WIEHL
Musikalische Sommerferien mit dem CVJM-Posaunenchor Remperg
Wiehl - In den Sommerferien nutzt das Ensemble seine freitäglichen Übungsabenden für eine Open-Air-Konzert-Tournee durch Orte und Weiler der evangelischen Kirchengemeinde Wiehl.
Von Ute Sommer
Alteingesessene und Insider spitzen erfreut die Ohren, Menschen die noch nicht so lange in der Wiehler „Ostzone“ zu Hause sind, glauben an eine Sinnestäuschung. Schallt da tatsächlich die Melodie von „Über den Wolken“ durch die Nachbarschaft oder spinnt der Hörnerv? In der Tat ist während der sechs Wochen dauernden Sommerferien die Wahrscheinlichkeit groß, Freitag abends irgendwo im „Oberen Bezirk“ der Kirchengemeinde Wiehl, Zuhörer eines Pop-up Konzertes des Remperger CVJM-Posaunenchores zu werden.
[Lars-Patrick Petry erlernte ab dem zwölften Lebensjahr in „seinem“ Posaunenchor die Bassposaune und steht dem Ensemble heute als Chorleiter vor.]
Vor 33 Jahren hob dessen damaliger Dirigent Eckhard Gülicher den so genannten „Ständchendienst“ aus der Taufe, der sich seitdem zu einer Tradition verfestigt hat und eine absolute Win-Win-Situation für alle Seiten schafft. „Klar sehen wir unseren Auftrag darin, zur Ehre Gottes zu musizieren“, betont Initiator Gülicher, doch ist dies nicht der einzige Mehrwert für den die rund 30 Musiker im Alter von 13 bis 78 Jahren, in den großen Ferien ihre „Übungs-Bubble“ verlassen. „Mit unseren Übungsstunden unter freiem Himmel bereiten wir gezielt hochbetagten Mitmenschen eine Freude, pflegen außerdem im Nachgang den geselligen Kontakt untereinander bei einem Eis oder einem Kaltgetränk.“
Seit sieben Jahren führt das „Eigengewächs“ Lars Patrick Petry den Taktstock, ist beim „Ständchendienst“ in Doppelfunktion auch an der Bassposaune tätig. Ob ein Platzkonzert zum Ehejubiläum, dem runden Geburtstag, vor dem JohannesHospiz oder dem Seniorenzentrum Bethel gewünscht ist, klärt Schriftführer Andreas Heinrichs im Vorfeld ab und plant demnach die Rundgänge. So waren für gestern Abend musikalische Stippvisiten in fünf verschiedenen Büttinghausener und Angfurtener Vorgärten geplant. Weil sich das riesige Posaunenchor-Repertoire aus Klassik, Chorälen, Gospel, Volksliedern und populären Titeln zusammensetzt, kann die Hit-Wunschliste spontan von den Jubilaren selbst bestimmt werden. So erklangen beim Gartenkonzert für Familie Heikaus „Am Brunnen vor dem Tore“, „Geh aus mein Herz und suche Freud“ und Reinhard Meys „Über den Wolken“.
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[Nach dem letzten Auftritt vor Bubenzers Scheune traf sich das Bläser-Ensemble zur geselligen Nachlese bei Musiker-Kollege Linus.]
„Ist das echt nur für uns? Ich dachte der Chor steht irgendwo auf der Straße“, zeigte sich Heidi (82) begeistert. „Dat ham se schön gemacht“ pflichtete Ehemann Harald (87) bei. Zu Ehren des 90. Lebensjahrs von Gerhard Schuster, der dem Chor selbst 23 Jahre lang angehörte, wurde unter anderem das bekannte Volkslied „La Montanara“ und der Klassiker „Großer Gott wir loben dich“ intoniert. Die imposant orchestralen Klänge lockten benachbart wohnende Zuhörer auf die Straße und zauberte Gassi-Gehenden Passanten ein Grinsen ins Gesicht. Die Angfurtener Dorfgemeinschaft, informiert über die Dorf-App, kam bei hereinbrechender Dunkelheit an Bubenzers Scheune gestern Abend in den Genuss des letzten „Gigs“.
Der Applaus und der Zuspruch von allen Seiten geben dem unkonventionellen Musik-to go-Konzept recht, wie auch Annette Gerhardt, Mitglied des Bläserensembles betont. „Wenn man sieht, wie sehr sich die Menschen freuen, ist das die beste Motivation dabei zu sein.“