WIEHL
Zwischen Nostalgie und Fachsimpelei
Hengstenberg – Die zahlreichen Besucher des 24. Treckertreffens der Treckerfreunde Hengstenberg hatten Gelegenheit, rund 150 Oldtimer-Traktoren zu bestaunen.
Von Katja Pohl
Mit einem Eichertraktor von 1956, der stolze 19 PS aufweist, ist Michael Schütz, Mitglied der Treckerfreunde Niedergelpe in das Wiehler Dörfchen Hengstenberg getuckert, um dort am 24. Treckertreffen der örtlichen Treckerfreunde teilzunehmen.
[Sascha Rothstein (re.) von den gastgebenden Hengstenberger Treckerfreunden freute sich, dass rund 150 Oldtimer mit ihren Fahrerinnen und Fahrern ins Wiehler Dorf kamen.]
Rund 150 Oldtimer erwarten die Treckerfreunde Hengstenberg an diesem Samstag. Die Ordner weisen ohne große Pausen Hanomags, Deutz, Porsches, Fendts und Eicher ein, große und kleine Besucherinnen und Besucher kommen mit den Fahrern schnell ins Gespräch, stellen interessierte Fachfragen oder bewundern die Oldies. Sascha Rothstein von den organisierenden Treckerfreunden freut sich: „Unsere Wiese wird hier gerade zu einem regelrechten Freilichtmuseum!“ Er selbst fährt einen Deutz-Traktor von 1979. „Im Grunde nur zu Hobbyzwecken“, wie er sagt und berichtet, dass viele Treckerfans die sehr reduzierte Technik an den alten Fahrzeugen mögen. „Denn da ist der Mensch noch als umsichtiger Fahrer gefragt.“
Michael Schütz, der mittlerweile nicht weit vom Eingang entfernt geparkt hat, hat den Eicher von seinem Opa Karl Unruh übernommen und erzählt lachend, auch seine beiden Enkel hätten – so wie er vor Jahren - längst signalisiert, den Trecker gerne in Besitz nehmen zu wollen. Ein bisschen warten müssen die beiden aber noch, um dann als fünfte Generation mit dem kleinen blauen Gefährt durchs Oberbergische zu knattern – schließlich sind sie erst sechs und zwölf Jahre alt.
Michael Schütz (65), gelernter Kfz-Mechaniker, hat seinen Eicher bis vor zwei Jahren noch zur landwirtschaftlichen Arbeit im Nebenerwerb genutzt, nun sind sie beide im Ruhestand. Er blickt zurück: „Mein Opa hat mir, als ich zehn Jahre alt war, auf einer Wiese das Fahren mit diesem Trecker beigebracht. Es stand immer fest, dass ich den Trecker übernehme.“. Neben seinem Traktor, dem man das Alter ansieht, steht der perfekt aussehende Eicher Panther von Jörg Stucke. Er berichtet: „Ich habe ihn 2025 gekauft und komplett restauriert.“ Selbst das richtige Eicherblau für die Lackierung hat er mischen lassen, denn Mitte der 1960er Jahre war es ein „Alpenblau“. „Um die zum Jahr passende Farbe zu erwischen, gibt es Listen“, verrät er lachend.
Auch der Porsche Diesel Junior, ein Einzylinder mit 14 PS von 1959, hat bei der Restaurierung durch Hans-Gerd Blum aus Wahlscheid bei Much natürlich den perfekten Rotton erhalten. Der 76-Jährige erzählt, er liebe es, gemütlich durch die Lande zu fahren und habe die 22 Kilometer lange Fahrt nach Hengstenberg mit 20 Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit sehr genossen. „Meinen Porsche habe ich vor 15 Jahren als Schrotthaufen gekauft und wieder hergerichtet. Die Treckerfreunde Agger-Sülz, denen ich angehöre, haben mich sehr unterstützt.“
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[Hans-Gerd Blum (re.) hat aus einem Porsche-„Schrotthaufen“ ein perfekt restauriertes Schmuckstück gemacht, das immerhin 20 Stundenkilometer schnell wird.]
Nur ein paar Schritte weiter parkt ein beeindruckend großer Hanomag R 460 S von 1961. Über 14 PS kann der dunkelgrüne Riese nur lachen, er hat stolze 60 PS und wird 40 Stundenkilometer schnell. Sein Besitzer, Günter Heimann aus Much-Oberdorf, sagt, der Hanomag werde nicht umsonst Schnellläufer genannt, habe ihn schon nach Leipzig, München und Hamburg gebracht. „Früher wurden diese Hanomags genutzt, um Kirmeswagen zu ziehen. Mir ist es halt lieber, etwas zügiger unterwegs zu sein.“ Günther Heimann muss schmunzeln, als er verrät, dass auch bei ihm schon ein Enkel am Start steht, der den Traktor gerne übernehmen würde: „Er mag Trecker und Motorräder. Der Hanomag ist später bei ihm gut aufgehoben.“
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[Der beeindruckend große Hanomag wurde früher zum Ziehen von Kirmeswagen genutzt.]
Daniel Schlimbach ist ein solcher Enkel – er bekam den Fendt Farmer 2 D von seinem Großvater Jonas Peter und hat zunächst den Motor wieder auf Vordermann gebracht. „Ob ich den Fendt komplett überhole, weiß ich noch nicht. Eigentlich mag ich auch diesen Originalcharme von früher“, sagt der 41-Jährige, der zum ersten Mal in Hengstenberg dabei ist. Wie die vielen anderen Treckerbesitzer und Treckerfans ist auch er gleich mitten im Gespräch, schaut sich andere Gefährte an und tauscht Tipps aus, um am Abend schließlich wieder gemütlich nach Hause zu tuckern.

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