BERGNEUSTADT
Bergneustädter Rathaus will offene Sprechzeiten auf Probe testen
Bergneustadt – Nach den Sommerferien sollen Bürger mit ihren Anliegen an einem Nachmittag in der Woche wieder spontan erscheinen können.
Von Peter Notbohm
Seit der Corona-Pandemie geht im Bergneustädter Rathaus nichts mehr ohne einen Termin. Den Pass verlängern oder eine Ummeldung: für alle Anliegen im Bürgerservice ist eine vorherige Online-Anmeldung verpflichtend. Das soll sich auf Initiative der FWGB nun wieder ändern. Einstimmig hat Bergneustadts Stadtrat die Prüfung eines Mischmodells aus Terminvergabe und offenen Sprechzeiten im Bürgerservice beschlossen.
Bürgermeister Matthias Thul (CDU), selbst bekennender Fan der starren Terminvergabe, versprach nach Rücksprache mit seinen Mitarbeitern, nach den Sommerferien einen sechsmonatigen Probelauf zu starten. Zunächst soll der Donnerstagnachmittag aus der Terminvergabe herausgenommen werden, sodass der Bürger in diesem Zeitraum wieder offene Sprechstunden nutzen kann. „Damit hat der Bürger wieder freien Zugang, muss aber mit Wartezeiten rechnen“, so das Stadtoberhaupt. Das Modell sofort an einem kompletten Arbeitstag zu testen, sei hingegen zu kompliziert umzusetzen. Sollten die offenen Sprechzeiten vom Bürger angenommen werden, werde man aber ein entsprechendes Konzept erarbeiten.
Laut Recep Özgül (FWGB) wünschen sich viele Bergneustädter mehr Flexibilität und kurzfristige Vorsprachen: „Viele Bürger verstehen nicht, warum das in anderen Kommunen möglich ist, bei uns aber an starren Vorgaben festgehalten wird.“ Mit einem Mischmodell könnte aus Sicht der FWGB die Bürgerfreundlichkeit der Stadtverwaltung verbessert werden und gleichzeitig die Planbarkeit für die Verwaltung erhalten bleiben. Profitieren würden aus Özgüls Sicht vor allem Familien, in denen beide Partner berufstätig sind.
Holger Ehrhardt (SPD), selbst angestellt im Wiehler Rathaus, wollte der Testphase nicht entgegenstehen, gab aber zu bedenken, dass viele Kommunen bewusst beim reinen Terminmodell bleiben würden: „Bürger, die berufstätig sind, können mit einem Termin besser planen. Das ist eins der positiven Überbleibsel aus der Corona-Pandemie.“ Wolfgang Lenz (AfD) brach indessen eine Lanze für die Mitarbeiter im Rathaus: „Ich höre aus meinem Umfeld nur Positives. Wer ein Problem hat, das schnell gelöst werden muss, bekommt Hilfe.“ Auch Thul betonte, dass die Verwaltung bemüht sei, in Notfällen sofort zu helfen - notfalls mit langen Wartezeiten. Das sei aber „kein regelbarer Bereich, sondern braucht Fingerspitzengefühl“.
Christian Hoene (FDP) erinnerte daran, dass sich besonders ältere Mitbürger immer noch schwer mit dem Thema Digitalisierung täten und befürwortete den FWGB-Vorstoß: „Für diese Generation wäre es gut, wenn es einen Tag gäbe, an dem sie spontan hingehen können.“
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