BERGNEUSTADT

70 Jahre Zeitgeschichte: Vom „Haus Florian“ zum Phönix Hotel

ad; 09.08.2026, 12:10 Uhr
Fotos: Michael Kleinjung --- Ingrid und Harald Stahl aus Bergneustadt nahmen das Hotel als Ausgangs- und Endpunkt, um mit Freunden den Feuer-und-Flamme-Weg zu wandern. Im Restaurant ließen sie den Tag gemütlich ausklingen.
BERGNEUSTADT

70 Jahre Zeitgeschichte: Vom „Haus Florian“ zum Phönix Hotel

ad; 09.08.2026, 12:10 Uhr
Bergneustadt - Sommerfest und Tag der offenen Tür des Phönix Hotels lockten zahlreiche Besucher an.

Von Astrid Deckers

 

Im Jahr 1956 wurde, in bester Hanglage Bergneustadts liegend und mit beeindruckendem Weitblick, ein Feuerwehrerholungsheim des Landes Nordrhein-Westfalens eröffnet. Im damaligen „Haus Florian“ konnten sich in den ersten Jahren ausschließlich Feuerwehrkameraden von belastenden Einsätzen erholen und regenerieren. „Für die Ehefrauen hieß es damals: ‚Wir müssen über Nacht leider draußen bleiben‘“, berichtete der ehemalige Löschzugführer der Freiwilligen Feuerwehr Bergneustadt, Wolfgang Ribinski. „Ich weiß noch, dass meine Eltern in den ersten Jahren zwei Zimmer in ihrem Haus an die Ehefrauen vermieteten, da sie über Nacht im Erholungsheim nicht erwünscht waren.“

 

[Geschäftsführer Marvin Kemmerich freute sich über den großen Besucherandrang beim Tag der offenen Tür.]

 

SPD-Politiker Friedhelm Julius Beucher nahm das Sommerfest zum Anlass, ebenfalls im Hotel vorbeizuschauen und humorvoll zu schildern, wie er als Zehnjähriger am Festumzug zur Einweihung teilgenommen hatte. „In eine mittelalterliche Uniform gekleidet und an einer Feuerwehr-Spritze gehend, zog ich als kleiner Junge stolz wie noch nie durch Bergneustadt und freute mich unglaublich über die Menschen am Wegrand, die uns bejubelten.“ Bis zum Millenium erfreute sich das Heim sehr hoher Beliebtheit bei Feuerwehren aus nah und fern und war stets ausgelastet.

 

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Kurz nach dem Jahrtausendwechsel geriet das Haus jedoch in finanzielle Schieflage, das Land strich die Subventionen und dem Heim drohte der Verfall. Nach der Zwangsvollstreckung übernahmen drei Gesellschafter den Betrieb, das Gebäude wurde von 2007 bis 2008 umfangreich umgebaut und modernisiert und unter dem Namen „Phönix Hotel“ neu eröffnet. Der Name war wohl überlegt, denn so wie der mythische Vogel verbrennt, um aus seiner Asche wieder neu zu entstehen, sollte auch das verloren geglaubte „Haus Florian“ mit dem entstandenen Hotel wieder in neuem Glanz erscheinen.

 

[Markus Ueberberg und Kristin Schmidt gehörten zu den Besuchern, die sich von Feuerwehrkamerad Sebastian Henninger (Mitte) die zwei ausgestellten Fahrzeuge erklären ließen.]

 

Seit 2010 wird das Hotel als privates, familiengeführtes Haus betrieben. Am 1. Februar 2025 übernahm Marvin Kemmerich die Position als Geschäftsführer und nachdem sein Großvater Egon im April 2026 in den Ruhestand gewechselt hat, wird er dabei maßgeblich von seinem Vater Andreas unterstützt. Heute kennzeichnen moderne und dennoch mit viel Wohlfühlatmosphäre ausgestattete Räumlichkeiten den Komplex. Mit sechs Tagungsräumen, 98 Hotelbetten in 58 Zimmern, Restaurantbetrieb, Wellnessbereich, Schwimmbad und Sauna wurde das frühere Erholungsheim in die Neuzeit geholt. Allein 400.000 Euro wurden in den vergangenen beiden Jahren für die Renovierung von 14 Gästezimmern investiert und ein Ende der Maßnahmen ist noch nicht in Sicht.

 

[Ob als Hotelgast oder Restaurantbesucher: Atmosphäre und Fernblick sind durchaus einen Besuch wert.]

 

Die Tagungsräume sind, ebenso wie alle öffentlichen Aufenthaltsbereiche, vollständig klimatisiert und können auch von Hochzeitsgesellschaften mit bis zu 100 Personen genutzt werden. Der hohe Standard wurde kürzlich auch vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) anerkannt, der dem Phönix Hotel für drei weitere Jahre vier Sterne verlieh. Die Symbiose von alt und neu wird bereits deutlich, wenn man das Hotel betritt und durch die Gänge schlendert. An der Wand im Eingangsbereich hängt ein riesiges Gemälde von „Florian von Lorch“, dem Schutzpatron aller Feuerwehrkameraden. In den Fluren kann man Feuerwehrhelme aus der ganzen Welt in Vitrinen bewundern. Aber auch inhaltlich gibt es eine intensive Verbundenheit zwischen Feuerwehr und Hotelbesitzern. Nach wie vor kommen viele Feuerwehrleute ins Hotel, um Ruhe und Erholung zu finden. Wie Marvon Kemmerich betont, „ist uns als Hotel wichtig, die alten Wurzeln des Hauses als Erholungsheim für die Feuerwehraktiven auch in die Neuausrichtung einließen zu lassen. Wir arbeiten auf Kooperationsniveau eng und sehr vertrauensvoll zusammen.“

 

[Vom früheren Erholungsheim bis zum Hotelkomplex - zahlreiche bauliche und inhaltliche Veränderungen kennzeichneten die letzten 70 Jahre des Gebäudes.]

 

Weitere Kooperationen hat das Hotel beispielsweise mit dem Kreissportbund Oberberg, der Familylounge Bergneustadt, die Baby-Schwimmkurse anbietet, und vielen weiteren Anbietern mehr. Somit steht eine breite Angebotspalette auch den ortsansässigen Bürgern und nicht nur den Hotelgästen zur Verfügung. „Ob Restaurant- oder Saunabesuch, wir bieten auch den Oberbergern so einiges“, sagte Kemmerich.

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