WIEHL

Praktikant mit 67 - Auf dem Weg zum Juristen

Red; 03.03.2026, 23:55 Uhr
Foto: Stadt Wiehl --- Bürgermeister Ulrich Stücker hieß Andreas Kreft (li.) im Rathaus willkommen.
WIEHL

Praktikant mit 67 - Auf dem Weg zum Juristen

Red; 03.03.2026, 23:55 Uhr
Wiehl – Der Wiehler Andreas Kreft hat als Rentner ein Jurastudium aufgenommen – und absolviert jetzt ein Praktikum im Rathaus seiner Heimatstadt.

Er ist wohl der älteste Praktikant, der je im Wiehler Rathaus tätig war: Mit 67 Jahren lernt Andreas Kreft sechs Wochen lang die Stadtverwaltung kennen – im Rahmen seines regulären Jurastudiums. „Ich bin sehr froh, dass mir die Stadt diese Möglichkeit gibt“, sagt der Oberwiehler, der seit November 2024 Rentner ist. „Ich fühle mich gut und wollte was machen“, berichtet er. Dabei stand ihm der Sinn nicht nach einem neuen Hobby oder ausgedehnten Reisen. „Ich habe mich an der Uni Köln um einen Studienplatz für Jura beworben“, so Kreft. Inzwischen steht er vor dem ersten juristischen Staatsexamen, das er im Herbst absolvieren möchte.

 

Im Studium zwingend vorgeschrieben ist ein dreimonatiges Praktikum; die ersten sechs Wochen hat er im Justizdienst geleistet, die weiteren sechs bei der Stadt Wiehl laufen bis Ostern. „Ich kann schon nach einer Woche sagen, dass es mir hier sehr gut gefällt“, sagt er. Mit Fällen aus der Praxis haben ihn bereits mehrere Fachbereiche beschäftigt, so die Kämmerei, die Stadtplanung und das Ordnungsamt. „Das ist schon etwas anderes, als sich mit einem konstruierten Fall im Hörsaal auseinanderzusetzen“, findet Andreas Kreft.

 

Bürgermeister Ulrich Stücker lobt das Engagement des angehenden Juristen. „Wir sind froh, dass Herr Kreft hier ist, denn das ist ein Gewinn für beide Seiten“, bemerkt er. Grundsätzlich hält es der Bürgermeister für wichtig, Menschen im Ruhestand weiterhin eine Perspektive im Arbeitsleben zu geben. Viele Rentnerinnen und Rentner suchten sinnvolle Beschäftigungen bei Unternehmen und Behörden. „Ich glaube, dass es unserem Gemeinwesen guttut, wenn wir für bestimmte Jobs Ältere gewinnen können, die noch Lust haben, etwas zu bewegen – wohlgemerkt auf freiwilliger Basis und nicht für Achtstundentage“, betont Ulrich Stücker: „Diese Leute sind wertvoll für unseren Arbeitsmarkt und die Gesellschaft.“

 

Der momentane Praktikant Andreas Kreft hat zuletzt bei dem US-amerikanischen Software-Hersteller MicroStrategy als Verkaufsdirektor gearbeitet. Zuvor war er viele Jahre bei Siemens Nixdorf beschäftigt. Ein Jura-Studium hat er schon einmal begonnen, nachdem er an der Fachhochschule Köln Betriebswirtschaftslehre studiert und abgeschlossen hatte. Doch damals lockte die Tätigkeit in der Wirtschaft stärker. Immerhin: Viele Scheine aus dieser Zeit wurden für sein jetziges Studium anerkannt. Dass er jetzt in Wiehl das Praktikum absolvieren kann, freut ihn: „Ich lebe seit 26 Jahren in Oberwiehl und finde, Wiehl ist eine tolle Stadt.“ Und wer weiß – vielleicht kann er künftig als Jurist an der einen oder anderen Stelle für Wiehl tätig werden.

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