Bergneustadt - Beim zweiten historischen Abend des Vereins „Feste Neustadt“ gab es am Freitag Schwänke, Anekdoten und zahlreiche Erinnerungen von Bergneustädter Urgesteinen.
Von Astrid Deckers
Zwei Grundvoraussetzungen mussten die rund 50 Besucher im Heimatmuseum mitbringen: Kenntnisse im Bergneustädter Plattdeutsch und „Sitzfleisch“. Wer über beides verfügte, konnte für zweieinhalb Stunden in die Geschichte der Stadt Bergneustadt und ihrer Einwohner eintauchen. Zur Überraschung von Heinz Kowalski, ehrenamtlicher Organisator der Veranstaltung für den Heimatverein, hatten alle acht angefragten Redner zugesagt, so dass ein sehr umfangreiches Programm angeboten werden konnte. Nach dem Riesenerfolg der ersten Veranstaltung im April dieses Jahres wurde die inhaltlich gleiche Veranstaltung erneut angeboten, da im Frühjahr zahlreiche Anfragen zum Besuch der Veranstaltung abgelehnt werden mussten.
[Als „Minchen“ von den Brunnengesprächen am Losemund-Brunnen bekannt und von Moderator Kowalski augenzwinkernd angekündigt mit den Worten „Eine Dame mussten wir ja einladen“, riss Gerda Rippel die Anwesenden mit ihrem Vortrag in komplettem Neustädter Platt mit.]
Mit Hermann Schürfeld eröffnete ein Redner den Abend, der seit seiner Geburt im Jahr 1944 stets in Bergneustadt gelebt und gearbeitet hat. In seinen Ausführungen schilderte Schürfeld die beruflichen Anfangsjahre seines Vaters August, der 1908 Gründungsmitglied des SSV Bergneustadt war und in seinen eigenen Worten in einem Interview gesagt hat: „Ich habe das Stromnetz in ganz Bergneustadt gebaut.“
Sein breites Wissen stellte der von Moderator Kowalski als wandelndes Geschichtslexikon angekündigte Dieter Rath unter Beweis. Nicht nur das historische Zusammenwachsen von Bergneustadt und Lieberhausen nach der kommunalen Neugliederung im Jahr 1969, auch die sprachlichen Unterschiede des Lieberhausener und Bergneustädter Plattdeutsches wusste er unterhaltsam zu vermitteln. Der gebürtige Lieberhausener berichtete, dass die Bergneustädter Stadtfläche damals um das Dreifache, von 13 auf 37 Quadratkilometer, angewachsen sei.
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[In historischem Ambiente und in geselliger Runde wurde so manche Begebenheit thematisiert.]
In gekonnt unterhaltsamen und von Humor gespickten „Dönekes“ berichtete das Neustädter Urgestein Friedhelm Julius Beucher von seinem Opa Wilhelm, in Bergneustadt als „Häcken Wilhelm“ bekannt, und von den Geschichten, die er von seiner Tante Meta über diesen berichtet bekam. Dabei durfte auch das eine oder andere plattdeutsche Zitat nicht fehlen. So hatte der als Lohnunternehmer und Leichentransporteur agierende Opa Wilhelm mit seinen Pferde-Fuhrwerken Aufträge bis ins Ruhrgebiet angenommen. Das Eis zur Kühlung der Leichen auf dem Transport holte er in Brauereien am Wegrand ab und trank dabei auch gerne mal einen Gerstensaft. So wusste Tanta Meta zu berichten, dass die Pferde ab Wegeringhausen den Weg nach Bergneustadt allein fanden, wenn Opa nicht mehr auf dem Kutschbock saß.
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[Dieter Rath unterhielt alle nicht nur mit der Historie Bergneustadts, sondern auch mit familiären Anekdoten aus früheren Zeiten.]
Michael Hesse berichtete aus seiner Kindheit von winterlichen Rodelaktionen auf den Straßen Bergneustadts, die lediglich vom damaligen „Räumdienst“, einem Lkw mit Arbeitern, die auf der Ladefläche stehend mit der Schaufel Sand auf die Straße warfen, unterbrochen wurde. Horst Kowalski trug humoristische Gedichte vom Heimatdichter Wilhelm von der Linde vor und sorgte für zahlreiche Lacher bei den Anwesenden. Manfred Rippel hatte einen Schulaufsatz von 1961 wiederentdeckt, den er damals für den Unterricht seines Berufsschul- und Deutschlehrers Karl Jäger verfasst hatte. Das Thema des Aufsatzes lautete passenderweise: „Meine Heimatstadt“. Michael Kresin vom Heimatverein rundete den intensiven Abend mit einem Diavortrag und einer Filmpräsentation ab, bevor die Gäste mit zahlreichen neu gewonnenen oder aufgefrischten Erkenntnissen heimwärts zogen.
Nach der großen Resonanz steht für die Organisatoren fest, dass es im Herbst noch einen dritten Heimatabend geben wird und auch die Planungen für das Frühjahr 2027 haben, laut Aussage von Organisator Kowalski, bereits begonnen. Dann wird sich alles um Unternehmer und Unternehmerinnen in Bergneustadt drehen.