wurden bis etwa 1 Uhr in der Nacht betreut. Das DRK verpflegte von 20 Uhr an die rund 140 Einsatzkräfte. Im Einsatz waren die Ortsvereine Gummersbach-Bergneustadt, Reichshof und Waldbröl. Eingesetzt waren insgesamt 40 Kräfte des DRK und sieben Mitarbeiter der Malteser.

 

+++ 2. Meldung, Samstag, 10:30 Uhr +++

 

von Michael Kleinjung und Leif Schmittgen

 

Noch immer sind etliche Nümbrechter Feuerwehrleute nach dem verheerenden Brand gestern im Erlenweg vor Ort. Wie Einsatzleiter Michael Schlösser am Morgen berichtet, hatte die Dachkonstruktion des Hauses die Löscharbeiten erheblich erschwert. Mehrere Isolierungen in der Zwischendecke, darunter auf Holzbanken angebrachtes Schaummaterial, Plastikfolie und Teerpappe, hatten das Eindringen des Wassers verhindert. Erst nachdem die komplette Decke eingestürzt war, konnte man zum Brandherd durchdringen. Neben der Nümbrechter Feuerwehr, waren Kräfte aus Wiehl, Waldbröl, Marienheide und Bergneustadt am Einsatzort. 

 

 

14 Personen kamen zu Schaden, neun von ihnen wurden vom Rettungsdienst, der mit 30 Kräften vor Ort war, ins Krankenhaus gebracht. Außerdem sorgte das Deutsche Rote Kreuz für die Verpflegung der Einsatzkräfte, das THW Waldbröl war zudem unterstützend im Einsatz. Kreisbrandmeister Wilfried Fischer und sein Stellvertreter Frank Hartkopf eilten ebenfalls nach Nümbrecht. Ein Statiker des Oberbergischen Kreises hat das Gebäude begutachtet und schätze die Einsturzgefahr laut Schlösser als gering ein.

 

 

Trotzdem bleibt das Mehrfamilienhaus unbewohnbar. „Das, was nicht Raub der Flammen ist, wurde durch das Löschwasser zerstört“, so Schlösser. Der Schaden wird auf mehrere 100.000 € geschätzt, das Haus muss von Grund auf saniert werden. Vermutlich werden sich die Arbeiten noch bis zum Mittag hinziehen, ein Spezialunternehmen wurde mit dem Abpumpen eines Öl-Wasser-Gemischs aus dem Heizungskeller beauftragt. Am Montag werden Brandermittler ihre Arbeit aufnehmen und sich auf die Suche nach der Brandursache machen.

 

+++ 1. Meldung, Freitag, 20:30 Uhr +++

 

Von Peter Notbohm

 

Großalarm für Nümbrechts Feuerwehr am Freitagnachmittag: Um 15:33 Uhr wurde ein Brand in einem Mehrfamilienhaus im Nümbrechter Erlenweg gemeldet. Die Einsatzkräfte waren zwar binnen Minuten da, zu diesem Zeitpunkt stand eine Wohnung im dritten Geschoss des Gebäudes allerdings schon in Vollbrand. Auch Einsatzleiter Michael Schlösser, einer der ersten Wehrleute am Einsatzort, stellte schnell die akute Gefahr fest, die von dem Flammenmeer ausging. „Ich habe sofort damit begonnen, die Leute aus dem Gebäude zu schicken, nachdem ich erkannt habe, dass die Außenseite schon extrem durchgebrannt war.“

 

[Die Rauchsäule war schon von Weitem zu sehen.]

 

Das Hauptaugenmerk der Einsatzkräfte lag zunächst darauf, möglichst alle 36 gemeldeten Hausbewohner aus den 20 Wohneinheiten zu retten, mehrere hatten bereits selbstständig ihre Wohnungen verlassen. Viele ältere Menschen waren allerdings bewegungseingeschränkt, Nachbarn halfen ihnen auf der Flucht, sechs Personen mussten mit Fluchthauben durch die Feuerwehr evakuiert werden. Etwa 20 gerettete Menschen zählte die Feuerwehr zunächst, wie viele Hausbewohner sich beim Ausbruch des Feuers im Gebäude befanden, blieb zunächst unklar. Gemeindebrandinspektor Udo Müller konnte daher während der Löscharbeiten noch nicht ausschließen, dass sich noch Menschen in einer der brennenden Wohnungen befanden.

 

Im nächsten Schritt bekämpfte die Feuerwehr die Flammen. Dies gestaltete sich äußerst schwierig, da das Dach mit einer Holzeindeckung versehen war. Diese brannte schnell durch und das Feuer fraß sich zügig unter der Schieferverkleidung und der Dachhaut in weitere Wohnungen durch. Ein Arbeiten auf dem Dach war aufgrund der akuten Absturzgefahr nicht möglich. Schlösser befürchtete, dass die Wehrleute noch bis in die Nacht gegen die Flammen kämpfen werden, da immer wieder neue Nester entstanden. „Wenn ich sehe, wie sich das Feuer immer weiter frisst und wie mühsam wir uns mit den Drehleitern vorarbeiten müssen, sehe ich uns noch lange arbeiten.“ Neben den beiden Drehleitern aus Waldbröl und Wiehl, über die parallel zu den Löscharbeiten auch die Dachhaut geöffnet wurde, bekämpften zudem zwei Trupps im ständigen Wechsel das Feuer im Innenangriff in den betroffenen Wohnungen.

 

[Die Flammen griffen auch auf weitere Wohnungen über. Die Feuerwehr bekämpfte sie von beiden Seiten des Hauses mit einer Drehleiter.]

 

Mindestens zwei Wohnungen wurden durch das Feuer fast vollständig zerstört, auch die weiteren Wohnungen des Obergeschosses sind massiv verraucht und werden auf unbestimmte Zeit wohl nicht bewohnbar sein. Die beiden unteren Etagen wurden ebenfalls durch den massiven Wassereinsatz beschädigt. Die Rettungskräfte zählten zunächst fünf Verletzte, die über Atemwegsprobleme klagten, zwei von ihnen mussten mit schwereren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Die Bewohner des Mehrfamilienhauses wurden in das Park Hotel in Nümbrecht gebracht, wo Nümbrechts Bürgermeister Hilko Redenius in Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden mehrere Räume reserviert hatte. Auch ein Koch wurde extra organisiert, um eine Erstversorgung zu gewährleisten. „Die Menschen werden vom Rettungsdienst betreut und namentlich registriert. Wer nicht bei Verwandten unterkommen kann, den werden wir im Park Hotel vorerst unterbringen“, sagte Redenius.

 

Auch umliegende Häuserzeilen wurden aufgrund der starken Rauchentwicklung von Polizei und Ordnungsamt evakuiert. Die Bewohner wurden aufgefordert, Türen und Fenster abzuschließen und anschließend mittels Linienbussen und eines Busses von Busreisen Caspari ebenfalls ins Park Hotel gebracht, sie sollen nach Beendigung der Löscharbeiten aber in ihre Häuser zurückkehren können. „Damit wollen wir weiteren Rauchgasvergiftungen vorbeugen“, erklärte der Bürgermeister.

 

[Video: Peter Notbohm - Schnitt: Michael Kleinjung.]

 

Die Brandursache blieb zunächst unklar. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Im Einsatz waren neben den Drehleitern aus Wiehl und Waldbröl alle sieben Einheiten der Nümbrechter Feuerwehr sowie der Rettungsdienst. Insgesamt bekämpften etwa 140 Wehrleute die Flammen. Während des Einsatzes stellte die Feuerwehr Wiehl den Grundschutz für die Gemeinde Nümbrecht sicher.


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