BERGNEUSTADT
Abriss des Jägerhof-Saals hängt an der Oberen Denkmalbehörde
Bergneustadt - Bergneustadts Politik hat erneut lange über die Zukunft des Jägerhofs diskutiert - Anträge von SPD und UWG wurden letztlich aber abgelehnt - Ein Abriss und Neubau des Festsaals werden trotzdem immer wahrscheinlicher.
Von Peter Notbohm
Für die einen ist der Saal des Jägerhofs eine „Feierscheune“, die es unbedingt zu erhalten und sanieren gilt, für die anderen ein Millionen-Grab, das abgerissen werden muss. Darüber wie es mit dem in Fachwerkbauweise errichten Saal weitergehen soll, wurde am Mittwochabend in Bergneustadts Stadtrat leidenschaftlich debattiert. Herausgekommen ist dabei letztlich aber wenig. Anträge von UWG für einen Biergarten als Ersatz und SPD für ein Moratorium der Bauarbeiten wurden jeweils mehrheitlich abgelehnt.
Zunächst brachte Bürgermeister Matthias Thul (CDU) die Politik auf den aktuellen Stand. Seit die Stadtverwaltung einen Kostendeckel in Höhe von fünf Millionen Euro in das Projekt eingezogen hat, steht bekanntlich auch ein Komplettabriss des Saals mit einem Neubau in gleicher Kubatur im Raum, weil die bisherigen Vorschläge für Sparmaßnahmen nicht ausreichen, um eine Sanierung im vorgegebenen Kostenrahmen durchzuführen (OA berichtete). Im Stadtrat wurden nun erste Entwürfe präsentiert, wie ein Alternativbau aussehen könnte: vor allem deutlich kleiner. Ein Foyer mit einer Ankleide und ein Vorsaal im Bereich des Haupteingangs wurden ersatzlos gestrichen. Auch die Räume wurden neu aufgeteilt. Übrig geblieben sind ein Foyer, ein kleiner Saal und ein großer Saal mit einer Bühne.
Gesprochen hat man im Rathaus im Vorfeld auch mit der Oberen Denkmalbehörde, die einen Abriss des denkmalgeschützten Saals genehmigen müsste. Hier gibt es offenbar Bewegung. Die ersten Gespräche seien positiv verlaufen, man warte aufgrund einer fehlenden Aussage zur Statik der Außenwände aber noch auf das schriftliche Go aus Düsseldorf, erklärte Thul. Keine Alternative ist aus seiner Sicht ein ersatzloser Abriss des Saals. Der Grund: Dann würde der Fördermittelgeber 1,3 Millionen Euro zurückverlangen. Der Eigenanteil der Sanierung liegt hingegen bei 900.000 Euro. Der Bürgermeister schätzte, dass dieser durch den Kostendeckel auf maximal eine Million Euro anwachsen kann. „Nichts zu tun, kostet uns also mehr als die Sanierung durchzuführen“, so Thul.
Aus demselben Grund kommt aus seiner Sicht auch der von der UWG geforderte Biergarten mit einer kleinen Bühne nicht in Frage, der laut Bezirksregierung ebenfalls nicht förderfähig sei. Außerdem habe er 2019 in Gesprächen mit den Bergneustädter Gastronomen klare Vereinbarungen getroffen, dass es keine staatlich subventionierte Gaststätte geben wird, die über das bereits vorhandene Angebot hinausgeht, berichtete Thul.
Jens-Holger Pütz (UWG) positionierte sich deutlich gegen einen neuen Neubau des Saals und sprach von einem Fass ohne Boden: „Die kleine Kneipe sollten wir als Kleinod unbedingt erhalten, aber der Saal darf kein weiteres Beispiel des Wegsehens werden. Der Bürger muss es am Ende ausbaden.“ Ein letztlich abgeänderter UWG-Antrag mit der Forderung eines Abrisses und der Prüfung weiterer Anpassungen, um finanzielle Risiken auszuschließen, bekam nur sieben Stimmen aus Reihen von AfD und UWG, bei einer Enthaltung des Bürgermeisters. CDU, SPD, FDP, Grüne und FWGB stimmten dagegen.
Diskutiert wurde anschließend über das von der SPD geforderte Moratorium der Bauarbeiten am Jägerhof. „Wir brauchen eine Pause, um durchzuatmen und die Kosten zu prüfen. Wir wollen damit sichergehen, dass der Kostendeckel auch eingehalten werden kann“, sagte Daniel Grütz (SPD); er ist diesbezüglich skeptisch. Dass die Stimmung in der Bevölkerung derzeit kippe, sei für ihn nicht verwunderlich, wenn „die Leute hören, dass bereits 2,4 Millionen Euro ausgegeben wurden und man keinen Baufortschritt sieht“. Auch in der SPD geht man davon aus, dass ein Abriss und ein kleinerer Neubau unumgänglich sein werden.
Wolfgang Lenz (AfD) kritisierte, dass bereits neun Architekten an dem Projekt beteiligt waren und forderte für das weitere Vorgehen verbindliche Verträge mit den Ausführenden, Planern und Architekten, um den Kostendeckel einzuhalten. Von Ralf Siepermann (CDU) gab es Lob für die aktuelle Arbeit im Rathaus: „Verwaltung und Bürgermeister leisten hervorragende Arbeit. Es finden Gespräche statt. Wir gehen diesen Weg mit. Zum Kostendeckel von fünf Millionen Euro müssen wir stehen.“ Auch die SPD-Forderung nach einem Moratorium fiel anschließend bei neun Ja-Stimmen und vier Enthaltungen mehrheitlich durch.
Damit bleibt alles vorerst beim Alten: Es gibt neue Prüfung der Kosten. Im Rathaus wartet man auf die Genehmigung für einen Abriss, ehe man weiter handeln kann. Erst dann kann ein Neubau in Absprache mit Fördermittelgeber und Bezirksregierung endgültig geplant werden. Sobald diese Pläne bestehen, werden sie der Politik erneut vorgestellt. „Ohne den Stadtrat wird keine Entscheidung über einen Neubau getroffen“, so Thul am Donnerstag gegenüber Oberberg-Aktuell.
Schon vor der Ratssitzung hatte sich auch Dieter Rath, Stellvertretender Vorsitzender der Genossenschaft Jägerhof, im Rahmen der Einwohnerfragestunde im Stadtrat positioniert. Er warb dafür den Saal nach einem Abriss in kleiner Form zu erhalten, um weiter wie vom Fördermittelgeber gefordert kulturelle Veranstaltungen durchführen zu können: „Die Voraussetzung ist, dass das Budget eingehalten wird. Dann gibt es für den Rat auch keine Möglichkeit, noch daran herumzunörgeln.“
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