BLAULICHT

Busfahrer muss nach brutaler Attacke mehrfach operiert werden

pn; 28.05.2026, 07:00 Uhr
Symbolfoto: Peter Notbohm ---- Am Busbahnhof Derschlag kam es vor einer Woche zu einer brutalen Attacke auf einen Busfahrer.
BLAULICHT

Busfahrer muss nach brutaler Attacke mehrfach operiert werden

pn; 28.05.2026, 07:00 Uhr
Gummersbach – Am Busbahnhof Derschlag haben zwei junge Männer einen Busfahrer brutal zusammengeschlagen – Der Auslöser: Ein Streit unter Fahrgästen – Der Vorfall wurde gefilmt – Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung.

Von Peter Notbohm

 

Ein Streit um richtiges Verhalten in einem Linienbus ist am Busbahnhof Derschlag eskaliert. Bereits am Sonntag, 17. Mai, sollen zwei junge Männer einen Busfahrer krankenhausreif geprügelt haben. Das bestätigte die Polizei auf Nachfrage von Oberberg-Aktuell. Gegen einen Gummersbacher (19) und einen Bergneustädter (17) wird wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung ermittelt.

 

In dem Bus soll es laut einer Sprecherin der Polizei zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern mit zwei weiteren Fahrgästen und dem Busfahrer gekommen sein. Der Fahrer soll die beiden Männer wegen ihres Verhaltens ermahnt haben. Auch die anderen Fahrgäste, eine Frau und ein Mann, sollen das Duo angesprochen haben.

 

Als der Busfahrer die Männer gegen 16 Uhr des Busses verwiesen haben soll, hätten diese dem noch Folge geleistet, sollen dann aber von außen gegen den Bus geschlagen haben. Der Busfahrer sei daraufhin ebenfalls ausgestiegen und habe das Duo aufgefordert, dies zu unterlassen, woraufhin die beiden Männer den Mann brutal zusammengeschlagen haben sollen. Laut der Polizei wurde die Attacke von Zeugen gefilmt.

 

Der Busfahrer, ein 42-jähriger Gummersbacher, erlitt bei dem Vorfall schwere Verletzungen. Gegenüber Oberberg-Aktuell sagte er, dass etwa 20 bis 25 Schläge gegen den Kopf auf ihn eingeprasselt seien. Hierbei erlitt er neben einem leichten Schädel-Hirn-Trauma auch mehrere Frakturen im Gesicht sowie eine schwere Jochbeinfraktur, die operiert werden musste. Er befindet sich seit dem Angriff stationär im Krankenhaus, ist auf unbestimmte Zeit krankgeschrieben und fürchtet sich neben den körperlichen auch vor den psychischen Folgen. Der Vorfall hat ihn schwer getroffen. Er hofft, überhaupt jemals wieder in seinen Beruf zurückkehren zu können.

 

Die Geschäftsführerin der OVAG, Corinna Güllner, zeigte sich schockiert von der Attacke und verurteilte sie auf das Schärfste. „Das ist nichts, was wir im Oberbergischen erwarten würden. Verbale Auseinandersetzungen gibt es. Körperliche Attacken sind zum Glück aber sehr selten und hier im Oberbergischen haben wir es einfacher als in anderen Räumen“, sagt sie. Auf die Situation am Gummersbacher Busbahnhof habe man bereits reagiert, eine Komplettüberwachung für alle 900 Bushaltestellen sei aber nicht möglich.

 

Im gesamten Bereich des ÖPNV sei spätestens mit der tödlichen Attacke auf einen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz Anfang des Jahres eine neue Sicherheitsdebatte entbrannt. Im Bahnverkehr habe man mit einem zweiten Zugbegleiter reagieren können, das sei in Linienbussen aber personell nicht realisierbar, erklärt Güllner. Die während der Corona-Pandemie installierten Trennscheiben zum Fahrgastraum würden bereits für eine gewisse Sicherheit sorgen. Die Fahrer werden laut ihr zudem durch die OVAG in deeskalierendem Verhalten geschult.

 

Aufgrund der Attacke will das Unternehmen nun prüfen, wie solche Vorfälle zukünftig verhindert werden können. „Das Thema Selbstschutz muss stärker verinnerlicht werden“, sagt Güllner, dass der Fahrer nicht hätte aussteigen dürfen. Es gebe ein dreistufiges System, mit dem die Fahrer auf Situationen reagieren können. Die während der Fahrzeiten dauerhaft besetzte Leitstelle könne jederzeit reagieren und habe einen direkten Draht zur Polizei. In der Regel sind die Busse der OVAG zudem videoüberwacht. In dem Bus in Derschlag, der einem beauftragten Subunternehmen gehört, war keine Videotechnik verbaut.

 

Das Opfer der Prügel-Attacke wirbt gegenüber Oberberg-Aktuell um mehr Verständnis bei den Fahrgästen und spricht von einer problematischen Situation in der Region. Insbesondere ein Teil der jüngeren Generation falle immer wieder mit Fehlverhalten (Müll, gefälschte Tickets, Alkoholkonsum, laute Telefonate) auf. „Busfahrer stehen täglich unter erheblichem Stress und tragen große Verantwortung – durch den Straßenverkehr, den Zeitdruck zwischen den Haltestellen, die Sicherheit der Fahrgäste und die Kontrolle der Situation im Bus“, sagt er. Er wünscht sich, dass OVAG und die zuständigen Stellen bessere Maßnahmen zum Schutz von Busfahrern sowie zur Förderung eines respektvollen Umgangs im öffentlichen Nahverkehr entwickeln werden.

 

Die mutmaßlichen Täter wurden nach den erkennungsdienstlichen Maßnahmen der Polizei zunächst wieder entlassen, da keine Haftgründe vorliegen.

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